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Studie zu Corona-Auswirkungen - LSBTIQ*: Psychische Gesundheit verschlechtert

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Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und intergeschlechtliche Menschen? Eine Studie der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld gibt Antworten.

Die Silhouette eines homosexuellen Paares (Symbolbild)
Einsamkeit, Depressionen und Ängste haben bei einigen LSBTIQ*-Menschen zugenommen.
Quelle: dpa

Lockdown, Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren - die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie haben großen Einfluss auf Alltag und Wohlbefinden aller Menschen. Erstmals hat eine bundesweite Studie der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld nun Initiativen zu den Auswirkungen befragt, deren Angebote sich an lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und intergeschlechtliche Personen (kurz LSBTIQ*) richten.

255 LSBTIQ*-Initiativen befragt

Die Studienautor*innen Ska Salden und Frede Macioszek haben 255 Initiativen befragt, deren Angebote sich an LSBTIQ*-Personen richten. Dazu zählen beispielsweise Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, Verbände und Vereine.

Sie beraten und begleiten Menschen bei Coming-outs, Diskriminierungserfahrungen und rechtlichen Fragen oder führen Bildungsveranstaltungen an Schulen durch. Die Studie erfragte sowohl die Auswirkungen der Pandemie auf die LSBTIQ*-Personen als auch die Folgen für die Organisationen. In einer repräsentativen Studie des Marktforschungsunternehmens Dalia Research von 2016 haben 7,4 Prozent der Befragten in Deutschland angegeben, sich als schwul, lesbisch, bisexuell oder trans* zu identifizieren.

Angst vor Ansteckung, Einsamkeit, Sorge um den Job: Die Corona-Krise belastet die Menschen. Viele leiden unter der Pandemie jedoch so sehr, dass sie psychisch krank werden.

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Zwei Drittel spüren eine Verschlechterung

Wenig überraschend: Die Pandemie wirkt sich auf eine große Mehrheit negativ aus. Fast alle Initiativen, 93 Prozent, die Angaben zum Gesundheitszustand ihrer Nutzer*innen machten, vermuteten eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands, zwei Drittel, 67 Prozent, eine Verschlechterung des körperlichen Gesundheitszustands.

Vor allem Einsamkeit und psychische Schwierigkeiten wie Depressionen oder Ängste hätten zugenommen.

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Zunahme von Gewalterfahrungen

Die Initiativen berichten außerdem von einer wahrgenommenen Zunahme von Gewalterfahrungen ihrer Nutzer*innen sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum.

Mehr als die Hälfte, 56 Prozent, berichten von einer Zunahme von Gewalterfahrungen zu Hause, im öffentlichen Raum knapp ein Viertel, 22 Prozent. Davon besonders betroffen sind etwa obdachlose und wohnungslose Personen, schwarze Personen und People of Color oder Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung.

Finanzielle Schwierigkeiten durch Lockdown

Drei Viertel der Organisationen schätzen, dass ihre Nutzer*innen infolge von Lockdown und Kontaktbeschränkungen finanzielle Schwierigkeiten bekommen haben oder sich diese vergrößerten.

Und auch für einen beträchtlichen Teil der Initiativen selbst hat die Pandemie finanzielle Folgen: Für knapp ein Drittel von ihnen, 28 Prozent, hat sich die finanzielle Situation durch die Pandemie verschlechtert.

Dabei werden die Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen ohnehin schon stark vom Ehrenamt getragen. Infolge der Pandemie hat sich das ehrenamtliche Engagement bei knapp der Hälfte der Initiativen zudem verringert - als Gründe nennt die Studie psychische Belastungen durch die Pandemie, höhere Belastung durch Kinderbetreuung, finanzielle Schwierigkeiten und die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus.

Eine Frau steht neben einem Baum.
Interview

Psychische Folgen der Pandemie - Wie lernt man, Emotionen besser zu verstehen? 

Aktuell kämpfen viele Menschen mit den psycho-sozialen Folgen der Corona-Pandemie. Psychologe Leon Windscheid erklärt, warum Angst auch positiv ist.

Mehr Förderung für LSBTIQ*-Angebote nötig

Auftraggeber der Studie ist die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Die Befragung habe gezeigt, dass viele Organisationen aufgrund der Pandemie finanzielle Mittel verloren haben und nun ihre wichtige Arbeit teilweise nicht mehr leisten können, sagt Jörg Litwinschuh-Barthel, geschäftsführender Vorstand der Stiftung. Er sagt:

Es ist dringend notwendig, LSBTIQ*-Organisationen - insbesondere im ländlichen Raum - langfristig finanziell stärker zu fördern und ihnen nicht im Zuge von nun möglicherweise anstehenden Sparmaßnahmen weitere Mittel zu streichen.
Jörg Litwinschuh-Barthel, geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

Mehr als ein Drittel, 37 Prozent, der Initiativen gab an, dass ein Großteil ihrer Angebote wegen der Pandemie ersatzlos ausgefallen sei. Genauso viele Initiativen verlagerten ihre Angebote ins Digitale.

Darin sehen die Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen aber auch neue Perspektiven: Online-Formate ermöglichten Menschen eine Teilnahme an Veranstaltungen, die bisher wegen weiter Wege oder anderen Einschränkungen bisher nicht an Treffen vor Ort teilnehmen konnten.

Christian Deker ist Redakteur in der ZDF-Redaktion Recht und Justiz. Dem Autor bei Twitter folgen: @christiandeker.

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