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Bundesschülerkonferenz - Fernunterricht ist "psychisch zermürbend"

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Die Bundesschülerkonferenz warnt vor zu langen Schulschließungen im Kampf gegen das Coronavirus. "Wir brauchen erste Öffnungsschritte", sagt Generalsekretär Dario Schramm.

Ein Schüler sitzt in seinem Zimmer am Schreibtisch und erledigt Aufgaben im Rahmen des Homeschooling. Fernunterricht sei auf Dauer "psychisch zermürbend", sagt die Bundesschülerkonferenz.
Fernunterricht ist laut Bundesschülerkonferenz auf Dauer "psychisch zermürbend".
Quelle: Jonas Güttler/dpa

Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, hat vor den Folgen zu langer Schulschließungen während des Corona-Shutdown gearnt. Ständig allein zu Hause zu sitzen sei psychisch zermürbend, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Schramm weiter: "Es macht mir Angst, wenn ich höre, dass manch einer die Schulen bis Ostern schließen möchte. Das darf nicht passieren“. Auch psychisch sei es für Schülerinnen und Schüler wichtig, "jetzt einmal wieder richtig zusammenzukommen - und nicht nur online“.

Schülerkonferenz: Schule ein Ort der Gemeinschaft

"Viele wollen dringend mal wieder andere in der Schule sehen - gern mit großem Abstand und peniblen Hygienevorkehrungen, aber persönlich. Schule ist ein Ort der Gemeinschaft, nicht nur des Lernens", so der Schülervertreter.

Wir fordern Wechselunterricht in kleineren Gruppen, um sowohl dem Schutz vor Corona als auch dem Wunsch der Schüler nach Bildung Rechnung zu tragen.
Dario Schramm, Bundesschülerkonferenz

Schramm forderte für Abschlussklassen und jüngere Schüler in allen Bundesländern ein Angebot des Wechselunterrichts. "Das ist wichtig, damit sich alle gut auf ihre Prüfungen vorbereiten können. Und damit sich die Bildungsungerechtigkeit nicht weiter verschärft."

Solange nur zu Hause gelernt werde, sei jeder auf seine technischen Mittel dort und die Unterstützung der Eltern zurückgeworfen. "Einige haben nicht mal ein ruhiges Zimmer zum Lernen. Das sorgt für riesige Chancenungleichheit," so Schramm gegenüber dem RND.

Archiv, Bundesforschungsministerin Anja Karliczek gibt im Rahmen einer Pressekonferenz die Gewinner im Wettbewerb 'Clusters4Future' bekannt.

Unterricht in Corona-Zeiten - Karliczek: Wie Schulen wieder öffnen könnten 

Wissenschaftler halten das Risiko einer Schulöffnung mit strengen Hygieneauflagen für beherrschbar. Gemeinsam mit Bildungsministerin Karliczek stellten sie eine Leitlinie vor.

Schule als emotionaler Bezugspunkt

Infektionsschutz sei wichtig, gerade angesichts der kursierenden Mutationen des Coronavirus, sagte Schramm. "Aber wir brauchen auch erste Öffnungsschritte." Die Schulschließungen in der Corona-Pandemie könnten auch nach Ansicht von Experten für viele Schüler weitreichende negative Folgen haben.

Sie führten nicht nur zu Leistungsverlusten, sondern gerade für Kinder "aus bildungsfernen Schichten" sei Schule oft einer der wichtigsten sozialen und emotionalen Bezugspunkte, sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher der Deutschen Presse-Agentur.

Leitfaden für Präsenzunterricht

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) befürchtet durch die Situation eine zunehmende soziale Spaltung. Unzureichende digitale Infrastruktur und Lehrkräftemangel träfen gerade Kinder aus ohnehin benachteiligten Elternhäusern besonders, sagte Gewerkschaftschefin Marlis Tepe der dpa.

Das Bundesbildungsministerium hatte einen von Wissenschaftlern erstellten Leitfaden für den Präsenzunterricht während der Corona-Pandemie veröffentlicht. Demnach ist ein solcher Unterricht unter Wahrung strenger Infektionsschutzregeln möglich:

Die Öffnung von Schulen kann nur sehr vorsichtig (...) und immer auf wissenschaftlicher Basis erfolgen.
Anja Karliczek, Bundesbildungsministerin

Die Wissenschaftler gaben konkrete Empfehlungen unter anderem zur Verringerung der Klassengrößen, zum Maskentragen, Lüften und Umgang mit Corona-Verdachtsfällen. Im Rahmen des seit Dezember geltenden harten Lockdowns in Deutschland sind die Schulen und Kitas weitgehend geschlossen.

Politisches Streitthema Schulöffnungen

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs sprechen am Mittwoch über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Wie mit den Schulen weiter verfahren wird, dürfte dabei aller Voraussicht nach ein zentrales Thema werden.

Präsenzunterricht an den Schulen in Zeiten der Pandemie? Experten meinen: Unter strengen Auflagen wäre das möglich. Die Bildungsministerin allerdings bleibt zurückhaltend. Entschieden wird wohl am Mittwoch.

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