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Faktencheck

Gerüchte zur Corona-Krise - Hat die WHO das Pandemie-Ende angekündigt?

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Die Corona-Pandemie sei "in wenigen Monaten überwunden", zitieren viele Medien den WHO-Regionaldirektor für Europa. ZDFheute hat bei ihm nachgefragt - er hat das nie gesagt.

Hans Kluge
Hans Kluge
Quelle: AP

Die Schlagzeilen klingen optimistisch bis euphorisch: "WHO-Experte sagt baldiges Corona-Ende voraus", jubelt der "Focus". "Ist das der Anfang vom Ende der Pandemie?" fragt "ntv" verheißungsvoll. "Experten sagen 'fast normalen Sommer' voraus" titelt die "Welt".

Die Artikel erreichen in Sozialen Netzwerken derzeit hohe Aufmerksamkeit: Allein der Focus-Beitrag wurde bei Facebook bisher fast 20.000 Mal geteilt, häufig von rechtspopulistischen oder coronakritischen Seiten, wie eine Analyse von ZDFheute zeigt.

WHO-Direktor wurde falsch zitiert

In ihrer Berichterstattung berufen sich die Medien auf Aussagen des Belgiers Hans Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa. Er hatte bei "DR", dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Dänemarks, ein Fernsehinterview gegeben. Dort habe er angeblich behauptet, die Corona-Pandemie sei "in wenigen Monaten" überstanden.

Die Corona-Maßnahmen gelten zunächst bis zum 7. März. Die Politik stellt vorsichtige Schritte Richtung Lockerungen in Aussicht, andere warnen vor den Folgen vorschnellen Öffnens.

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Doch Kluge wurde falsch zitiert: “Ich habe das nie gesagt", so Kluge auf Anfrage von ZDFheute. Im Interview wurde er gefragt, wann die Corona-Pandemie überstanden sei. Seine Antwort, die man auf der Seite von "DR" nachvollziehen kann: Niemand könne voraussagen, wie sich die Pandemie entwickelt.

Ich würde sagen - als Arbeitshypothese - Anfang 2022 haben wir die Pandemie hinter uns. Das Virus wird immer noch da sein, aber ich glaube, wir brauchen dann keine störenden Maßnahmen mehr.
Hans Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, zu ZDFheute

Gegenüber ZDFheute sagte Kluge: "Die Covid-19-Varianten zwingen uns, unsere Anstrengungen zu verdoppeln und sehr wachsam zu sein, um die hart erkämpften Erfolge nicht zu gefährden. Mit unserem Maßnahmen, einschließlich der Impfungen, werden wir die Oberhand über das Virus gewinnen."

Fallzahlen in Europa steigen derzeit wieder an

Derzeit sieht es nicht nach einer schnellen Entspannung der Situation aus: Die gemeldeten Corona-Infektionszahlen gehen weltweit zwar weiter zurück, wenn auch langsamer als bisher. Aber die Fallzahlen in Europa steigen momentan wieder leicht an.

Experten sind deshalb unterschiedlicher Meinung, wann die Pandemie tatsächlich vorbei sein wird. Die Pessimisten unter ihnen wie SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnen erst im Verlauf des kommenden Jahres mit einem Ende, da vorher die Mutanten für mehr Infektionen sorgen. Im Interview mit "merkur.de" sagte er: "Ende 2021 ist die Pandemie keinesfalls vorbei."

Experten uneins, wann die Pandemie zu Ende ist

Ähnlich hatten sich zuvor schon der Virologe Christian Drosten geäußert. Im Interview mit dem Magazin "SPIEGEL" sagt er, 2021 könnte gefährlicher werden, als viele denken.

Optimistischer zeigt sich dagegen der Virologe Klaus Stöhr im Gespräch mit ZDFheute: Er rechne in den nächsten vier bis sechs Wochen mit einer "dramatischen Abnahme der Todesfälle in Deutschland".

Wenn die meisten Risikopatienten geimpft sind - und das sollte im Sommer der Fall sein - dann haben wir an dieser Front definitiv das Schlimmste überstanden.
Klaus Stöhr, früherer Leiter des Globalen Influenzaprogramms der WHO

Allerdings werde es parallel dazu weiterhin bei unter 60-Jährigen häufig zu Infektionen kommen. Die werden mit der Zeit weniger werden. Zum Jahresende sei die Pandemie besiegt.

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