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Sandra Ciesek im NDR-Podcast : Die trügerische Sicherheit von 3G und 2G

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Wie angespannt ist die Corona-Lage in Deutschland wirklich? Und wo liegt das Risiko bei 3G- oder 2G-Veranstaltungen? Das erklärt die Virologin Sandra Ciesek im NDR-Interview.

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. Archivbild
Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. (Archivbild)
Quelle: Kay Nietfeld/dpa

In Deutschland sind inzwischen zwar rund 80 Prozent der Erwachsenen gegen das Coronavirus geimpft, doch die Neuinfektionen steigen rapide an. Die Virologin Sandra Ciesek, Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, erläutert im aktuellen NDR-Podcast "Coronavirus-Update", warum wir die Pandemie im Herbst nicht unterschätzen sollten. Das sagt Ciesek über...

... die sich zuspitzende Lage in Deutschland

Die derzeitige Situation sei zwar nicht eins zu eins mit der des vergangenen Herbsts vergleichbar, so Ciesek. Doch bedingt durch die Delta-Variante des Virus bereiten gleich mehrere Aspekte der Virologin Sorge:

  • der "deutliche Anstieg aller Parameter", also sowohl der Neuinfektionen, der Hospitalisierungen als auch der Einweisungen von Corona-Patienten auf Intensivstation
  • die Belegung der Intensivstationen - sie führe dazu, "dass wir eigentlich im Vergleich zum letzten Jahr (...) sogar schlecher dastehen"
  • der sich verschärfende Mangel an Pflegekräften
  • der große Zuwachs an Neuinfektionen bei Älteren
  • Ausbrüche in medizinischen Einrichtungen aber auch in Alten- und Pflegeheimen

Dennoch scheine ein "Gewohnheitseffekt" bei der Bevölkerung eingetreten zu sein: "Ich hab das Gefühl, dass es trotzdem im Moment nicht wirklich jemanden interessiert." Die gute Nachricht: Im Vergleich zum vergangenen Jahr sehe man, dass deutlich weniger Patienten an Corona sterben - wenn sie geimpft seien.

... die steigende Zahl von Impfdurchbrüchen

Gerade bei den über 60-Jährigen liege die Impfung durch deren Priorisierung oft schon länger zurück. Wenn dann noch Grunderkrankungen dazu kommen, seien gerade diese Menschen besonders gefährdet. Hier könnten Booster-Impfungen helfen, so Ciesek. Insbesondere Menschen, die bisher nur ein Mal mit dem Vakzin von Johnson & Johnson geimpft wurden, sollten schnell eine zweite Impfung mit einem anderen Impfstoff bekommen.

... die Dauer des Impfschutzes

"Impfen reduziert das individuelle Risiko schwer zu erkranken", so Ciesek. Ob es sich dabei um Jahre oder viele Monate handelt, sei noch unbekannt. "Die Impfung führt aber nur kurz zu einer sterilen Immunität. Das heißt: Man kann sich wahrscheinlich nach drei Monaten ungefähr wieder anstecken."

Daher seien Booster-Impfungen für jüngere Menschen weniger zum Eigenschutz gedacht, sondern es würde vielmehr um "ein gemeinschafliches Blocken der Infektionsketten gehen" - weil man eben für eine gewisse Zeit niemand anderen anstecken kann.

... die "falsche Sicherheit" von 3G- und 2G-Veranstaltungen

Bei einer Großveranstaltung mit 3G-Regel sind die Ungeimpften negativ getestet - die anderen nicht. "Das ist mit steigender Inzidenz und mit zunehmendem Abstand der Impfung nicht unwahrscheinlich, dass dann bei Großveranstaltungen auch Geimpfte dabei sind, die das Virus übertragen können." Ohne weitere Hygieneregeln und Abstand bestehe für Ungeimpfte eine große Gefahr sich zu infizieren. "Das würde ich zum Beispiel natürlich Risikogruppen nicht empfehlen", so Ciesek.

Auch bei 2G-Veranstaltungen bestehe das Risiko, sich zu infizieren. Das ist für geimpfte, jüngere Menschen in der Regel kein großes Problem - es sei denn, diese Infizierten haben später Kontakt zu Risikogruppen.

Dann sollte man extrem vorsichtig sein, wenn man am Wochenende die Großmutter im Altenheim besucht.
Frankfurter Virologin Sandra Ciesek

Daher sei es ratsam, in bestimmten Situationen selbst bereits Geimpfte zu testen, beispielsweise vor einem Besuch im Altenheim.

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