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Was wir wissen - und was nicht - Wie gefährlich ist Omikron für Kinder?

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Gesundheitsminister Lauterbach warnt, die Corona-Variante Omikron sei für Kinder besonders gefährlich. Stimmt das? ZDFheute hat die bisher bekannten Fakten zusammengetragen.

Kinderarzt mit Gesichtsschutzmaske, der einen Nasenabstrichtest an einem Jungen durchführt
Ist Omikron für Kinder gefährlicher als frühere Corona-Varianten?
Quelle: imago

Bisher galt: Corona ist für Kinder meist eine harmlose Erkrankung, das Risiko, dass sie einen schweren Krankheitsverlauf erleiden und in die Klinik müssen, ist sehr gering. Doch die neue Omikron-Variante verunsichert viele Eltern, Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte am Mittwoch im heute journal des ZDF, sie sei für Kinder "besonders bedrohlich":

Das ist leider so, dass die Omikron-Variante sich nicht nur schneller verbreitet, sondern leider auch Kinder stärker befällt und somit auch zu mehr Krankenhauseinweisungen führen wird.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach

Prompt widersprach der Virologe Klaus Stöhr in der Berliner Zeitung: Noch gebe es "keine Erkenntnisse, die auch nur annähernd den Schluss zulassen, Kinder wären von schweren Verläufen bei Omikron betroffen."

Bei Twitter trendete #Lauterbachlügt

Die Zeitung kommt in ihrem Faktencheck zu dem eindeutigen Schluss: Lauterbachs Aussage sei "vor dem Hintergrund der heute bekannten Fakten falsch." Eine Steilvorlage für viele Impfgegner und Querdenker: Bei Twitter trendete am Donnerstag der Hashtag #Lauterbachlügt.

Zu neuen Erkenntnissen über die Omikron-Variante erklärt Bundesgesundheitsminister Lauterbach, Omikron werde bei Kindern "zu mehr Krankenhauseinweisungen führen".

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Doch was ist wirklich dran an Lauterbachs Warnung? Tatsächlich ist eine eindeutige Antwort, wie gefährlich die Omikron-Variante für Kinder ist, mit den derzeitigen Daten nicht möglich.

Drosten besorgt wegen Berichte aus Südafrika

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité weist im Podcast "Coronavirus-Update" des NDR auf mehrere Berichte aus Südafrika hin, die nahelegen, dass Omikron Kinder häufiger ins Krankenhaus bringt:

In einer Untersuchung des südafrikanischen "Medical Research Council" waren knapp 20 Prozent der Menschen, die symptomatisch mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, Kinder im Alter bis neun Jahren - "was ganz anders ist als früher", so Drosten. Darüber müsse man sich "Sorgen machen".

Expertin: Hinweise mit "Vorsicht zu genießen"

"Es gibt unabhängig davon andere Berichte aus Südafrika, die das bestätigen", erklärt Drosten. Diese Berichte würden sogar nahelegen, dass die Krankenhausaufnahme-Rate bei kleinen Kindern bis fünf Jahre wegen Omikron noch überproportional angestiegen sei.

Jüngere Kinder sind offenbar auffälliger krank mit der Omikron-Variante in Südafrika.
Christian Drosten, Leiter der Virologie der Berliner Charité

Dennoch schränkt Drosten ein, dass noch zu wenig Daten für eine belastbare Einschätzung vorliegen, insbesondere für die Situation in Deutschland.

Durch die Berichte aus Südafrika sieht auch Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, im Interview mit ZDFheute live die Gefahr, dass Kinder bei einer Infektion mit Omikron tendenziell eher "einen Krankenhausaufenthalt brauchen". Doch auch sie macht darauf aufmerksam, dass diese Hinweise aus Südafrika aufgrund der niedrigen Gesamtzahlen "mit Vorsicht zu genießen" seien.

Weil zu wenig über die Folgen einer Infektion bei Kindern bekannt ist, würde Immunologin Prof. Christine Falk gerade mit Blick auf die Omikron-Variante jede Infektion vermeiden.

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Arzt berichtet von Hautausschlag durch Omikron

Darum bekräftigt auch Virologe Stöhr im Gespräch mit ZDFheute seine Haltung: "Hinweise gibt es schon - in beide Richtungen also sowohl für mildere als auch potentiell für schwerere Verläufe. Aber daraus können jetzt keine Schlussfolgerungen abgeleitet werden."

Es gebe vielleicht mehr Kinder, die ins Krankenhaus eingeliefert werden, "aber die meisten mit milderen Verläufen im Vergleich zum letzten Jahr." Gerade "in der gegenwärtigen Situation" sollte man von vorschnellen Schlussfolgerungen "Abstand nehmen", so Stöhr.

Die Antikörper scheinen "nicht mehr so gut" gegen die Virusvariante Omikron zu wirken, sagt Jörg Timm, Leiter der Virologie der Uniklinik Düsseldorf. Dennoch bleibt er "optimistisch, dass die Schutzwirkung gegen schwere Verläufe erhalten bleibt".

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Möglicherweise unterscheidet sich nicht nur die Schwere des Krankheitsverlaufs, sondern auch die Symptomatik bei Kindern mit Omikron-Infektionen von Infektionen mit früheren Varianten: Ein Hausarzt in Großbritannien, wo bereits mehrere hundert Omikron-Fälle registriert wurden, berichtet im Interview mit dem TV-Sender "Sky News" von Kopfschmerzen und extremer Müdigkeit auch von Appetitlosigkeit und Hautausschlag.

Es gibt also Hinweise, dass Omikron mehr Kinder in die Krankenhäuser bringt als frühere Varianten. Gesicherte Erkenntnisse über die Gefährlichkeit sind aufgrund fehlernder Daten bisher nicht möglich. Drosten formuliert es im Podcast so:

 

Wir können hier keine richtige, datenbasierte Wissenschaftsinformation machen, sondern das ist wirklich eine Ratestunde.
Christian Drosten, Leiter der Virologie der Berliner Charité

Politik | maybrit illner - Corona – neuer Minister, neue Sorgen? 

„Wir werden den Kampf gegen die Pandemie gewinnen“ – verspricht Karl Lauterbach. Bei Maybrit Illner stellte er sich erstmals als Bundesgesundheitsminister der Diskussion.

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64 min

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

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