Sie sind hier:

Kinder "seelisch fertig" - Experte: Schulstoff ohne Druck nachholen

Datum:

Viele Schulkinder seien nach 15 Monaten Pandemie "seelisch fertig", sagt Familien-Experte Martin Bujard. "Das Letzte was sie jetzt brauchen, ist noch mehr Druck."

Ein Junge sitzt traurig an einer Wand. (Symbolbild)
Laut Ärzteverbänden seien Kinder und Jugendliche in der Pandemie massiv vernachlässigt worden.
Quelle: colourbox.de

Der Präsident der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie, Martin Bujard, warnt vor zu viel Druck auf Schulkinder beim Aufholen der Lernrückstände durch die Corona-Krise. Bujard sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), viele Kinder seien nach 15 Monaten Pandemie "seelisch fertig: Das Letzte was sie jetzt brauchen, ist noch mehr Druck."

Deshalb müsse man sich zunächst darauf konzentrieren, die Kinder wieder stark zu machen, ihnen gute Erlebnisse zu ermöglichen und Lebensfreude zu vermitteln.

Wenn es Kindern schlecht geht, lernen sie auch nicht gut.
Martin Bujard, Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie

Bujard: Psychische Auswirkungen auf Kinder gravierend

Bujard, der dem evangelischen Familienverband (eaf) ehrenamtlich vorsteht und Forschungsdirektor im Bereich Familie am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung ist, erklärte, die psychischen Auswirkungen der Krise auf Kinder und Jugendliche seien gravierend.

Im Prinzip haben wir eine vierte Welle: eine stille Pandemie im Kinderzimmer.
Martin Bujard, Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie

Den Kindern fehlten Entwicklungsmöglichkeiten, ihr Selbstwertgefühl leide. Vor allem fehlten ihnen die Kontakte zu Gleichaltrigen. Befragungen von Jugendlichen zeigten, dass hochgerechnet Hunderttausende junge Menschen im ersten Lockdown eine depressive Symptomatik entwickelt hätten.

"Wir haben repräsentative Befragungen, wonach bei 1,7 Millionen Kindern zwischen 11 und 17 Jahren die gesundheitliche Lebensqualität infolge der Pandemie eingeschränkt ist", sagte Bujard. Im ersten Lockdown seien es 40 Prozent in dieser Altersgruppe gewesen, im zweiten Lockdown schon 48 Prozent.

An der Kinder- und Jugendpsychiatrie Tübingen gibt es seit Oktober deutlich mehr Anfragen, berichtet Dr. Barth. Patienten kämen mit Depressionen, Ess- und Zwangsstörungen.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Zwei Milliarden Euro: Bund plant Aufholprogramm

Zum Aufholprogramm des Bundes, der zwei Milliarden Euro für Nachhilfe und Freizeitaktivitäten zur Verfügung stellen will, sagte Bujard, das Paket habe zumindest beides im Blick, setze den Schwerpunkt aber beim schulischen Aufholen. Die öffentliche Debatte über Kinder und Jugendliche in der Pandemie mache ihm "ernsthafte Sorgen", bilanzierte Bujard:

"Es geht vorrangig um den Schulstoff mit einem defizitorientierten Blick auf die Kinder: Sie haben Lerninhalte verpasst! Sie müssen aufholen! Das verunsichert Kinder zusätzlich."

Dabei haben sie doch viel geleistet und haben durch ihren Verzicht auf Bildung und Kontakte zu ihren Mitschülern Solidarität gegenüber den Älteren geübt.
Martin Bujard, Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie
FAQ

Studie des ifo-Instituts - Homeschooling frisst Lernzeit und Förderung 

Nach einem Jahr Pandemie läuft es immer noch nicht rund beim Homeschooling. Kinder lernen weniger, wenn sie zu Hause sind und Lernschwächere werden kaum unterstützt. Ein Überblick:

von Katharina Schuster

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.