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Lüften, Testen, Impfen - Wie können Schulen im Herbst offen bleiben?

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Im Herbst werden viele Kinder noch nicht gegen Corona geimpft sein. Schulen und Kitas sollen aber möglichst in Präsenz offen bleiben. Wie kann das sicher funktionieren?

Auf die Regierungen von Bund und Ländern wächst der Druck, vor Beginn des neuen Schuljahrs bessere Vorsorge zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu treffen. Um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren, fordern Schüler, Eltern und Lehrer Luftfilter für die …

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Bisher haben viele Experten recht behalten: "Der Sommer kann ganz gut werden", hatte etwa Virologe Christian Drosten im Mai gesagt. Und tatsächlich ist die Inzidenz in Deutschland niedrig, die Lage auf den Intensivstationen hat sich entspannt und selbst die mittlerweile dominierende Delta-Variante des Coronavirus hat noch keinen starken Anstieg der Fallzahlen verursacht.

Doch nach dem Sommer kommt zwangsläufig der Herbst, der saisonale Effekt, der das Infektionsrisiko mit dem Sars-CoV-2-Virus um bis zu 40 Prozent verringert wird schwächer und die Fallzahlen könnten - und werden vermutlich - wieder steigen. Während große Teile der erwachsenen Bevölkerung bis dahin durchgeimpft sein werden, laufen Schülerinnen und Schüler und auch kleinere Kinder unter zwölf Jahren ohne Immunschutz in die mögliche vierte Welle. Schulen sollen aber - so sagte es auch CDU-Kanzlerkandidat Laschet gestern - offen bleiben im Präsenzunterricht.

Wie ist das möglich ohne die Kinder und Jugendlichen in Gefahr zu bringen? Diese Maßnahmen halten Wissenschaftler für sinnvoll:

Lieber PCR-Pooltests als Antigen-Schnelltests

Aktuell werden in den meisten Schulen Antigen-Schnelltests durchgeführt um Infizierte zu finden und zu isolieren. Für den Herbst sollten Schulen und Kitas aber auf PCR-Pooltests bauen, rät Florian Klein, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Köln.

Seit Mitte April wird das Konzept - das Dr. Klein mitentwickelt hat - von fast allen der 700 Kitas im Großraum Köln angewandt. Seit Mai sind auch Grund- und Förderschulen aus ganz Nordrhein-Westfalen dabei. In Köln wurden bisher etwa 50.000 Pooltestungen durchgeführt und damit 89 positive Kinder beziehungsweise. Erzieher erkannt. In ganz NRW sind es im Schnitt etwa 80.000 Tests pro Woche, hierbei werden etwa 16 bis 18 Fälle entdeckt, so Klein.

Systematische Testung kann helfen, grobe Maßnahmen wie Quarantäne für eine ganze Klasse zu vermeiden.
Florian Klein, Virologe

Ein weiterer Vorteil der Pool-Test sei, dass infizierte Kinder nicht direkt öffentlich in der Klasse ihren positiven Befund bekommen wie bei einem Antigen-Schnelltest. Das hatte in der Vergangenheit zu Unsicherheit bei Schülerinnen und Schülern und Mobbing geführt.

Lüften oder Luftfilter?

Auch letzten Winter wurde schon viel über das Lüften in Klassenzimmern geredet. Bilder von Schulkindern in dicken Winterjacken zeigten die Hilflosigkeit der Schulen gegen die Pandemie.

Auch in diesem Herbst/Winter könnte es in Schulen wieder aufs Lüften herauslaufen. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz hat gezeigt, dass Fensterlüften, ergänzt durch einfache technische Hilfsmittel wie Ventilatoren und Abzugshauben, sich sehr gut zum Schutz vor SARS-CoV-2-Infektionen durch Aerosolübertragung eignet. Besser als Luftfilter oder Luftreinigungsgeräte, die mit UV-Strahlung arbeiten. Diese Lösung sei vor allem auch günstiger und besser verfügbar als die oft öffentlich geforderten Luftfilteranlagen, so die Forscher aus Mainz.

