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Todesfall nach zweiter Infektion - Wie groß ist die Gefahr einer Reinfektion?

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Erstmals ist auch in Deutschland ein Mensch nach einer zweiten Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Reinfektionen sind selten, kommen aber vor. Ein Überblick.

Archiv, Stuttgart: Eine Mitarbeiterin des Landesgesundheitsamts testet Blutproben auf Antikörper.
Archiv, Stuttgart: Eine Mitarbeiterin des Landesgesundheitsamts testet Blutproben auf Antikörper.
Quelle: dpa

Im Schnitt sterben aktuell jeden Tag 840 Menschen in Deutschland im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Der Fall eines 73 Jahre alten Mannes aus dem Landkreis Freudenstadt in Baden-Württemberg sticht jedoch heraus aus der Menge: Er verstarb nach einer Reinfektion mit dem Virus.

Im April 2020 war bei ihm erstmals eine Corona-Infektion nachgewiesen worden. Ende Dezember 2020 habe sich der Mann erneut angesteckt. Zuerst hatte der Rechercheverbund von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" darüber berichtet. Demnach verstarb der Mann am 11. Januar dieses Jahres "an einer Covid-19-Lungenentzündung und Sepsis mit Multiorganversagen".

Wie oft kommt es zu Reinfektionen und solchen Todesfällen?

Eine sogenannte Reinfektion mit dem Coronavirus ist äußerst selten. Ältere Menschen mit Vorerkrankungen sind anfälliger als junge. Der Fall aus Baden-Württemberg ist erst der dritte bestätigte Todesfall nach einer erneuten Infektion weltweit und mutmaßlich der erste in Deutschland.

Eine Übersicht, wie viele Reinfektionen es weltweit gibt, recherchiert der Nachrichtendienst "BNO" in einem täglich aktualisierten "Covid-19 Reinfection Tracker". Hier werden alle bestätigten Fälle von Sars-CoV-2-Reinfektionen gesammelt und auch kurz beschrieben. Der erste bestätigte Fall einer Reinfektion wurde Ende August in Hongkong gemeldet. Bis heute sind 39 Fälle registriert.

Todesfälle gab es vor dem verstorbenen Deutschen nur zwei: Im Oktober war eine 89-jährige Niederländerin verstorben, die allerdings immungeschwächt war. Im Dezember berichtete eine israelische Zeitung, dass dort ein 74-jähriger Bewohner eines Altenheims nach durchgestandener Erstinfektion im August sich erneut infizierte und verstarb. Gleichzeitig führt "BNO" eine Liste mit knapp 9.000 unbestätigten Reinfektionen, die noch geprüft werden.

Wie kann es zu Reinfektionen kommen?

Ob ein Virus eine Person erneut infizieren kann, hängt stark von dessen Immunsystem und der Immunantwort des Körpers auf das Virus ab. Die meisten Menschen sind nach einer überstandenen Virus-Infektion erstmal immun gegen das Virus.

Dabei wird jedoch unterschieden zwischen systemischen Infektionen, bei der die Erreger direkt in den Blutkreislauf geraten und sich so über ganze Organsysteme ausbreiten, und respiratorischen Erkrankungen, bei denen die Viren nur die Schleimhautoberflächen infizieren. Coronaviren gehören zur zweiten Gruppe. Anders als bei systemischen Infektionen, bei denen der Immunschutz teilweise ein Leben lang anhält (z.B. bei Windpocken), bleiben die Antikörper bei nach Covid-19 nur einige Monate bestehen.

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von Jan Schneider

Außerdem spielen Vorerkrankungen der Erkrankten eine große Rolle: Der Mann aus Baden-Württemberg hatte laut Aussage des dortigen Landesgesundheitsamts Vorerkrankungen. Es sei daher wahrscheinlich, dass er bei der ersten Infektion keine starke Immunität ausgebildet habe, so der Zuständige aus dem Referat Gesundheitsschutz und Epidemiologie, Stefan Brockmann. Das Immunsystem hat es nicht geschafft, einen längerfristigen Immunschutz aufzubauen.

Wie ist der wissenschaftliche Stand zur Immunität nach einer Infektion?

Zu Beginn der Pandemie waren viele Experten davon ausgegangen, das eine überstandene Corona-Infektion vor weiteren Infektionen schützt. Berichte an sinkenden Antikörperwerten haben jedoch Zweifel an der Nachhaltigkeit der Immunität geweckt. Forscher von Public Health England haben deshalb für eine Studie insgesamt 20.000 Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen untersucht, um deren Immunschutz zu bestimmen.

Das Ergebnis: Die Chance, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, sinkt nach einer ersten Infektion um 83 Prozent für mindestens fünf Monate. Von 6.614 Probanden, die bereits eine Infektion durchlebt hatten, infizierten sich 44 erneut (0,66 Prozent). In der Gruppe der bisher Nicht-Infizierten gab es 318 Neuinfektionen unter 14.173 Probanden (2,24 Prozent). Zum Vergleich: Impfstoffe bieten aktuell eine Schutzwirkung von rund 95 Prozent.

Wichtig dabei ist zu beachten, dass zwei Drittel der Patienten mit Reinfektion keinerlei Symptome zeigten. Diese Infektionen wären ohne die Studie also vermutlich gar nicht aufgefallen, die Personen können das Virus aber an andere Menschen übertragen.

Was ist noch unklar in Bezug auf Reinfektionen?

Eine große Unbekannte im Kampf gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 sind Virusmutationen. Finden Viren nicht mehr genügend Wirte, um sich zu verbreiten, verändern sie sich. Inwiefern dies auch durch die steigende Immunität nach überstandenen Infektionen oder Impfungen passiert, wird aktuell noch erforscht. Dazu soll zum Beispiel in Deutschland die Menge der Sequenzierungen zur Mutations-Überwachung stark erhöht werden.

Im Bezug auf die bislang zugelassenen Impfstoffe scheint es zumindest Hoffnung zu geben: Der Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer soll einer Studie zufolge auch gegen die ansteckendere in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 und andere Varianten wirksam sein.

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