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Auswilderung von Orang-Utans - Mit dem Hubschrauber in die Freiheit

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Endlich zurück in den Dschungel: Die Orang-Utan-Dame Nenuah darf wieder in die Wildnis. Wegen der Corona-Pandemie ist die Auswilderung der Tiere aber mit viel Arbeit verbunden.

Ein Jahr lang gab es für die Orang-Utans in den Rettungszentren auf Borneo eine Corona-Zwangspause. Jetzt wurden zehn Tiere in die Freiheit geflogen.

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Nenuah ist unruhig, nervös, sie hat Angst. Ihr Fell weht im Wind. Das Orang-Utan-Weibchen hetzt von einer Käfigseite zur anderen, schaut durch die Gitterstäbe und sieht den blauen Himmel. Dutzende Meter über dem indonesischen Regenwald baumelt ihr Käfig am Seil eines Hubschraubers. Dieser Flug ist Nenuahs Ticket in die Freiheit.

Strenge Hygienekonzepte in Auffanglagern

Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr wildert die Tierschutzorganisation "Borneo Orangutan Survival Foundation" (BOS) wieder Orang-Utans aus ihrem Auffanglager aus. In Zeiten der Pandemie ist alles anders, muss alles anders sein. Das Erbgut der Orang-Utans ist dem menschlichen so ähnlich, dass man fürchtet, auch die Tiere könnten an Covid erkranken. Also ist - mehr denn je - Vorsicht geboten.

Der Aufwand ist enorm. Im Auffanglager herrscht ein strenges Hygienekonzept. Tierärzte und Pfleger müssen immer wieder auf Covid getestet werden. Wer das Lager verlässt, kommt bei Rückkehr in Quarantäne. Am Tag der Auswilderung werden auch die Tiere getestet. Alle Auswilderungskandidaten sind negativ - es kann losgehen. Die Menschen tragen Schutzkleidung. Es liegt eine merkwürdige Atmosphäre über dem Lager.

Gefahren erkennen, Futter finden - vor der Rückkehr in die Wildnis mussten die Tiere neu lernen, wie sie im Dschungel überleben.

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Hilfe beim Wiedererlangen natürlicher Fähigkeiten

Rund 400 Orang-Utans sind derzeit unter der Obhut von BOS. Oftmals haben sie dramatische Geschichten hinter sich. Hier landen kranke, verletzte, gejagte, misshandelte Tiere. Das Weibchen Nenuah gehört zu den Kandidaten für die Freiheit.

Es war ein langer Weg. "Nenuah kam zu uns mit gut vier Jahren", erinnert sich die Tierärztin Vivi Dewi Santi.

Sie wurde als Attraktion in einem Vergnügungspark in Thailand gehalten. Natürlich dauerte es, bis wir sie hier wieder an wildes Leben gewöhnen konnten.
Vivi Dewi Santi

Wo findet man Futter? Wo lauern Gefahren? Wie wird geklettert? Das Wiedererlangen natürlicher Fähigkeiten steht auf dem Lehrplan der Orang-Utans. Nicht alle Tiere schaffen das. Nenuah hat 13 Jahre Lagerschule hinter sich. Jetzt aber hat sie ihr natürliches Rüstzeug zurück, um im Regenwald bestehen zu können.

Tiere überleben oft nur in Naturschutzgebieten

Heute leben noch etwa 110.000 Orang-Utans im Dschungel Indonesiens, die meisten auf der Insel Borneo. Sie gelten als akut vom Aussterben bedroht. Schätzungen zufolge waren es allein auf Borneo vor rund 25 Jahren noch 150.000 Tiere mehr.

Das Problem ist der Mensch, der den Orang-Utans den Lebensraum nimmt. Regenwald ist riesigen Plantagen gewichen. Vor allem die massenhafte Produktion des umstrittenen Palmöls hat dafür gesorgt. Orang-Utans können nur leben, wenn der Mensch sie in Ruhe lässt. Das geht praktisch nur noch in Naturschutzgebieten wie Bukit Batikap in Zentralkalimantan.

Viele Orang-Utan-Kinder in Indonesien sind Waisen und auf menschliche Hilfe angewiesen. Dabei sind Menschen nicht nur letzte Hoffnung, sondern auch größter Feind: Durch die Rodung von Regenwald für Palmölplantagen verlieren die Tiere ihren Lebensraum.

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Das ist das Ziel dieser Auswilderungsaktion, das Ziel der ersten Flugreise im Leben Nenuahs und ihrer Gefährten. Die aufwendige Auswilderung mit dem Hubschrauber sei derzeit nötig, erklärt Denny Kurniawan von BOS.

Wir fliegen sie mit dem Helikopter aus, weil das während der Pandemie der sicherste Weg ist.
Denny Kurniawan

Orang-Utans werden nach der Auswilderung beobachtet

"Unser Ziel ist eine hügelige Gegend, die Autofahrt würde drei Tage dauern. Und wir würden durch Dörfer fahren, wo Menschen leben. Überall dort würde sich das Risiko einer Covid-Ansteckung - auch für die Orang-Utans - erhöhen", so Kurniawan.

Für die Tiere ist der Flug sicher Stress, aber Nenuah macht nach der Landung im Dschungel schnell wieder einen entspannten Eindruck. Als sich ihre Käfigtür öffnet, sind ihre ersten Schritte fast zögerlich. Doch dann geht es schnell auf den nächstgelegenen Baum - für die Tierschützer ein gutes Zeichen.

Sie werden genau verfolgen, wie es weitergeht in Nenuahs wildem Leben. Ein kleiner Sender unter der Affenhaut schickt Daten, die für die Beobachtung wichtig sind. Es gibt keine Garantien, aber erstmal viel Anlass zu Optimismus.

Orang-Utan Chico

Rettungsstation in Thailand - Orang-Utans sind kein Spielzeug  

Mit dem dringenden Appell, Orang-Utan-Shows zu boykottieren, wenden sich Tierschützer an Asien-Reisende. Hinter der Bühne leiden die Menschenaffen unvorstellbare Qualen.

von Andreas Kynast

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