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Urteil aus Portugal zu PCR-Tests - Wie Corona-Verharmloser ein Falschurteil nutzen

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Ein Gericht in Portugal hat PCR-Tests als unzuverlässig bezeichnet, eine Steilvorlage für Corona-Verharmloser im Internet. Warum das Urteil keine Aussagekraft hat: ein Faktencheck.

Abnahme eines Abstrichs für einen Corona-Test.
Abnahme eines Abstrichs für einen Corona-Test.
Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild

"Portugiesisches Gericht hebt Quarantäne auf: PCR-Tests ersetzen keine medizinische Diagnose", titelte "RT De", der deutsche Ableger des Russischen Staatssenders RT, auf seiner Website. Zahlreiche Blogs und die Corona-Pandemie verharmlosende Social-Media-Kanäle verbreiteten ebenfalls die Meldung aus Portugal. Manche spekulierten darüber, das Urteil habe auch Auswirkungen auf Deutschland - und zwar "wie Dynamit".

Tatsächlich hatte ein Berufungsgericht in Lissabon (hier der Link zum Urteil) eine verordnete Quarantäne von vier deutschen Urlaubern für ungültig erklärt und in diesem Zusammenhang behauptet, PCR-Tests seien unzuverlässig. Die beiden Richterinnen beriefen sich auf Studien, die sie offenbar falsch interpretiert hatten - und stellten sich gegen den aktuellen Stand der Wissenschaft.

Worum ging es in dem Verfahren?

Vier deutsche Urlauber wurden auf den Azoren von der Gesundheitsbehörde in eine Zwangsquarantäne geschickt, nachdem eine der Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Sie klagten dagegen vor einem Regionalgericht, das Verfahren landete schließlich vor einem Berufungsgericht in Lissabon.

Zwei Richterinnen des Berufungsgerichts gaben den Urlaubern Recht: Die Gesundheitsbehörde hätte die Zwangsquarantäne - quasi ein Freiheitsentzug - nicht anordnen dürfen. Die Urteilsbegründung hat es in sich: Die Richterinnen schreiben, PCR-Tests seien per se "nicht in der Lage, zweifelsfrei festzustellen", ob eine Person mit dem Coronavirus infiziert ist.

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Richterinnen lesen Studien falsch

Um die angebliche Unzuverlässigkeit von PCR-Tests zu untermauern, berufen sie sich auf Publikationen, die von "Oxford University Press" und von "The Lancet" veröffentlicht wurden. In ihrer Urteilsbegründung schreiben sie unter anderem, dass unter Bedingungen, wie die Tests "in den meisten Laboren in den USA und in Europa" durchgeführt werden, fast alle positiven Testergebnisse falsch seien. Sie zitieren die Oxford-Veröffentlichung (wörtlich schreiben sie von "freier Übersetzung") und behaupten, dass unter diesen Bedingungen die "Wahrscheinlichkeit für einen falsch-positiven PCR-Test bei 97 Prozent und höher" liege - allerdings steht das so an keiner Stelle in der Original-Studie.

Entsprechend harsch fällt die Kritik von Seiten der Wissenschaft aus: "Die Aussage ist falsch", zitiert das Portal "The Portugal News" Vasco Barreto, Forscher an der Medizinischen Fakultät der Neuen Universität Lissabon. Die Richterinnen hätten die Studie falsch gelesen, ihr Vorgehen bezeichnete er als "unverantwortlich". Selbst der Oberste Justizrat von Portugal kritisiert die Entscheidung: Die Richterinnen hätten ihre Kompetenzen überschritten. Sie mussten sich deshalb nach einem Bericht der Tageszeitung "Jornal de Notícias" in einer Disziplinaruntersuchung des Justizrats verantworten.

Wie zuverlässig sind PCR-Tests tatsächlich?

Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft haben PCR-Tests eine Zuverlässigkeit von nahezu 100 Prozent, wie hier ausführlich beschrieben. Voraussetzung ist allerdings, dass zunächst einmal der Abstrich korrekt entnommen wird, auch der Zeitpunkt des Abstiches ist entscheidend. Außerdem dürfen natürlich beim Transport und auch bei der Laboranalyse keine Fehler gemacht werden.

Eine Fehlerqote von 97 Prozent, wie sie von den portugiesischen Richterinnen unterstellt wird, ist allerdings abwegig. Zudem wird das umstrittene Urteil vermutlich keine Auswirkungen auf die Testpraxis hierzulande haben.

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