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Biochemiker zu Corona-Medikament - Darum wirkt Remdesivir bislang nur wenig

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Forscher vom Göttinger Max-Planck-Institut und der Uni Würzburg haben herausgefunden, warum Remdesivir bei Corona-Patienten bislang kaum wirkt.

Eine Ampulle mit dem Medikament Remdesivir. Archivbild
Eine Ampulle mit dem Medikament Remdesivir. Archivbild
Quelle: Ulrich Perrey/dpa-POOL/dpa

Es war ein großer Hoffnungsträger in den ersten Monate der Pandemie: Das Ebola-Medikament Remdesivir. Für die Forscher um den Biochemiker Prof. Dr. Patrick Cramer am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie ist nun klar, warum das Medikament Remdesivir bei der Behandlung von Covid-19-Patienten nur wenig wirkt. Auf die Sterberate hat es laut Studien gar keinen Einfluss. Im Interview mit ZDFheute erklärt er, warum diese Erkenntnis trotzdem die Forschung nach wirksamen Corona-Medikamenten voran bringt.

ZDFheute: Wie wirkt Remdesivir auf das Coronavirus?

Patrick Cramer: Wenn man Remdesivir als Patient bekommt, dann wird es in den Zellen unseres Körpers in eine aktive Form umgewandelt. Diese aktive Form kann dann während des Prozesses bei dem das Coronavirus sein Erbgut vermehrt anstelle der natürlichen RNA-Bausteine eingebaut werden. Das führt dazu, dass die Polymerase, also das Enzym, welches die Vermehrung des Corona-Erbguts bewerkstelligt, ins Stocken gerät. Das Virus kann sich nicht mehr ausbreiten.

ZDFheute: Welche neuen Erkenntnisse konnten Sie nun über diesen Vorgang gewinnen?

Cramer: Wir sehen jetzt, dass Remdesivir zwar die Polymerase hemmt, aber dass diese Hemmung nur vorübergehend stattfindet. Und es somit nicht zu einer dauerhaften Blockierung des Enzyms kommt. Das bedeutet, dass der Wirkstoff nicht so gut wirkt, wie man sich das erhoffen würde.

Patrick Cramer
Prof. Dr. Patrick Cramer ist Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen.
Quelle: Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

ZDFheute: Wie haben Sie das untersucht?

Cramer: Wir haben, wenn man so will, einen molekularen Film über den Prozess des Coronavirus-Erbguts gedreht. Und haben dann in diesem Film beobachten können, wie das Medikament diesen Prozess stört. Dabei sehen wir eben, dass es den zwar Prozess stört, dass es aber nicht dazu führt den Prozess vollständig zu blockieren.

ZDFheute: Ist die Erkenntnis somit, dass Remdesivir als Corona-Medikament unbrauchbar ist?

Cramer: Also die Erkenntnis ist erstmal, dass man jetzt zum ersten mal den detaillierten Mechanismus der Medikamentenwirkung von Remdesivir beim Coronavirus kennt. Und da gilt es für uns jetzt zu überlegen, wie wir eine Substanz generieren können, die besser wirkt, weil sie stärker auf das Enzym einwirkt und eine stärkere Hemmung bewirkt.

Eine Ampulle des Medikamentes Remdesivir. Symbolbild

"Enttäuschendes" Ergebnis -
WHO: Remdesivir wirkt kaum gegen Coronavirus
 

Remdesivir wirkt kaum im Kampf gegen das Coronavirus, so eine Studie der WHO. Mediziner nennen die Ergebnisse "enttäuschend", wollen aber erstmal nicht auf Remdesivir verzichten.

ZDFheute: Und was ist mit Remdesivir?

Cramer: Wir werden die Substanz Remdesivir, indem wir zusätzliche Atome einführen, so ändern, dass wir hoffentlich eine stärkere Wirkung sehen. Zunächst mal im Reagenzglas. Aber dann müsste man darüber nachdenken, ob man mit dieser Substanz ein echtes Medikament entwickelt. Dieser ganze Prozess ist natürlich ungeheuer langwierig.

ZDFheute: Warum gibt es gegen viele andere Viren wirksame Medikamente aber gegen Covid-19 noch nicht?

Cramer: Erstens kamen Medikamente wie zum Beispiel gegen Herpes oder HIV auch nicht über Nacht. Das ging über Jahrzehnte. Zweitens sind die Viren unterschiedlich in ihrer Funktionsweise. Und bei dem neuen Coronavirus haben wir das Problem, dass das Virus über eine Fehlerkorrektur verfügt. Das heißt, wenn sich das Erbgut des Virus vermehrt, dann können Fehler auftreten. Die werden beim Coronavirus allerdings oft erkannt und dann wieder entfernt. Ein Medikament dessen Wirkung darauf beruht solche Fehler in der Erbgutinformation des Virus einzuführen, ist möglicherweise unwirksam.

Am Münchner Klinikum werden Medikamente gegen das Coronavirus getestet. Hoffnungen liegen auf dem Ebola-Medikament „Remdesivir“, das den Krankheitsverlauf verkürzen soll.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

ZDFheute: Braucht es überhaupt Corona-Medikamente, wenn der Impfstoff flächendeckend verfügbar ist?

Cramer: Wir dürfen nicht vergessen, dass wir, selbst wenn wir zu einer hohen Impfquote kommen, trotzdem Medikamente brauchen. Denn es wird in den verschiedenen Ländern unterschiedlich schnell geimpft und es wird trotzdem immer wieder Ausbrüche geben. Die müssen wir schnell kontrollieren und das geht nur durch hochwirksame und sichere Medikamente.

ZDFheute: Wann ist mit den ersten Covid-19-Medikamenten zu rechnen?

Cramer: Es wird nach meiner Auffassung noch einige Zeit dauern. Wann genau, wage ich derzeit noch nicht vorherzusagen.

Weitere Informationen des Robert-Koch-Instituts zum Wirkstoff Remdesivir finden Sie hier.

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