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Lehrerverband zu Notbremse - Meidinger: Schulschließungen ab 100er-Inzidenz

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Der Lehrerverband kritisiert die Regelungen der Corona-Notbremse zu Schulschließungen als zu schwach. Bereits ab einer Inzidenz von 100 müsse Distanzunterricht stattfinden.

Ein infolge von Corona-Schulschließungen verwaistes Klassenzimmer in Halle an der Saale.
Der Lehrerverband hält Schulschließungen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 Fällen für zu spät und fordert eine Grenze bei 100.
Quelle: dpa

Der Präsident des deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, fordert, Schüler im Kampf gegen die Corona-Pandemie früher in den Distanzunterricht zu schicken als vorgesehen: "Eine Inzidenz von 200 als Maßstab für Schulschließungen war viel zu hoch".

Es sei deswegen ein Fortschritt, wenn die Grenze jetzt auf 165 gesenkt werden soll, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger den Zeitungen der "Funke Mediengruppe". Doch auch eine Inzidenz von 165 ist noch deutlich zu hoch.

Meidinger: Distanzunterricht ab 100er-Inzeidenz

Man dürfe nicht vergessen, dass die bundesweite Inzidenz in der Altersgruppe zwischen 10 und 19 Jahren bereits jetzt deutlich höher liege. Meidinger fordert: Um eine Ausbreitung des Virus in den Schulen wirksam zu stoppen, "muss der Präsenzunterricht bereits ab einer Inzidenz von 100 beendet werden."

Er habe kein Verständnis dafür, warum man bei Schulen einen anderen, gröberen Maßstab anlege als in anderen Bereichen der Gesellschaft. Bund und Länder wollen mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes einheitliche Regelungen im Kampf gegen die dritte Corona-Welle festschreiben.

Ab wann Schulschließungen?

Das gilt auch für die Schulen. Im ersten Entwurf des Bundes war vorgesehen, dass Schulen in den Distanzunterricht wechseln müssen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz auf 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner steigt.

Dieser Schwellenwert soll nun aber gesenkt werden. Nach der Beschlussempfehlung des maßgeblichen Gesundheitsausschusses, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sollen Schulen schon bei einer Inzidenz von 165 in den Distanzunterricht wechseln.

"Es braucht einheitliche Eckpfeiler", so Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz zur aktuellen Corona-Schulpolitik. Dennoch seien die regionalen Unterschiede zu beachten.

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Abschlussklassen und Förderschulen sollen vom Stopp des Schulbesuchs ausgenommen werden können. In vielen Regionen liegt die Inzidenz zurzeit deutlich höher. Die Notbremse soll am Mittwoch im Bundestag verabschiedet werden. Der Bundesrat will sich am Donnerstag damit befassen.

Bundeselternrat für einheitliche Regelungen

Jürgen Böhm, der Bundesvorsitzende des Deutschen Realschullehrerverbandes, sprach sich für eine Vereinheitlichung der Inzidenzen aus:

Wenn der Grenzwert in der Gesellschaft bei 100 liegt, hat er gefälligst in der Schule auch bei 100 zu liegen.
Jürgen Böhm, Realschullehrerverband

"Ich lehne Experimente ab, Grenzwerte ständig zu flexibilisieren und infrage zu stellen", sagte Böhm der "Welt" weiter. Derzeit sei klar zu beobachten, dass die Infektionszahlen nach den Osterferien wieder gestiegen seien. Das hänge definitiv mit den Schulen zusammen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte die Abkehr von der 200er-Grenze, Vorstandmitglied Ilka Hoffmann sprach aber von einem "politischen Wert". Die GEW fordere weiterhin, ab einem Wert von 50 mit verkleinerten Gruppen zu arbeiten.

Die Elternschaft sei in der Frage der Schulöffnungen inzwischen sehr gespalten, sagte Sabrina Wetzel, Vorsitzende des Bundeselternrates. "Wir als Bundeselternrat begrüßen auf jeden Fall eine bundesweit einheitliche Regelung zum Thema Schulschließungen", sagt sie der "Welt".

Grafiken

Zahlen nach Landkreisen - Inzidenz bei Kindern vielerorts über 200 

Ab einer Inzidenz von 200 sollen nach der geplanten Notbremse Schulen und Kitas schließen. Doch der Wert bezieht sich auf die Gesamtbevölkerung - bei Kindern liegt er oft höher.

von Julia Klaus, Kathrin Wolff und Moritz Zajonz (Grafik)

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