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Gehackter Distanzunterricht - Kinder werden mit Pornografie konfrontiert

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Kinder werden im Corona-bedingten Distanzunterricht mit Pornografie konfrontiert. Bisher sind dies Einzefälle. Die Folgen können laut Experten aber gravierend sein.

Lehrerin und Kinder im Homeschooling. Symbolbild
Zuletzt wurden Videokonferenzen im Distanzunterricht gehackt.
Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Es war eine Situation, wie sie derzeit täglich tausendfach in Deutschland vorkommt: Eine Grundschulklasse ist per Videokonferenz zum Distanzunterricht zusammengeschaltet. Doch plötzlich bekommen die Kinder Nacktbilder oder Pornografie angezeigt.

Solche Fälle, wie sie sich in der zurückliegenden Woche in Bayern, Hessen und Berlin ereignet haben, scheinen bislang noch selten zu sein. Und doch sind Fachleute besorgt. Denn die Folgen für Kinder sind gravierend.

"Schonraum" Schule wird gefährdet

"Egal, wie aufgeschlossen ein Kind erzogen ist, es ist für jedes Kind eine Schocksituation, wenn es im Schonraum Schule, im Schonraum Distanzunterricht, im Schonraum der Gruppe, die es kennt, plötzlich eine solche Begegnung hat", sagt die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann.

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Thomas G. Rüdiger, Kriminologe von der Polizeihochschule Brandenburg, geht noch einen Schritt weiter: "So viele Kinder kommen gerade jetzt in der Corona-Situation erstmals ins Netz. Die sollen jetzt alle irgendwelche E-Learning-Video-Geschichten machen, oder die Eltern setzen sie vor Endgeräte, um im Homeoffice in Ruhe arbeiten zu können. Aber wenn man die Kinder ins Netz lässt - das ist ein globaler Interaktionsraum ohne Grenzen - kann ihnen das überall passieren, dass sie mit übergriffigen Inhalten konfrontiert werden."

Das sei kein Thema nur im Zusammenhang mit Schule, bilanziert Rüdiger deshalb - und sieht dennoch die Lösung des Problems auch im Bildungssystem. "Wir haben in ganz Deutschland noch immer nicht verpflichtend Medienkompetenz ab der ersten Klasse, und das fällt uns jetzt auf die Füße."

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Zudem müssten die Eltern unbedingt mit ihren Kindern über die Gefahren reden. Der Polizei sind Fälle von gesprengten Videokonferenzen durchaus bekannt, ähnliches habe es schon beim ersten Corona-Shutdown gegeben, sagt etwa Ludwig Waldinger vom Bayerischen Landeskriminalamt.

Experte für Cybercrime: "ein neues Phänomen"

Im niederbayerischen Mainburg bekam jüngst jedoch eine Achtjährige während des Online-Unterrichts plötzlich Bilder eines nackten Mannes angezeigt. Im hessischen Florstadt zeigte ein Unbekannter einer zweiten Klasse Pornografie. Und in Berlin sahen Drittklässler minutenlang einen Porno. "Das ist schon ein neues Phänomen", urteilt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime Bayern.

Bei gesprengten Videokonferenzen generell seien es häufig Täter aus dem Umfeld der Betroffenen, im Schulumfeld oft auch andere Kids, die sich schlicht einen schlechten Scherz erlaubten. "Aber wenn Kinder mit sexuellen Inhalten konfrontiert sind, ist man gleich bei einem deutlich schwereren Tatvorwurf, das ist sexueller Missbrauch."

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Das Problem: Gerade bei den Videokonferenz-Tools herrscht in Deutschlands Schulen ein Flickenteppich. Vielerorts haben die Schulen oder einzelne Lehrer zu Beginn der Pandemie für den plötzlich über sie hereinbrechenden Distanzunterricht auf individuell gewählte Lösungen zurückgegriffen - und nicht bei allen ist die Datensicherheit gewährleistet.

Tools für Distanzunterricht: Datenschutz als Problem

"Bei vielen Tools, die die Schulen nutzen, reicht es, wenn man den Link kennt", berichtet Schorr. Lehrerverbände fordern deshalb schon seit Längerem vehement, datenschutzkonforme, rechtssichere und gut geschützte Plattformen von den Kultusministerien zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Martin Löwe vom Bayerischen Elternverband will wegen des persönlichen Kontakts zwischen Kindern und Lehrkräften dennoch nicht auf Videokonferenzen im Distanzunterricht verzichten. Er sieht die Gefahren wo anders: "Nämlich darin, dass Schüler nicht adäquat beschult werden, weil sie nicht teilnehmen können aufgrund technischer Rahmenbedingungen."

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