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Pandemie hat Portugal im Griff : Triage vor dem Krankenhaus

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Im vergangenen Frühjahr war Portugal noch gut durch die Pandemie gekommen. Doch jetzt stößt das Gesundheitssystem an seine Grenzen. Auch die Bundesregierung sendet nun Hilfe.

Vor Lissabons größter Klinik Santa Maria hält ein Krankenwagen direkt am Eingang an einem Zelt des Zivilschutzes. Ein Arzt in Schutzanzug steigt zu einem Covid-Kranken in den Wagen, misst seine Körpertemperatur und den Sauerstoffgehalt in der Lunge.

Und dann wird entschieden, ob der Patient ins Krankenhaus darf oder nicht. Die Auslese noch vor den Toren des Krankenhauses ist notwendig geworden. Denn in den vergangenen Wochen kamen die Ärzte mit dem Sichten nicht mehr nach und die Krankenwagen mussten teilweise stundenlang warten, bis sie die Patienten in der Klinik abgeben konnten.

Gesundheitssystem in Portugal an den Grenzen

Die Pandemie verlangt in Portugal nach ungewöhnlichen Methoden. Das staatliche Gesundheitssystem, das schon vor Covid-19 chronisch unterfinanziert war, gerät nun an seine Grenzen.

Seit dem Jahreswechsel sind die Neuinfektionen dramatisch angestiegen. Jeden Tag sterben etwa 300 Menschen an den Folgen des Coronavirus und das in einem Land mit rund zehn Millionen Einwohnern.

Regierung hat Covid-Notfallplan aktiviert

Die portugiesische Regierung hat einen Notfallplan aktiviert. In mehreren Städten werden auf ehemaligen Militärstützpunkten Not-Krankenhäuser errichtet. In Lissabon landet ein Teil der Kranken nun in einer ehemaligen Kampfsport-Halle auf dem Universitätsgelände und schwer kranke Patienten sind auf die portugiesische Atlantikinsel Madeira ausgeflogen worden.

Auf Betten, Beatmungsgeräte und anderes medizinisches Material können die portugiesischen Behörden scheinbar noch zurückgreifen. Doch den Krankenhäusern fehlt das Personal: Medizinische Fachkräfte sind die ersten gewesen, die in Portugal geimpft wurden.

Über 50.000 Angestellte im Gesundheitssystem sollen bereits die zweite Impfdosis erhalten haben. Und trotzdem haben sich Fachkräfte immer wieder angesteckt.

Wir brauchen Ärzte und Krankenschwestern, um auf die große Nachfrage antworten zu können. Die Lage ist sehr schwierig.
Ricardo Mexia, Präsident des Ärzteverbandes ANMSP

Bundesregierung schickt Bundeswehr

Auf den Hilferuf aus Lissabon hat nun auch die Bundesregierung reagiert. Am Mittwoch wird ein 26-köpfiges Team der Bundeswehr, darunter acht Ärzte, in Lissabon eintreffen:

"Wir helfen unseren Freunden in Portugal, die in einer besonders dramatischen Lage sind, mit deutschem sanitätsdienstlichen Personal und medizinischer Ausrüstung", so Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Warum konnte die Lage in Portugal so aus dem Ruder laufen?

Portugiesische Experten verweisen auf zwei Entwicklungen: Die Regierung hatte über die Weihnachtsfeiertage nur minimale Einschränkungen eingeführt und gehofft, die Portugiesen würden auch bei den Feiern im Kreise der Familie die bewährten Sicherheitsvorkehrungen einhalten. Das war offenbar ein Trugschluss.

Außerdem kommen zum Weihnachtsfest traditionell Hundertausende von portugiesischen Emigranten in die Heimat, darunter auch viele Heimkehrer aus Großbritannien. Über diese Verbindung ist wohl auch die britische Virusvariante ins Land gebracht worden, wo sie sich unter den gelockerten Bedingungen rasend schnell ausbreiten konnte.

Britische Mutante für viele Neuinfektionen verantwortlich

Das portugiesische Gesundheitsministerium schätzt, dass das mutierte Virus aus Großbritannien bereits für über 50 Prozent der Neuinfektionen im Großraum Lissabon verantwortlich ist.

Die britische Variante hat in Portugal deutlich zugenommen.
Ricardo Mexia, Ärzteverbandspräsident

"Sie ist ansteckender und auch gefährlicher, und das merkt man jetzt an den Fällen, die auftreten", sagt Ärzteverbandspräsident Ricardo Mexia.

Kritik an Portugals Regierung

Kritik erntet die portugiesische Regierung auch dafür, im Januar nicht schnell genug gehandelt zu haben. Premierminister António Costa hatte am 15. Januar Restaurants, Geschäfte und Theater schließen lassen.

Doch die Schulen blieben noch eine weitere Woche geöffnet, obwohl laut Weltgesundheitsorganisation WHO die britische Virusvariante auch unter Kindern und Jugendlichen wesentlich ansteckender sein soll.  

Zu sehen ist ein Corona-Virus mit den erkennbaren Spike-Proteinen.
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