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Papstbesuch im Irak - Franziskus auf riskanter Mission

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Mit dem Besuch im Irak schreibt Franziskus Geschichte. Er will den Dialog der Religionen fördern, die Christen stärken, neue Friedensimpulse setzen. Doch die Reise ist umstritten.

Papst Franziskus ist angekommen im Land Abrahams, des gemeinsamen Urvaters von Juden, Christen und Muslimen: im Irak. Am Samstag trifft Franziskus auf den schiitischen Großajatollah Ali al-Sistani - der moralischen Autorität des Landes.

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Die Corona-Infektionszahlen steigen auch im Irak, das Gesundheitssystem liegt nach Jahren des Krieges, des Terrors und durch Korruption am Boden. So hagelt es Kritik an der Reise von Papst Franziskus an diesem Wochenende in den Irak. Für die Menschen vor Ort ist sie eine große Herausforderung angesichts der Pandemie.

Papst drängt auf Reise

Im Programm gibt es daher nur eine Großveranstaltung am Sonntag in Erbil: eine Messe mit 10.000 Gläubigen in einem Stadion, das eigentlich 40.000 Menschen fasst. Zudem gilt seit Wochen eine Ausgangssperre für die Zeit von Freitag bis Montag. Damit will die Regierung Menschenansammlungen auf den Straßen vermeiden.

Franziskus wirkte zuletzt ungeduldig und ließ sich weder durch die Corona-Pandemie noch durch Anschläge in Bagdad oder Erbil von der Reise abbringen. Zu lange schon lässt er aus seiner Sicht die Christen im Irak warten. Er möchte nicht länger nur Solidaritätsbekundungen schicken.

Bei einem Doppelanschlag in Bagdad wurden mindestens 28 Menschen getötet und mehr als 70 weitere verletzt. Die Attentäter sprengten sich auf einem belebten Markt in die Luft.

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Christen im Irak: Flucht vor IS und Elend

Anfang des Jahrtausends lebten im Irak noch 1,5 Millionen Christen. Dann kamen Krieg und Terror, zuletzt durch den sogenannten "Islamischen Staat" (IS). Viele Christen gingen ins Exil, andere flüchteten in die kurdischen Regionen im Norden des Landes.

Heute leben nach Schätzungen noch 250.000 bis 400.000 Christen im Land. Am Sonntag wird Franziskus Mossul, die ehemalige IS-Hochburg, und Karakosch besuchen, um der Getöteten und Vertriebenen zu gedenken. In Erbil folgt dann zum Abschluss der Reise die große Messe. Franziskus will mit seinem Besuch die Christen im Land stärken und die Ausgewanderten zur Rückkehr bewegen, um am Aufbau des Landes mitzuwirken.

Doch dazu braucht es Chancengleichheit für alle, unabhängig von Religion und Ethnie. Darüber wird der Papst am Freitag mit den Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft sprechen. Viele Bürger haben das Vertrauen in die politisch Handelnden verloren, sind verärgert über Korruption und die Einflüsse ausländischer Kräfte.

Wachsoldat der Schweizer Garde am Petersdom im Vatikan

Nachrichten - Papstgeflüster - Das Vatikan-Blog 

Papstgeflüster – Das Vatikan-Blog: Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan

Krieg und Terror haben den Irak zerrüttet

Beobachter sehen im Besuch des Papstes die Chance, einen Impuls zum Aufbau einer nationalen Identität zu geben. "Einheit in der Vielfalt" lautet eines der Grundprinzipien von Franziskus. Er wird es den Irakern ins Stammbuch schreiben und am Samstag bei einem interreligiösen Treffen in Ur zeigen, wie es funktionieren kann.

Der biblische Stammvater Abraham, der von Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen verehrt wird, stammt von dort. Kurz vor der Reise erklärte das katholische Kirchenoberhaupt, dass er sich im Irak besonders für interreligiöse Verständigung einsetzen möchte.

Papst sucht Schulterschluss mit anderen Religionsführern

Er werde gemeinsam mit anderen Religionsführern "einen weiteren Schritt in Richtung Brüderlichkeit" gehen. Damit spielt Franziskus auf seine historische Reise nach Abu Dhabi vor zwei Jahren an, bei der er zusammen mit einem der wichtigsten Vertreter des sunnitischen Islam das "Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen" unterzeichnet hatte.

In der für Schiiten heiligen Stadt Nadschaf trifft Franziskus am Samstag jetzt mit Großayatollah Ali al-Sistani einen der bedeutendsten Führer des schiitischen Islams. Er gilt als eine der wichtigsten moralischen Autoritäten im Irak, steht für eine gegenwartsbezogene Lehre, gesellschaftlichen Ausgleich und Pluralismus, anders als die schiitischen Religionsführer mit ihrer Revolutionsideologie im Iran.

Papst Franziskus bei einer Privataudienz Ende September bei Mitgliedern der italienischen Polizei

Papst veröffentlicht Enzyklika - Der Traum von einer geschwisterlichen Welt 

Mit "Fratelli tutti" legt Papst Franziskus eine kritische Zeitansage vor. Egoismus, das Diktat des Profits und neue Nationalismen hätten die Menschheit in eine Sackgasse geführt.

von Jürgen Erbacher

Gemäß dem Titel seiner letzten Enzyklika "Fratelli tutti - Geschwister alle" sucht Franziskus den Schulterschluss mit anderen Religionsführern, um eine Koalition der Versöhnung, der Verständigung und des Dialogs zu schmieden. "Religionen für den Frieden" lautet sein Motto. Hier will er keine Zeit verlieren. Das könnte ein Grund sein, warum er sich in diesem schwierigen Moment auf eine solch riskante Mission begibt.

Jürgen Erbacher ist Leiter der Redaktion Kirche und Leben katholisch.

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