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Brennglas Corona-Krise - Pflege fährt weiter auf Verschleiß

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Die Pandemie hat Defizite in der Pflege aufgezeigt, die schon vorher da waren. Und in den Pflegeheimen bleibt die Lage trotz der Impfungen angespannt. Was läuft falsch?

Eine Altenpflegerin in Schutzausrüstunghält die Hand eines Bewohners.
Eine Altenpflegerin in Schutzausrüstunghält die Hand eines Bewohners.
Quelle: dpa

Wie ein Brennglas hat die Pandemie Defizite aufgezeigt, die schon lange zuvor bekannt waren. Personalmangel, räumliche Enge und unverzichtbarer körperlicher Kontakt führten dazu, dass sich das Virus verheerend schnell ausbreiten konnte. Ein Pfleger, der anonym bleiben möchte, erinnert sich:

Mitzuerleben, wie Menschen sterben, Angehörige darauf vorzubereiten, dass gestorben wird. Fast täglich sind Mitarbeiter erkrankt und wurden nach Hause geschickt. Das war schlimm.

Pflegeheime: Personalmangel, räumliche Enge, unverzichtbarer Körperkontakt

In diesem Heim infizierten sich im Januar 120 meist schwer demente Bewohnerinnen und Bewohner, 28 starben. Dabei hätten sie längst geimpft sein können. Auch 60 Pflegekräfte infizierten sich.

Wir dürfen uns aussuchen, woran wir sterben: Ob wir den sozialen oder den Corona-Tod sterben.
Georg Huber, Pflegeheimleiter

Das ist die bittere Erkenntnis von Georg Huber, Pflegeheimleiter in Bergneustadt bei Gummersbach, aus dem letzten schweren Jahr. Quarantäne-Maßnahmen sind in den Heimen fast unmöglich umzusetzen, weiß auch Andrea Gabber, Altenpflegerin in Bergneustadt.

Das Problem ist, es gibt Bewohner, die nicht orientiert sind. Da ist es schlecht, denen zu sagen, sie sollen auf dem Zimmer bleiben.
Andrea Gabber, Altenpflegerin

"Zeit ist immer ein Problem", sagt die 36-Jährige. Besonders jetzt, wo die Personaldecke noch dünner ist und die vielen Hygienebestimmungen dazu kommen. Und noch immer fallen viele zusätzliche Helfer aus.

Lage schon vor Corona kritisch: Pflege seit Jahren am Limit

Menschliche Nähe ist genauso wichtig wie körperliche Pflege, doch für beides reicht die Zeit oft nicht. Heimleiter Huber glaubt, dass die Politiker und Entscheidungsträger den Kontakt zur Basis verloren haben:

Es gab viele Situationen, in denen ich mich hilflos und alleingelassen gefühlt habe.
Georg Huber, Pflegeheimleiter

Viele Todesfälle unter den Heimbewohnern hätte man verhindern können, davon ist Professor Heinz Rothgang von der Universität Bremen überzeugt. Nach der ersten Welle hatte der Gesundheitsökonom in einer Studie empfohlen, in den Heimen Schnelltests durchzuführen und Luftfilter zu installieren.

Obwohl das Personal und die Bewohner längst geimpft sind, gelten in vielen Pflegeheimen immer noch strenge Abstandsregeln.

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Doch nichts passierte. Hinzu kommt: "Schon vor Corona war die Lage in Pflegeeinrichtungen kritisch", so Rothgang.

Wenn wir fachgerecht pflegen wollen, bräuchten wir gut ein Drittel mehr Personal. Wir fahren Pflege seit Jahren auf Verschleiß.
Professor Heinz Rothgang, Universität Bremen

Tausende Pflegekräfte verlassen ihren Beruf

9.000 Pflegekräfte haben in der Pandemie ihren Beruf verlassen. Es wird nicht einfach, neues engagiertes Personal zu finden. Anfang des Jahres scheiterten die Verhandlungen für einen einheitlichen Tarifvertrag in der Pflege. Besonders Altenpflegerinnen und Altenpfleger sind davon betroffen.

Für Andrea Gabber ist aber nicht nur die Bezahlung wichtig: "Wir brauchen mehr Personal und man müsste es für die Auszubildenden attraktiver gestalten."

Es ist nicht nur Pflege, was dazu gehört, sondern auch, dass man füreinander da ist. Dieses Geben und Nehmen ist so wichtig.
Andrea Gabber, Altenpflegerin

Die Pandemie hat die Versäumnisse der letzten Jahre auf schreckliche Weise deutlich gemacht. Reformen sind überfällig, um für Menschen an ihrem Lebensende gute Pflege zu gewährleisten.

Eine Pflegekraft am 22.01.2021 in der Intensivstation der Universitätsmedizin Rostock

Pflegenotstand durch Corona - Warnung vor "Flucht von der Bettkante" 

Die Corona-Pandemie hat den Pflegenotstand in Deutschland verschärft. Experten haben Sorge vor einer "Massenflucht" von Arbeitskräften und fordern eine Pflegesystemreform.

von Marcel Burkhardt

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