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Streiks an NRW-Unikliniken : "Haarsträubende Situationen" an Kliniken

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Schon sei zehn Wochen dauern die Streiks an sechs Unikliniken in NRW. Die Beschäftigten fordern bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal. Es gebe "haarsträubenden Situationen".

Mitarbeiter der landesweiten Unikliniken demonstrieren vor dem Landtag in Düsseldorf
Mitarbeiter der landesweiten Unikliniken demonstrieren in Düsseldorf (Archivbild).
Quelle: dpa

Eigentlich würde Pflegerin Carola Pörschke nun wieder überlegen, um welchen Patienten sie sich kümmert, und wen sie ignorieren muss auf der Intensivstation der Uniklinik Münster. Stattdessen streikt und demonstriert sie, zusammen mit Hunderten anderen Beschäftigten aus den sechs Unikliniken in Nordrein-Westfalen: Pflegekräften, aber auch Rettungssanitätern, und IT- oder Küchenpersonal. Und das geht so seit über zehn Wochen. Schauplatz der landesweiten Kundgebung heute: Essen. Mehrere hundert Beschäftigte wollten sich am Ausstand beteiligen.

In allen Bereichen ist der Klinikalltag auf Kante genäht, seit Jahren und Jahrzehnten schon, berichtet Carola Pörschke. Und zwar so sehr, dass nicht nur für ihre eigenen Bedürfnisse wie Pausen oder Toilettengänge keine Zeit bleibt, sondern auch das Wohl der Patienten ernsthaft in Gefahr ist:

In der Notaufnahme kommt es immer wieder zu Situationen, in denen die Kollegen sich nicht mehr gleichzeitig um alle Patienten kümmern können. Das ist eine weiche Triage.
Carola Pörschke, Pflegerin

"Die gucken, wem geht‘s am schlechtesten, um den kümmern sie sich zuerst, und alle anderen fallen dann hinten über. Das können die sonst nicht schaffen. Das ist skandalös."

Pfleger: Patienten "müssen alleine versterben"

Auch Alexander Bujotzek ist desillusioniert, obwohl er erst seit wenigen Jahren als Intensivpfleger in der Uniklinik Essen arbeitet: "Patienten, die man nicht mehr retten kann, müssen alleine versterben, weil keine Zeit da ist, sie würdig und gut zu verabschieden. Oder mit den Angehörigen würdig und gut umzugehen. Das kann einfach nicht sein!"

Die Pflegekräfte der sechs Unikliniken in Nordrhein-Westfalen streiken weiter. Sie fordern nicht etwa mehr Lohn, sondern mehr Personal - für das Patientenwohl. Doch das sehen die Klinikleitungen durch den Streik gefährdet.

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Ein Kollege aus der Uniklinik Köln berichtet von jungen Pflegekräften, die Patienten mit Geräten behandeln, ohne richtig eingearbeitet worden zu sein. Das komme immer wieder vor, wenn jemand kurzfristig einspringen muss, weil jemand anders sich krank gemeldet hat auf der Station - zu "haarsträubenden Situationen" komme es da.

Ziel des Streiks: Mehr Personal

Es sind diese Verhältnisse, gegen die sich die Streikenden so vehement wehren; auch mit ähnlichen Schilderungen, die sie in einem sogenannten "Schwarzbuch Krankenhaus" zusammengetragen haben. Es geht ihnen bei ihrem Ausstand nicht um mehr Geld, sondern um Entlastung: Die Unikliniken sollen dazu verpflichtet werden, mehr Personal einzustellen.

"Entlastungstarifvertrag Pflege" nennt sich ihr Streikziel. Die neue Landesregierung unterstützt das grundsätzlich. Das Land NRW hat - als Träger der Unikliniken - versprochen, die Mehrkosten zu tragen, die den Kliniken durch zusätzliches Personal entstehen.

Die Corona-Sommerwelle ist zusehends auch in Krankenhäusern zu spüren - unter den Beschäftigten und bei belegten Betten. Einige Krankenhäuser mussten bereits Abteilungen schließen.

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Klinikleitungen: Streik gefährdet Patientenwohl

Auf der anderen Seite argumentieren die Klinikleitungen ebenfalls mit dem Patientenwohl, das sie durch den Streik gefährdet sehen. Mehr als tausend Patienten warten an der Uniklinik Bonn etwa auf dringend benötigte Operationen, die nun nicht stattfinden können. Täglich verständigen sich Klinikleitungen und Arbeitnehmervertreter auf eine bestimmte Anzahl an Operationssälen, die für Notfälle mit ausreichend Personal besetzt werden - die anderen fallen eben hinten über.

"Viele Patienten haben zwar grundsätzlich Verständnis für die Situation der Pflegenden", sagt Professor Dieter Wirtz. Er leitet die Orthopädie und die Unfallchirurgie der Uniklinik Bonn. "Aber wenn man chronische Schmerzen hat oder auch psychisch angeschlagen ist, reagiert man eben verärgert. Diese Anrufe haben wir täglich in unseren Sekretariaten." Und auch Tumorpatienten müssten auf ihre Operation warten - es sei für alle Beteiligten schlimm.

Vielleicht ist ja ein Ende in Sicht. Man befinde sich mit Verdi in intensiven, konstruktiven Gesprächen, hieß es zuletzt von Arbeitgeberseite. Freitag soll weiter verhandelt werden. Die Pflegenden – wie Carola Pörschke und Alexander Bujotzek – wollen auf jeden Fall durchhalten. Im Klinikalltag und auch nun im Tarifstreit. Die Pandemie habe ihre Arbeitsbedingungen schonungslos offen gelegt - nun soll sich etwas ändern.

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