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Arbeitsunfähigkeit und Reha - Die große Angst vor Long-Covid

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Long-Covid, die Langzeitwirkung einer Corona-Erkrankung, belastet die Betroffenen auf verschiedene Weise. Tausende sind arbeitsunfähig. Der Bedarf an Rehabilitation wird steigen.

Behandlung von Long-Covid-Patienten in  Bad Düben am 01.06.2021
Behandlung von Long-Covid-Patienten
Quelle: dpa

Tausende Patientinnen und Patienten in Deutschland leiden nach einer Covid-19-Erkrankung an Langzeitfolgen. Allein bei der zweitgrößten deutschen Krankenkasse, der Barmer, waren zwischen November 2020 und März 2021 mehr als 2.900 Versicherte von einem Post-Covid-Syndrom betroffen, wie eine Auswertung von Versichertendaten der Kasse zeigt.

Die Deutsche Rentenversicherung erwartet eine steigende Zahl an Reha-Fällen wegen Post- oder Long-Covid. "Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Monaten eine deutliche Steigerung sehen werden", sagte Susanne Weinbrenner vom Geschäftsbereich Prävention der Rentenversicherung vor Journalisten in Berlin. Zu den häufigsten Langzeitfolgen bei den Patientinnen und Patienten in Reha-Einrichtungen der Rentenversicherung zählen demnach Belastungsatemnot, Fatigue, eingeschränkte Belastbarkeit, muskuläre Schwäche, Angststörungen, Depression, chronische Nierenerkrankungen und Brustschmerz.

Mehr Folgesymptome als andere Infektionskrankheiten

Die zahlenmäßige Bedeutung von Long-Covid sei derzeit aber noch schwer einzuschätzen. Der ärztliche Direktor am Reha-Zentrum Seehof in Teltow und Leiter der Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation der Charité Berlin, Volker Köllner, sagte, wahrscheinlich führe Covid-19 häufiger zu länger anhaltenden Folgesymptomen als andere Infektionen.

Im März 2020 flog man den Franzosen Jean Vincent Kosniesny wegen Bettenknappheit zur Behandlung in die Uniklinik Homburg. Seine Lunge ist noch heute stark geschädigt.

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Rund jeder vierte beatmete Patient sei psychisch stark belastet. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der Barmer, geht davon aus, dass vielen Betroffenen wegen der uneinheitlichen Symptome nicht bewusst sei, dass sie unter Long-Covid leiden. Nicht immer sei leicht erkennbar, wann die akute Virusinfektion aufhöre und die Langzeitfolgen anfingen. Erst seit Januar 2021 könne Post-Covid auch als Erkrankung offiziell im Abrechnungssystem der Ärzte codiert werden.

Mehr Frauen als Männer betroffen

Von den Barmer-Versicherten, die von Januar bis März 2021 zunächst wegen Corona krankgeschrieben waren, waren mindestens 6,3 Prozent anschließend wegen Post-Covid arbeitsunfähig. Post-Covid-Syndrome treten der Barmer-Erhebung zufolge bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Sie seien zudem stark altersabhängig. So entwickelten Frauen ab 60 Jahren nach leichten Verläufen etwa sechsmal häufiger Post-Covid-Syndrome als Männer unter 40 Jahren.

In Hamburg helfen Opernsänger bei der Therapie von Long-Covid Patienten. Die Atemmuskulatur der Betroffenen ist durch die Krankheit stark geschwächt. Mit Atemübungen kann das Lungenvolumen verbessert und Luftnot gemildert werden.

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Post- oder Long-Covid kommt diesen Daten zufolge auch nach leichtem Infektionsverlauf recht häufig vor. So seien 47 Prozent der wegen Post-Covid Krankgeschriebenen zuvor nicht wegen einer Covid-19-Infektion arbeitsunfähig gewesen. In diesen Fällen habe zuvor vermutlich eine asymptomatische Erkrankung vorgelegen. Der Psychosomatik-Experte Köllner erwartet wegen der hohen Zahl an Corona-Infizierten nun auch einen "relevanten Bedarf" nach Rehabilitation für Long-Covid-Patientinnen und -Patienten.

Die meisten erholen sich gut

Betroffene mit Organschäden bräuchten eine Reha im jeweiligen somatischen Fachgebiet. Besonderes Augenmerk legt der Arzt aber auf die Betroffenen ohne wesentliche Organschäden: Angst, Depression und dysfunktionale Verhaltensmuster etwa bei der Atmung spielten hier eine besondere Rolle - und müssten entsprechend behandelt werden. Geeignet seien hier etwa bei anderen Krankheiten bereits bewährte Patientenschulungen, Bewegungstherapie und psychotherapeutische Angebote.

Wir brauchen keine Angst haben, dass Long-Covid die Deutschen in ein Volk von Zombies verwandelt.
Volker Köllner, Psychosomatik-Experte

Die Mehrheit der leicht betroffenen Patientinnen und Patienten erhole sich aber innerhalb von rund drei Monaten ohne gravierende Folgen. Köllner schätzt deren Anteil auf rund 90 Prozent.

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