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Wie Schule digital gelingen kann - Neue Medien brauchen eine neue Pädagogik

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Was für viele Schulen im Shutdown eine Herausforderung ist, wird an der Alemannen-Schule schon lange praktiziert. Wie Fernunterricht gelingt, erklärt Direktor Stefan Ruppaner.

Mit dem Tablet voll vernetzt von zu Hause lernen, zum Matheunterricht raus in die Natur oder zum Reparieren in die Werkstatt. Neue Konzepte krempeln die Schule um.

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30 min
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ZDFheute: Herr Ruppaner, wie sieht bei Ihnen an der Alemannenschule in Wutöschingen im Moment der Schulalltag aus?

Stefan Ruppaner: Momentan dürfen in Präsenz nur die Kinder in der Notbetreuung da sein und einige Schüler der Abschlussklassen. Für die restlichen läuft der Unterricht vollständig digital. Die Kinder kommen über unsere digitale Lernplattform DiLer an sämtliche Lernmaterialien.

Sie lernen von Zuhause und senden uns die behandelten Lern-Pakete wieder zurück. Die korrigieren wir, geben eine Rückmeldung über DiLer und Tipps, was man als nächstes machen kann. Und wenn es etwas mündlich zu klären gibt, haben wir dafür eine Funktion in unserer Lernplattform und können Probleme mit den Kindern besprechen.

ZDFheute: Haben Sie keine Probleme mit überlasteten Netzen, weil alle ständig online sind?

Ruppaner: Nein, die Kinder müssen bei uns nicht ständig online sein. Es ist ein Klick, damit lade ich mein Material-Paket runter und an dem arbeite ich dann zum Teil tagelang.

Direkter Kontakt zu Kindern nicht ersetzbar

ZDFheute: Mussten Sie sich an ihrer Schule in der Corona-Zeit überhaupt umstellen?

Ruppaner: Was die Lernpakete angeht, gar nicht. Dieses System läuft weiter wie vorher. (...) Die Schüler sind es sowieso gewohnt, die Aufgaben in der Lernplattform digital zu bearbeiten. Sonst können sie das entweder in der Schule in unserem Lernatelier machen oder von Zuhause aus.

Jetzt machen sie es nur von Zuhause und das funktioniert. Trotzdem fehlt auch bei uns der direkte Kontakt zu den Kindern.

In der Corona-Krise sind die Schulen überlastet, hängen bei der Digitalisierung hinterher. Doch ein Berliner Gymnasium ist da ein Gegenbeispiel.

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ZDFheute: Warum?

Ruppaner: Was wir machen, nennen wir Schmetterlings-Pädagogik. Ein Schmetterling hat zwei Flügel. Auf der einen Seite ist der Flügel des selbstorganisierten Lernens, das bei uns durch die Digitalisierung weiter normal funktioniert. Der zweite Flügel ist das "Lernen durch Erleben".

Das ist gemeinsam Schlittenfahren, Hütten bauen, Firmen anschauen. Sachen, bei denen ich forschen, entdecken, was brutzeln oder organisieren kann. Dieser Flügel funktioniert im Moment nicht, weil es dazu Kontakt und Menschen braucht. Wir können auch keine Konzerte geben oder miteinander Spiele spielen. Das tut uns allen sehr weh.

Homeschooling: Umstellung braucht Zeit

ZDFheute: Glauben Sie, dass andere Schulen sich jetzt in der Corona-Krise auf Ihr Konzept des selbstorganisierten Lernens umstellen können?

Ruppaner: Keine Schule kann von heute auf morgen alles digital machen. Viele haben nicht mal WLAN in der Schule und geschweige denn, dass jeder ein eigenes Gerät hat.

Bei uns ist es normal, dass jedes Kind sein eigenes Tablet hat.

Für viele Schüler findet der Unterricht derzeit von Zuhause aus statt. Allerdings funktionieren Lernplattformen häufig nicht und Server brechen zusammen.

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Die richtigen Arbeitsmaterialien liegen alle bereit: Erklärvideos, Learning Apps, organisiert in einem klaren Kompetenz-Raster und einer klaren Strukturierung.

Fernunterricht: Ohne die Infrastruktur geht nichts

Wenn die Infrastruktur nicht stimmt, dann kann eine Schule das so nicht machen. Dann kann sie nichts anderes tun, als einen Termin per Videokonferenz machen. Und ich rede dann halt was und die anderen hören zu. Und dann schicke ich irgendwelche Arbeitsmaterialien.

Die Verlängerung des Shutdowns bringt weitere Schulschließungen mit sich. Für Eltern eine große Herausforderung.

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2 min
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ZDFheute: Das klingt, als würden Sie das nicht ausreichend finden.

Ruppaner: Unsere Pädagogik funktioniert anders. (...) Man muss die Haltung ändern. Wir sagen nicht "Schüler, du musst irgendetwas machen".

Wir müssen die Schüler einladen, inspirieren und ihnen einfach die Möglichkeit geben, ihr Potenzial zu entfalten.

Keine Stundenpläne, kein Frontalunterricht, keine gemeinsame Klassenarbeit - aber dafür viel Freiraum und eine eigene Schulsoftware. Das ist das Konzept der Schule.

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Ich muss niemanden antreiben oder kontrollieren. Das wollen wir nicht. Wir sagen den Schülern "Ich gebe dir eine Chance zu zeigen, was du kannst. Und wenn du mir weniger zeigst, habe ich dich trotzdem lieb. Das ist kein Problem, das ist voll in Ordnung. Und dann helfe ich dir, wie du vielleicht später weiterkommst."

Bei uns lernen die Kinder individuell in ihrem eigenen Tempo. Wenn man nicht abwartet, bis ein Kind wirklich bereit ist, ein Potenzial zu entfalten, dann wird das nicht gelingen. Deswegen müssen wir alte Strukturen über Bord werfen.

Das Interview führte Alexandra Hostert.

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