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Schluss mit Corona-Goldstandard - Rolle rückwärts in Singapur

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Der Stadtstaat in Südostasien galt lange als Gold-Standard im Kampf gegen Covid-19. Kaum Fälle, kaum Tote. Doch nun hat es die indische Variante ins Land geschafft.

Menschenleere Straße in Singapur
In Singapur werden die strengsten Einschränkungen seit fast einem Jahr verhängt. Grund dafür sind 34 Neuinfektionen an einem Tag - so viele wie seit September nicht mehr.
Quelle: Andre Groenewoud

Manchmal geht alles ziemlich schnell. Anfang Mai fragte die "BBC online" und mit fetter Überschrift, wie das Leben so sei in Singapur, am besten Ort der Welt während der Pandemie? Das lasen die Singapurer gerne, stolz teilten sie zigfach den Beitrag. Auch wenn auf das Schicksal von Arbeitsmigranten eingegangen wurde, deren Situation nicht ganz so rosig erscheint, kam der Tenor dennoch an: Mann, haben wir es gut in Singapur!

Knapp drei Wochen später stellte die BBC wieder eine Frage in einer Headline - und diesmal sah sie komplett anders aus: "Was lief schief in Singapur?" Der Grund: die indische Variante B.1.617. schwappte ins Land und hat zu einem plötzlichen und aggressiven Anstieg der Fälle geführt.

Im asiatischen Stadtstaat liegt die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei 1,8 – die Stadt hat die Pandemie derzeit im Griff. Die Menschen aber müssen dafür einen Preis zahlen und bereitwillig ihre Daten hergeben.

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Regierung greift durch

Die singapurische Regierung griff durch: Bars, Restaurants und Schulen sind nun für vier Wochen geschlossen, Homeoffice ist Pflicht. Zudem darf man nur zwei Besucher pro Tag zu Hause empfangen. Und bei Einreise nach Singapur müssen Rückkehrer drei Wochen lang in strikte Hotelquarantäne - wenn sie denn überhaupt noch ins Land hinein gelassen werden.

Ein Privileg, das momentan nur Einheimische und Bewohner mit langjährigem Aufenthaltsrecht genießen. Für Tausende "Expats", die seit über einem Jahr das Land von der Größe Hamburgs nicht verlassen haben, mutiert der goldene Käfig immer mehr zum Gefängnis.

Geschlossenes Restaurant in Singapur
Im Stadtstaat dürfen sich nun nur noch zwei Personen treffen, Restaurants werden geschlossen, Veranstaltungen begrenzt.
Quelle: Andre Groenewoud

Nur wenige Tote - bislang

Singapur kam bislang gut durch die Pandemie. Knapp 62.000 Coronafälle, nur 32 Tote. Das autoritär geführte Land galt als Gold-Standard. Dabei ist nicht nur die Insellage von Vorteil, auch die Regierung hat konsequent durchgegriffen. Das Rückverfolgen der Fälle betreiben die Behörden mit immensem Aufwand - und mit Erfolg.

Die Fallzahlen lagen monatelang konstant im niedrigen einstelligen Bereich; aktuell pendeln sie zwischen 20 und 30 pro Tag. Andere Länder wären froh ob solcher Zahlen, in Singapur machte sich zum Teil Panik breit.

Als die Regierung die Rolle rückwärts verkündete, standen Schlangen vor den Supermarktkassen. Viele äußern auf Social Media ihren Frust und machen die Regierung verantwortlich, nicht eher die Grenzen - vor allem für Flieger aus Indien - geschlossen zu haben. Denn einer der beiden Herde für die meisten neuen Fälle ist der Internationale Flughafen Changi.

Manchen platzt der Kragen

Da platzte Calvin Cheng auf Facebook der Kragen. Das ehemalige Parlamentsmitglied beschimpfte diejenigen, die glaubten, sie litten unter der aktuellen Lage, und schrieb zornig:

Eine Vielzahl an Singapurern hat zu lange in Disneyland gelebt.
Calvin Cheng

Seine verärgerten Mitmenschen nannte Calvin Cheng "die größte Nation an Heulsusen auf der Welt".

Ärzte und Krankenschwestern am 22.04.2020 in einem Krankenhaus in Barcelona

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Differenzierter urteilt Professor Teo Yik Yin. "Ich verstehe zwar den Frust vieler Landsleute", sagt der Gesundheitsexperte dem ZDF, "aber wir können die Grenzen nicht so einfach schließen. Wir sind einerseits abhängig vom Handel mit der Welt, andererseits brauchen wir die Arbeitskräfte aus Südasien." Zudem hätte die indische Variante sowieso den Weg ins Land gefunden, so der Experte. Und fügt hinzu: "Viel wichtiger ist es, dass man nicht nachlässt im Kampf gegen das Virus und die Regeln einhält."

Auf Corona-Verstoß folgt der Rauswurf aus dem Land

Regeln, die manche nicht ganz so ernst genommen haben - mit fatalen Folgen. Acht Briten wurden kürzlich vor Gericht für schuldig befunden, am zweiten Weihnachtsfeiertag des vergangenen Jahres auf einer gecharterten Yacht ohne Maske und in einer zu großen Gruppe gefeiert zu haben.

Ein Einheimischer hatte sie von Land aus gefilmt und die Aufnahmen ins Internet gestellt. Die 3.000 Singapur-Dollar Strafe (ca. 1.850 Euro) wären wohl noch zu verschmerzen gewesen, doch den Briten wurde die Arbeitserlaubnis entzogen. Sie müssen das Land nun verlassen.

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