Für Julia Hurraß von der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin ist Lüften auch abseits der Corona-Pandemie unabdingbar in Schulen:

Ein Klassenraum, der nicht gelüftet wird, kann nicht genutzt werden.
Julia Hurraß, Hygiene-Expertin

Sie war an den Leitlinien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV -2-Übertragung in Schulen beteiligt. Regelmäßiges Lüften verhindert zudem auch andere Krankheitsübertragungen wie die Grippe, Schimmelbildung in Klassenräumen und zu hohe Kohlendioxidwerte.

Ohnehin fänden die meisten Corona-Übertragungen im "Nahfeld" statt, also bei Kindern, die nebeneinander sitzen und sich direkt ansprechen. "Da helfen auch Luftfilter wenig", so Hurraß.

Der Deutsche Lehrerverband hält Tests und eine Maskenpflicht in den Schulen zumindest zu Beginn des neuen Schuljahres weiter für nötig. "Wir brauchen Anfang des nächsten Schuljahrs eine Art Sicherheitsphase", so Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger.

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Den Rest der Bevölkerung impfen

Ein wichtiger Faktor für die Öffnung der Schulen ist auch der Fortschritt der Impfkampagne bei den Erwachsenen. Aktuell gibt es von der Ständigen Impfkommission (Stiko) keine allgemeine Impf-Empfehlung für unter 18-Jährige. Für Kinder unter zwölf ist nicht mal ein Impfstoff zugelassen.

Diese Empfehlung basiere auf einem mathematischen Modell, erklärt Stiko-Chef Thomas Mertens: Die Stiko habe abgewogen, ob Kinder durch eine Erkrankung Gefahr laufen, ins Krankenhaus zu müssen oder gar zu sterben. Und, ob infizierte Kinder eine Gefahr darstellen, so dass Erwachsenen sich anstecken könnten und in der Folge ins Krankenhaus oder sogar sterben müssten. Da die Stiko das Risiko in beiden Fällen als gering einschätzte, wurde es gegen mögliche - bisher für Kinder unzureichend erforschte - Impfnebenwirkungen abgewogen.

Wenn es um einen Ebola-Impfstoff ginge, wo die Hälfte der Erkrankten sterben, dann legt man an die Sicherheit des Impfstoffs ein anderes Maß an, als bei Covid19, bei dem kaum ein Kind stirbt.
Thomas Mertens, Vorsitzender der Stiko

Je mehr Erwachsene geimpft werden, desto geringer wird die Relevanz der Kinderimpfung in diesem mathematischen Modell, da dadurch auch die Infektionszahlen sinken.

Jede Impfung bei Erwachsenen hat einen positiven Einfluss auf die Situation der Kinder.
Florian Klein, Virologe

In Deutschland wird eine Corona-Impfung für Jugendliche ab zwölf Jahren nur für vorerkrankte Kinder empfohlen. Doch mit der drohenden Delta-Welle wächst bei Eltern die Sorge.

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Und was ist mit Long-Covid bei Kindern?

Wenn Schulen und Kitas offen bleiben und die Kinder nicht gegen Corona geimpft sind, wird es höchstwahrscheinlich auch zu Infektionen kommen. In diesem Zusammenhang schwingt auch immer die Sorge vor Langzeitfolgen der Erkrankung, "Long Covid" genannt, mit.

Dazu sei jedoch noch zu wenig bekannt um eine klare Aussage zu Risiken und Wahrscheinlichkeiten zu machen, meint Eva Rehfuess, Professorin für Public Health an der Universität München.

Es ist ganz schwer zu unterscheiden, welche Symtome auf Covid19 zurückzuführen sind und welche auf den Stress der Pandemie.
Eva Rehfuess, Professorin für Public Health

Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und Kurzatmigkeit könnten also "Long Covid" sein, oder auch "Long-Lockdown". Außerdem sei es sehr davon abhängig, zu welchem Zeitpunkt nach der Infektion die Kinder wieder untersucht würden.

Die Schätzungen, wie viele Kinder Spätfolgen haben, schwankten je nach Studie und Arzt zwischen ein und zehn Prozent der infizierten Kinder, so Rehfuess. "Long Covid" sei für sie bisher kein Argument für eine Kinderimpfung, wohl aber ein gewichtiges Argument Schutzkonzepte in Schulen aufrechtzuerhalten.

Auf der Illustration ist eine Frau zu sehen, die auf dem Boden sitzt. Ihren Kopf stützt sie auf ihrem linken Arm.

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