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Corona-Infektionen : Werden die Zahlen durch mehr Tests steigen?

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Daten aus Österreich lassen vermuten, dass durch die bald auch hier vermehrt eingesetzten Schnelltests Infektionszahlen steigen können. In Deutschland bleibt aber eine Frage.

Ein Corona-Schnelltest.
Ein Corona-Schnelltest.
Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild/Archiv

In Deutschland sollen bald alle Bürgerinnen und Bürger mindestens einmal die Woche einen Antigen-Test vornehmen lassen. Das war eines der Ergebnisse des vergangenen Corona-Gipfels. Damit werden voraussichtlich Millionen Tests durchgeführt - und vermutlich mehr Corona-Infektionen festgestellt als bisher. "Es ist zu vermuten, dass unerkannte Infektionen entdeckt werden, aber das Ausmaß können wir nicht prognostizieren", erklärt das Robert-Koch-Institut auf Anfrage von ZDFheute.

Wird dadurch die Inzidenz steigen, selbst, wenn sich das Infektionsgeschehen nicht wesentlich ändert? Gerade mit Blick auf die beschlossenen Öffnungsschritte - die zum größten Teil an Inzidenzen gekoppelt sind - könnte das zu einem Problem werden. Wie stark sich die zusätzlichen Corona-Tests tatsächlich auf die Infektionszahlen auswirken, ist bislang kaum absehbar.

Eine Analyse mehrerer internationaler Studien schätzt, dass etwa jeder fünfte Corona-Infizierte keine Symptome verspürt. Solche asymptomatischen Infektionen, die bisher oft durch Zufall in die Statistik gelangten, könnten durch vermehrtes Testen demnächst häufiger auffallen.

In Tübingen: 300 positive Fälle durch Schnelltests entdeckt

So wie beispielsweise in den vergangenen Monaten in Tübingen: Dort gibt es kostenlose Antigen-Schnelltests für alle bereits seit November, finanziert durch Spenden. Oberbürgermeister Boris Palmer sagte im ZDF, dass dadurch bereits 300 positive Fälle identifiziert werden konnten - "Menschen, die nicht gemerkt haben, dass sie infiziert sind".

"Wenn wir jetzt massiv mehr testen, dann geht die Inzidenz automatisch hoch, weil man mehr Fälle findet", so Palmer. Das sei eigentlich gut, weil man damit Infektionsketten breche. Aber die Fixierung nur auf die Inzidenzwerte für neue Öffnungsschritte sei "unglücklich". Palmer plädierte dafür, bei Öffnungen auch andere Faktoren zu berücksichtigen, beispielsweise die Lage in den Krankenhäusern oder die Anzahl schwerer Erkrankungen.

Virologe empfiehlt Blick auf die Positiv-Quote der Tests

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer sieht noch keine Anzeichen dafür, dass die Infektionszahlen in Deutschland bald durch die Tests in die Höhe schnellen werden. "Man muss die Frage stellen, ob wir von jetzt auf gleich so viel mehr Tests durchführen werden können, dass es sich wirklich signifikant in der Inzidenz niederschlägt", erklärt er auf Anfrage von ZDFheute.

Er ist dennoch davon überzeugt, dass durch die veränderte Teststrategie mehr Infizierte auffallen werden als zuvor.

Wir können durchaus davon ausgehen, dass wir mehr Menschen als Virusträger identifizieren werden als ohne großflächige Tests.
Martin Stürmer, Virologe

Stürmer empfiehlt den Blick auf die Positiv-Quote: "Wenn der Anteil an positiven Tests gleichbleibt, auch wenn die Absolutzahlen steigen, ist das keine Zunahme des Infektionsgeschehens", so Stürmer.

Österreich: Mit der Zahl der Tests stieg die Inzidenz

Wie vermehrte Tests die absoluten Zahlen der erkannten Infektionen in die Höhe treiben, sieht man aktuell am Beispiel Österreich: Deutschlands Nachbarland forciert Schnell- und Selbsttests seit Anfang Februar. Schon seit etwa einem Monat setzt das Land auf Selbsttests in Schulen, sogenannte "Nasenbohrertests". Wer zu den seit Anfang Februar geöffneten Friseuren im Land will, muss einen negativen Schnelltest vorweisen.

Die Zahl der Testungen - Schnelltests und PCR-Tests zusammengerechnet - ist in Österreich seit Anfang Februar deutlich gestiegen. Am 8. Februar, dem Tag an dem Schulen und Geschäfte wieder unter Auflagen öffnen durften, wurden noch rund 130.000 Tests gemeldet. Anfang März waren es durchschnittlich fast doppelt so viele.

Österreich lockert schrittweise die Corona-Maßnahmen, auch mit einer eigenen Teststrategie. "Eintrittstests" sind in manchen Bereichen nötig, etwa für den Friseur-Besuch.

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Anteil positiver Tests kaum verändert

Parallel stieg auch die Inzidenz: Die 7-Tage-Inzidenz gerechnet auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner betrug am 8. Februar noch rund 104, am 4. März dann rund 173. Die Zahl laborbestätigter Corona-Fälle pro Tag stieg von durchschnittlich 1.336 (Woche 5. bis 11. Februar) auf 2.197 (in der Woche 26. Februar bis 4. März).

Auffällig ist: Der Anteil positiver Tests ist in den vergangenen Wochen annähernd gleichgeblieben, er pendelt um den Wert eins. Am 8. Februar betrug er 0,97 Prozent, am 3. März 0,92 Prozent. Das lässt vermuten, dass die steigenden Infektionszahlen in Österreich mindestens zum großen Teil auf die gestiegenen Testungen zurückzuführen sind - und das Infektionsgeschehen an sich nicht zugenommen hat.

Fazit: Die Ausweitung von Schnell- und Selbsttests könnte die Inzidenzen zunächst steigen lassen, obwohl sich das Infektionsgeschehen tatsächlich kaum verändert. Das könnte problematisch werden, weil sich die Öffnungsschritte an den Inzidenzen orientieren. Es bleibt aber die Frage, wie viele Schnelltest in den kommenden Wochen überhaupt in Deutschland durchgeführt werden können - und ob es so viele sein werden wie etwa in Österreich.

Dennoch sind Tests ein wichtiger Baustein der Pandemie-Bekämpfung. Sie ermöglichen es, Menschen möglichst schnell in Quarantäne zu schicken, damit etwa Infizierte ohne Symptome, die ohne Schnelltest nicht aufgefallen wären, keine weiteren Menschen anstecken können.

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