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Was die Zahlen bedeuten - "Wegen" oder "mit" Corona in der Klinik?

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Bei vielen Corona-Patienten in Krankenhäusern ist die Infektion nur ein Zufallsfund - und mit Omikron werden es immer mehr. Wie zuverlässig ist noch die Hospitalisierungsrate?

Thüringen, Saalfeld: Ein Corona-Patient wird mit einem Notarzt-Intensivmobil von den Thüringen Kliniken in ein Krankenhaus nach Hannover verlegt. Archivbild
Ein Corona-Patient wird mit einem Notarzt-Intensivmobil von den Thüringen Kliniken in ein Krankenhaus nach Hannover verlegt. Archivbild
Quelle: dpa

Die Omikron-Variante des Coronavirus lässt die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland steigen. Früher oder später wird sich das erfahrungsgemäß auch auf die Hospitalisierungrate auswirken - also auf die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner in einer Woche. Der Politik dient diese Zahl als eine der wesentlichen Entscheidungsgrundlagen für Corona-Maßnahmen - doch wie verlässlich ist sie?

Die Erfahrungen aus anderen Ländern wie Großbritannien, Dänemark oder Südafrika zeigen: Mehr und mehr Covid-Patienten, die in Kliniken behandelt werden, sind gar nicht wegen Corona, sondern aus anderen Gründen ins Krankenhaus gekommen - Corona nur eine zufällige Diagnose, weil alle Patienten bei der Neuaufnahme routinemäßig getestet werden.

Corona bei vielen nur Zufallsfund

Beispiel Großbritannien: Hier ist Omikron seit Wochen die dominierende Variante, die Zahl der Neuansteckungen inzwischen so hoch wie nie zuvor. Die staatliche Gesundheitsorganisation "National Health Service" (NHS) zählt sowohl Patienten, die ausdrücklich wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus kommen, als auch Patienten, bei denen die Infektion lediglich bei Routine-Tests festgestellt wurde.

Künftig soll die Hospitalisierungsrate maßgebend für die Einschränkungen in den Bundesländern sein. Sie sagt aus, wie viele Covid-Patient:innen von den Kliniken aufgenommen wurden.

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Nach den aktuellsten Zahlen des NHS für England lag der Anteil dieser Patienten, die nicht primär wegen Corona behandelt werden, bei fast 40 Prozent. Noch im Sommer lag deren Anteil gerade mal bei 20 Prozent.

Omikron bringt auch mehr "echte" Covid-Patienten

Durch das massenhafte Infektionsgeschehen mit Omikron gibt es also einerseits immer mehr "Zufallsfunde" von Corona-Infizierten in den englischen Kliniken. Doch gleichzeitig steigt dort auch die Zahl der Patienten, die ausdrücklich wegen Corona in die Klinik kommen, rapide an - nach den Zahlen des NHS von etwa 4.300 zu Weihnachten auf 8.200 am 4. Januar. Die Omikron-Variante sorgt also nicht nur für mehr Hospitalisierungen insgesamt, sondern auch für mehr "echte" Covid-Patienten.

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Die Zufallsfunde treiben die Hospitalisierungsrate vermutlich auch in Deutschland in die Höhe: So teilte beispielsweise das Gesundheitsministerium des Saarlandes Ende des Jahres mit, dass von 382 Corona-Patienten, die zwischen November und Mitte Dezember in den Kliniken behandelt wurden, weniger als die Hälfte wegen Covid eingeliefert wurden. Auch eine Recherche der "Welt" legt nahe, dass der Anteil der Corona-Patienten mit Covid als Nebenbefund relativ hoch ist.

Genaue Zahlen für Deutschland? Fehlanzeige

Doch genaue Zahlen gibt es nicht: Bei der Berechnung der Hospitalisierungsrate unterscheidet das Robert-Koch-Institut (RKI) nicht, ob jemand wegen Corona eingeliefert oder nach der Aufnahme positiv getestet wurde, aber aus anderen Gründen in die Klinik kam.

Auf Anfrage von ZDFheute erklärt das RKI dazu, diese Unterscheidung sei "im Einzelfall schwierig". So könne die Ursache für die Hospitalisierung nicht immer eindeutig ermittelt werden, beispielsweise wenn Personen mit Vorerkrankungen und Covid ins Krankenhaus kämen.

Erhebungsfehler und Meldelücken: Vor der drohenden Omikron-Welle gibt es erhebliche Zweifel an den Coronazahlen, die als Grundlage der Coronamaßnahmen dienen.

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Außerdem seien "die Gesundheitsämter angesichts der hohen Fallzahlen derzeit sehr stark belastet und die Daten können daher nur unvollständig erhoben und übermittelt werden. Eine bundesweite Auswertung ist derzeit daher nicht belastbar", so das RKI.

Andere Länder erheben die Zahlen

Faktoren, die woanders anscheinend keine Rolle spielen - trotz deutlich höherer Infektionszahlen werden die Daten beispielsweise in Dänemark, im US-Bundesstaat New York oder Großbritannien erhoben und veröffentlicht.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin Christian Karagiannidis weist bei Twitter daraufhin, dass im Klinikalltag die Unterscheidung der Covid-Patienten nach dem Grund der Aufnahme irrelevant sei: Der Aufwand zur Isolation sei gleich, auch das Risiko bei Operationen steige mit Covid erheblich an, "selbst wenn die OP einen ganz andern Grund hat", so Karagiannidis.

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Auch die Intensiv-Vereinigung Divi unterscheidet bei der Statisik der Corona-Intensivpatienten nicht den Aufnahmegrund. Die Begründung: Wer mit einer Corona-Infektion auf die Intensivstation kommt, ist ohnehin schwer- oder sogar lebensbedrohlich erkrankt - egal, ob Corona der ursprüngliche Auslöser war.

Höheres Sterberisiko auf Intensivstation durch Corona

"Die Wahrscheinlichkeit für diesen Patienten, dann zur eigentlichen Ursache zusätzlich einen schweren Covid-Verlauf zu entwickeln, ist sehr hoch, auch wenn der Grund für die Einweisung beispielsweise ein Autounfall war", erklärt Nina Meckel, Pressesprecherin des Divi-Intensivregisters im Gespräch mit ZDFheute.

Noch dominiert die Delta-Variante die Intensivstationen, sagt Divi-Präsident Gernot Marx im ZDF. Aber wegen Omikron werde mit "etlichen" neuen Patienten gerechnet.

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Wer wegen einer anderen Krankheit auf der Intensivstation liege und dazu noch eine Corona-Infektion hat, habe ein um bis zu 80 Prozent erhöhtes Risiko zu sterben, so Meckel.

Die Unterscheidung "mit" oder "wegen" Covid auf der Intensivstation spielt in der Praxis bisher keine Rolle. Zumal die Isolation und der damit verbundene Pflegeaufwand der Patienten ebenfalls gleich ist.
Nina Meckel, Pressesprecherin des Divi-Intensivregisters

Dazu kommt: Normalerweise liegen Patienten im Schnitt etwa fünf Tage auf der Intensivstation – Corona-Patienten aber in der Regel mehr als 20 Tage, teilweise Monate. Sinn und Zweck des Divi-Registers sei "der deutschlandweite  Überblick über die vorhandenen Intensiv-Kapazitäten" - daher machte eine Unterscheidung nach Aufnahmegrund bisher keinen Sinn, so Meckel.

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