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Corona-Wissen von Obduktionen - Pathologie zeigt Covid-19-Langzeitschäden

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In einem einzigartigen Register sammeln Mediziner Daten von verstorbenen Covid-19-Erkrankten. Ihr Ziel: Besseres Krankheitsverständnis. Mitinitiator Peter Boor hat noch mehr vor.

Wie sehr Covid-19 die Lunge angreift zeigen Autopsie-Bilder von Verstorbenen. Sie machen auch sichtbar, wie gravierend die Langzeitfolgen sind.

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ZDFheute: Ärztliche Untersuchungen von Leichen, sogenannte Obduktionen oder Autopsien, gelten als wichtiges Mittel, um Krankheiten besser verstehen zu können. Was haben Sie dabei über Covid-19 gelernt?

Peter Boor: Autopsien sind eines unserer wichtigsten Instrumente, um zu begreifen, was in kranken Organen geschieht. Bei Covid-19 haben wir gelernt, wie groß das Ausmaß der Organschäden, vor allem der Lungen, bei schweren Krankheitsverläufen ist.

Es zeigen sich auch Unterschiede zu anderen ähnlichen Erkrankungen wie zum Beispiel der Influenza, der Virusgrippe. Ein Beispiel: In den Lungen der Covid-Erkrankten bilden sich mehr Blutgerinnsel. Dieses neue Wissen kann direkt in die Therapie einfließen: Mediziner können die Blutverdünner besser einsetzen, um Patienten vor Blutgerinnseln zu bewahren.

ZDFheute: Mitte April haben Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen ein zentrales deutsches Register der Obduktionen von Covid-19-Erkrankten initiiert. Was leistet dieses Register?

Boor: Im März und Anfang April war noch nicht bekannt, welchen genauen pathologischen Schaden die Krankheit in den Organen und deren Zellen verursacht. Uns war klar, dass wir in der Pandemie möglichst umfangreich kooperieren müssen und haben dafür unser Hauptwerkzeug aufgebaut, das elektronische Register.

Dort sammeln und analysieren wir die relevanten Daten aller teilnehmenden Institute. Ich möchte hervorheben, dass dies nicht möglich wäre ohne die exzellente Mitarbeit und Unterstützung aller beteiligten Institute, der Fachgesellschaften, des Bundesgesundheitsministeriums und, sehr wichtig, auch der Erkrankten beziehungsweise deren Angehöriger, die einer Obduktion zustimmen.

ZDFheute: Was genau machen Sie mit den Daten?

Boor: Die Daten und die Arbeit des Registers sollten als Grundlage und Unterstützung von medizinischen Forschungsarbeiten dienen - zum Beispiel, um mögliche neue Therapieansätze zu finden. Sobald relevantes Wissen vorliegt, teilen wir es mit den medizinischen Fachgesellschaften, dem Robert-Koch-Institut, dem Bundesgesundheitsministerium und der Öffentlichkeit.

Corona-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf müssen häufig beatmet werden. Der Pathologe Dr. Peter Boor zeigt, wie das Virus Gewebe in der Lunge angreift und zerstören kann.

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6 min
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ZDFheute: In Deutschland sind Experten explizit der Frage nachgegangen, ob Menschen "an" oder "mit" Covid-19 gestorben sind. Mit welchem Ergebnis?

Boor:

Erste pathologische Analysen haben gezeigt, dass 85 bis 90 Prozent der verstorbenen Patienten mit schwerem Verlauf 'an' Covid-19 gestorben sind. Also, dass das Virus wirklich die Todesursache war.

Die meisten Patienten waren älter als 60 Jahre - oft sogar deutlich darüber. Es waren aber auch jüngere dabei.

Es deutet auch einiges darauf hin, dass Covid-19 mit dazu beitragen kann, dass Menschen verfrüht an einer anderen Krankheit sterben, unter der sie bereits leiden. Aber das muss noch genauer untersucht werden.

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ZDFheute: Haben Sie inzwischen Erklärungsansätze, weshalb das Virus vielen Menschen fast nichts oder nur wenig anhaben kann, dagegen mitunter auch junge Menschen ohne Vorerkrankung schwer getroffen werden?

Boor: Das ist die Eine-Million-Dollar-Frage. Mit einer Antwort darauf stehen wir noch am Anfang. Vielleicht liegt es an nicht erkannten Vorerkrankungen. Auch deshalb ist es wichtig, so viel wie möglich relevante Daten zu analysieren, um bei solchen sicherlich eher selteneren Fällen allgemeingültige Aussagen treffen zu können.

ZDFheute: Was geschieht im Körper der Covid-19-Patienten nach einer überstandenen schweren Erkrankung der Lunge?

Boor: Wenn der Schaden zu groß ist, heilt die Lunge - wie jedes andere Organ - durch Vernarbung. Dabei wird funktionales Gewebe durch nicht funktionales ersetzt. Die Lunge schafft es also nicht, so zu heilen, dass sie ihre ursprüngliche Leistungsfähigkeit zurückgewinnt.

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Es ist wie bei der Haut: Große Narben bleiben einem das ganze Leben. Wir können deshalb sehr froh sein, dass die Covid-19-Erkrankungen in Deutschland noch auf einem relativ geringen Niveau sind.

ZDFheute: Worin liegt der künftige Nutzen des Covid-Registers?

Boor: Wir bauen eine Infrastruktur auf, die sich auch für andere Krankheiten und mögliche künftige Pandemien nutzen ließe. Unser Projekt ist eines von insgesamt 13 des Netzwerks Universitätsmedizin, das jetzt ins Leben gerufen worden ist. Dabei wird versucht, alle Universitätskliniken so zu vernetzen, dass ein koordiniertes Vorgehen gegen gefährliche Krankheiten möglich ist.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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