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Corona in Pflegeeinrichtungen - Selbst infizierte Pflegekräfte gehen arbeiten

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Immer mehr Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen infizieren sich mit dem Coronavirus. Pflegeverbände versuchen ihre größer werdenden Personallücken irgendwie zu schließen.

Altenpflegerinnen in Seniorenheim
Altenpflege seit Monaten im Ausnahmezustand (Archivbild)
Quelle: dpa

Die Lage in vielen deutschen Alten- und Pflegeeinrichtungen ist dramatisch. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sind Stand Donnerstag 557 Pflegekräfte mit dem Coronavirus infiziert.

Das Infektionsgeschehen ist laut RKI-Präsident Lothar Wieler dort so schlimm wie im Frühjahr. Seit Beginn der Pandemie sei rund jeder fünfte in Pflegeheimen Infizierte gestorben.

Mitarbeiter am Ende ihrer Kräfte

Christoph Stolte, Vorstand der Diakonie Mitteldeutschland blickt vor allem mit Sorge auf die schwindende Personaldecke vieler Pflegeeinrichtungen. Der Nachrichtenagentur epd beschrieb er, dass Pflegekräfte mancherorts sogar nach positivem Corona-Test weiter arbeiten müssten:

Es arbeiten auch positiv getestete Mitarbeitende auf Stationen mit Erkrankten.
Christoph Stolte, Diakonie Mitteldeutschland

Die Lage verschärfe sich täglich und immer mehr Mitarbeiter fielen aus, weil sie selbst erkrankt seien. "Zudem sind viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach neun Monaten Pandemie am Ende ihrer Kräfte", so Stolte.

Archiv: Das Bild zeigt das Pflegepersonal in einem Pflegeheim in Deerlijk, Belgien, am Dienstag, 21. April 2020.

Corona und die Pflegeheime -
"Wir sitzen auf einem Pulverfass"
 

24,5 Prozent der Corona-Infizierten sind älter als 60 Jahre. Allein heute vermeldet das RKI 432 Todesfälle. Die Sorge um die Älteren in den Pflegeeinrichtungen wächst.

von Kristina Hofmann

Pflegeverbände schlagen Alarm

Auch andere Pflegeverbände berichten von Personalproblemen. "Die Lage ist dramatisch. Viele Einrichtungen arbeiten am Limit", sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätschen Gesamtverbandes zu ZDFheute. "Wo die Lage regional zugespitzt ist, kommen auch Personalpool-Kooperationen zwischen Einrichtungen und ähnliche Lösungen schnell an ihre Grenzen."

Wie viele Pflegekräfte deutschlandweit trotz Infektion arbeiten müssten, darüber "liegen derzeit keine belastbaren Zahlen vor", so Schneider.

Das RKI zieht als Notoption den Einsatz infizierten Personals in Erwägung.
Ulrich Schneider, Paritätscher Gesamtverband

"Aus unserer Sicht wären vorher aber unbedingt alle anderen Wege auszuschöpfen, was derzeit noch nicht der Fall ist", sagte Schneider.

Hilfe von externen Pflegekräften und Bundeswehr benötigt

Jetzt brauche es Unterstützung von außen: Menschen mit Pflegeerfahrung und auch Soldaten der Bundeswehr sollten laut Paritätischem Gesamtverband in Pflegeeinrichtungen aushelfen. In Passau sind bereits Bundeswehrsoldaten im Einsatz, nachdem sich in zwei Altenheimen fast 50 Mitarbeitende angesteckt hatten.

Als Beispiel nannte Schneider auch den Einsatz von Mitarbeitenden des Medizinischen Diensts der Krankenversicherungen (MDK). Der MDK beschäftigt mehr als 3.800 pflegefachliche Gutachter und fast 2.500 Ärzte. "Das darf keine Theorie bleiben, sondern muss Praxis werden", so Schneider.

Auch Passau ist nach wie vor Corona-Hotspot, auch wenn die Infektionszahlen langsam runtergehen. In von Corona betroffenen Seniorenheimen helfen nun Soldaten aus, die strikten Ausgangsbeschränkungen in der Stadt wurden noch einmal verlängert.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Alten- und Pflegeheime sollen weiter offen bleiben

Die komplette Schließung von Pflegeheimen ist für den Paritätischen Gesamtverband keine Option:

Die Schließung von Einrichtungen ist grundsätzlich abzulehnen.
Ulrich Schneider, Paritätischer Gesamtverband

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Freitag gemeinsam mit dem Pflegebeauftragten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, betont, dass trotz hoher Corona-Zahlen Besuche in Alten- und Pflegeeinrichtungen auch weiterhin möglich sein sollen.

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