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Familien in der Pandemie - Wie Corona hilft, Vater-Sein neu zu gestalten

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Die Corona-Pandemie gilt als Rückschritt für die Rolle der Frau in Familien. Experten widersprechen: Aktive Väter verhindern die Retraditionalisierung.

Ein Mann geht mit einem Kinderwagen und einem Hund an der Leine spazieren.
Durch die Pandemie zeigt sich bei vielen Vätern eine neue Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung innerhalb der Familie.
Quelle: dpa

Für Eltern war die Corona-Pandemie eine Herausforderung. Sie mussten Arbeit, Einschränkungen und Kinderbetreuung zusammen bringen - private Freiheiten blieben bei Vätern und Müttern vielfach auf der Strecke.

Der Familienexperte Birk Grüling sagt: "Diese Pandemie hat gezeigt: Eltern kommen am besten durch eine Krise, wenn sie auf Augenhöhe agieren." Grüling ist Autor und hat gerade das Buch "Eltern als Team" veröffentlicht.

Zeit mit Kindern vermittelt Kompetenz

Wer ein aktiver Vater sein will, der brauche Grüling zufolge vor allem Zeit und Wissen:

Ein Vater muss den Kinderarzt kennen, er muss wissen, welche Windelgröße aktuell ist und wie er am Nachmittag einen Snack zubereitet.
Birk Grüling, Familienexperte

Zeit mit den Kindern zu verbringen, schaffe dieses Wissen. "Es mag einfach klingen - aber es gibt auch Familien, in denen das nicht klappt. Das führt dazu, dass die ganze Last auf die Mutter übertragen wird."

Die Corona-Pandemie sieht er als Chance für Väter, sich zu Hause mehr einzubringen. "Gemeinsame Zeit ist auch wichtig, wenn es gerade nicht so leicht ist. Wenn das Kind wütend ist oder krank oder zahnt oder nicht einschlafen kann."

Barmer: Doppelt so viele Kinderkrankentage bei Müttern

Derzeit zeigt sich bei vielen Vätern eine neue Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung innerhalb der Familie. Dr. David Juncke leitet beim Beratungsunternehmen Prognos den Forschungsbereich Familienpolitik. Er sagt:

Väter haben in der Pandemie mehr Aufgaben übernommen. Dies sieht man beispielsweise an der vermehrten Nutzung von Kinderkrankentagen - auch wenn Mütter diese noch immer deutlich häufiger in Anspruch nehmen.
David Juncke, Beratungsunternehmen Prognos

Wenn in Sozialen Netzwerken von einer Retraditionalisierung die Rede ist, dann werden die Kinderkrankentage als Beleg rangezogen: Tatsächlich zeigen Daten der Krankenkasse Barmer, dass Mütter im ersten Quartal des Jahres 2021 an mehr als doppelt so viel Tagen Kinderkrankengeld erhalten haben wie Väter.

Ein Vater, der anonym bleiben möchte, berichtet, dass er von seinem Vorgesetzten aufgefordert wurde, Vollzeit im Büro zu arbeiten. Für die Betreuung der Tochter solle die Mutter ihre Elternzeit verlängern. Solche Fälle gibt es - aber sie stehen nicht mehr exemplarisch für die Normalität in der Gesellschaft.

Vereinbarkeit von Job und Familie: Väter tragen Thema in die Betriebe

"Schon vor der Corona-Pandemie haben wir gesehen, dass sich bei den Vätern etwas ändert", berichtet Juncke. Wesentlich sei das Elterngeld gewesen, nach dessen Einführung sich der Anteil der Väter in Elternzeit vervielfacht habe.

Gleichzeitig sei die Erwerbstätigkeit unter Müttern mit Kleinkindern gestiegen.

Während der Pandemie hätten wir eine Retraditionalisierung erwarten können. Das hat sich aber nicht bestätigt.
David Juncke, Beratungsunternehmen Prognos

Stattdessen sei ein Herdentrieb zu erkennen: Viele Väter seien zu ihren Vorgesetzten gegangen und hätten das Thema Vereinbarkeit in den Betrieben präsenter gemacht.

Evelyn Höllrigl stellt ihre Karriere in der Corona-Zeit zurück. Doch in manchen Familien packen jetzt auch die Väter in der Kinderbetreuung stärker an, sagt Expertin Sabine Walper.

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Effekt dürfte nachhaltig sein

Im ersten Shutdown hatten 22 Prozent der Mütter und 18 Prozent der Väter ihre Arbeitszeit reduziert, belegen Daten der Prognos-Studie "Neue Chancen für Vereinbarkeit". 31 Prozent der Väter arbeiten mehr von zu Hause aus. Das Entgegenkommen der meisten Arbeitgeber zur Lösung der Kinderbetreuungsproblematik habe auch Anfang 2021 angehalten.

Das Umdenken werde sich auch nach der Zeit der Pandemie auswirken, erwartet Juncke.

Väter haben sich vorher am Arbeitsplatz oft für unersetzbar gehalten.
David Juncke, Beratungsunternehmen Prognos

Dahinter habe auch der Wunsch nach Kontrolle und Sichtbarkeit in der Firma gestanden. "Corona hat das geändert: Viele sehen nun, dass ihre Arbeit auch funktioniert, wenn sie nicht permanent vor Ort sind."

Unterstützung der Eltern von Politik und Unternehmen notwendig

Birk Grüling erwartet ebenfalls, dass viele Väter auch nach der Pandemie aktivere Rollen in der Familie einnehmen werden:

Studien zeigen, dass Väter, die Elternzeit genommen haben - egal wie kurz - sich später mehr einbringen. Wir könnten also erwarten, nach Corona einen ähnlichen Effekt zu sehen.
Birk Grüling, Familienexperte

Die Veränderungen der Corona-Pandemie seien Grüling zufolge sehr gut geeignet, um Väterrollen in den Familien zu stärken und so auch die Bindung zwischen Kindern und Vätern. "Männer bereuen am Ende ihres Lebens oft, zu viel gearbeitet zu haben. Die Zeit mit den Kindern, die bekommen sie nicht zurück." Doch ein guter Vater zu sein, sagt Birk Grüling, habe auf dem Sterbebett noch niemand bereut.

Ein zweijähriges Kind spielt im Wohnzimmer, während seine Mutter Zuhause im Homeoffice an einem Laptop arbeitet.

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von Caroline Schmitt

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