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Virologe bei Lanz - Streeck kritisiert deutsche Corona-Daten

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Omikron-Daten liefern vor allem England, Dänemark und die USA, erklärte Virologe Hendrik Streeck bei "Lanz". Hierzulande behindere die fehlende Digitalisierung zeitgemäße Analysen.

Über das Misstrauen von Teilen der ostdeutschen Bevölkerung gegen Politik und Wissenschaft, die Omikron-Variante und wie der Schulbetrieb trotz Omikron-Welle sichergestellt wird

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Hendrik Streeck sieht das deutsche Erfassungssystem für Corona-Zahlen im Vergleich zu anderen Ländern im Nachteil. Der Virologe, der dem wissenschaftlichen Expertengremium der Bundesregierung angehört, verwies bei "Markus Lanz" darauf, dass er im Pandemieverlauf bereits frühzeitig forderte, systematisch zu testen, um so mehr Daten sammeln zu können:

Ein großer Fehler, den wir am Anfang der Pandemie immer wieder angesprochen haben, ist, dass wir nicht angefangen haben, systematisch zu testen.
Hendrik Streeck, Virologe

Streeck weiter: "Und Inzidenzen, so wie wir sie auch epidemiologisch verstehen, zu bestimmen."

Virologe: Erhebungen mit Kohorten

Dafür eignen würden sich laut Streeck stichprobenartige Datenerhebungen mit Kohorten. Beispielsweise das Sozio-Ökonomische Panel, eine repräsentative Wiederholungsbefragung deutscher Privathaushalte, oder die NAKO Gesundheitsstudie, bekannt als Nationale Kohorte.

Deren Teilnehmenden könnte man einmal im Monat oder alle drei Monate Corona-Tests zuschicken, um so die Inzidenz dieser repräsentativen Gruppe zu bestimmen. Und so Aufschlüsse über die Entwicklung des Pandemiegeschehens zu bekommen oder die Wirksamkeit von Eindämmungsmaßnahmen besser bewerten zu können.

Zugleich prognostiziert er einen schrittweisen Ausweg aus der pandemischen Corona-Situation. "Das wird ein schleichender Übergang sein", sagte Streeck. Es werde nicht den einen Tag der Befreiung von dem Virus geben. Streeck sagte für das Frühjahr einen Abfall der Infektionszahlen voraus.

Dann beginnt die harte Arbeit.
Hendrik Streeck, Virologe

Die Corona-Datenlage ist weiterhin unklar. Bundesgesundheitsminister Lauterbach vermutet hierzulande eine deutliche Untererfassung der Infektionen. Die weitaus höheren Zahlen zahlreicher europäischer Länder bereiten Sorge.

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Streeck: Vorschläge mehrfach eingebracht

Auf Streecks Kohorten-Vorschlag entgegnete die Journalistin Eva Quadbeck, Leiterin der Hauptstadtredaktion des RedaktionsNetzwerks Deutschland, dass er als Mitglied zweier Expertengremien solche Vorschläge doch einbringen könne.

Streeck erklärte, dass er das im "Expertenrat Corona" des Landes Nordrhein-Westfalen bereits mehrfach getan habe.

Katar testet wöchentlich fünf Prozent des Volkes

Das Emirat Katar testet laut Streeck einmal pro Woche fünf Prozent der Bevölkerung - Geimpfte, Ungeimpfte und Genesene - per PCR auf Corona.

"Daher können sie genau sagen, wie häufig ist eine Infektion bei Geimpften, wie häufig bei Genesenen – das haben wir leider nicht", bedauert Streeck.

Menschen gehen durch die Fußgängerzone Hohe Strasse in Köln am 15.11.2021

Vor Bund-Länder-Gipfel - Wie verlässlich sind aktuelle Corona-Zahlen? 

Die Corona-Zahlen bilden das aktuelle Infektionsgeschehen in Deutschland weiter nur ungenau ab. Wie fallen sie gerade aus, auch mit Blick auf den Bund-Länder-Gipfel am Freitag?

Britisches Gesundheitssystem besser digitalisiert

Dass das deutsche Gesundheitssystem in seiner Datenerfassung, die vielerorts noch auf das Fax angewiesen ist, digitaler werden muss, ist spätestens mit Beginn der Corona-Pandemie deutlich geworden:

London hat ein sehr tolles Erfassungssystem im Vergleich, es wäre toll, wenn wir das auch für Deutschland hätten.
Hendrik Streeck, Virologe

Der zentralisierte National Health Service (NHS) benutzt demnach verlinkte Codes, mit denen anonym nachvollzogen werden soll, ob jemand beispielsweise getestet oder geimpft wurde.

Omikron hat Großbritannien fest im Griff. Das Gesundheitssystem gerät wegen Ausfällen beim Personal immer mehr unter Druck - viele Krankenhäuser riefen den Katastrophenfall aus.

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Quadbeck: Krankenkassen nicht einbezogen

"Sie können in Echtzeit erfassen, ob jemand hospitalisiert wurde", erklärte der Direktor des Instituts für Virologie der Universität Bonn. Die Journalistin Quadbeck ergänzte, dass die Krankenkassen in Deutschland beim Impfen "noch nicht einmal mit einbezogen worden sind".

Wenn man beim Impfen seine Krankenkassenkarte hätte einscannen lassen müssen, gäbe es nun vermutlich genauere Daten darüber, wer in Deutschland geimpft ist.

Prien: Brauchen nationales Panel

Die Bildungsministerin von Schleswig-Holstein, Karin Prien (CDU), stimmte Streeck bei seiner Einschätzung zu, dass "wir in solchen Situationen eine andere Art der Datenerfassung und ein nationales Panel brauchen".

Auf die Nachfrage, ob Deutschland ein Impfregister braucht, antwortete Prien:

Wenn man eine Impfpflicht will, dann braucht man auch ein Impfregister.
Karin Prien, Bildungsministerin Schleswig-Holstein

"Warum tun wir es dann nicht?", erkundigte sich der Moderator. Quadbeck antwortete: "Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem im Kampf gegen die Pandemie", zudem sei uns das Virus "meist ein paar Schritte voraus".

Gregor Gysi ist gegen eine allgemeine Impfpflicht. Die Politik solle hingegen einen Weg finden, Vertrauen wiederherzustellen.

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Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Niedersachsen, Bad Rothenfelde: Ein Patient sitzt in einer Klinik am Teutoburger Wald, in der Long-Covid-Patienten behandelt werden, zur Überprüfung seiner Lungenfunktion in einem Bodyplethysmographen.
FAQ

Symptome, Verlauf, Behandlung - Was über Long Covid bekannt ist 

Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen. Auch Wochen nach einer Corona-Infektion klagen Menschen über Langzeitfolgen. Was über Long Covid und Post Covid bekannt ist.

von Julia Klaus
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