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Neue Corona-Auflage - Singapur bittet Impfverweigerer zur Kasse

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Mit restriktiven Kontaktbeschränkungen und hoher Impfquote kämpft Singapur gegen die Pandemie. Trotzdem steigen die Inzidenzen. Die Ungeimpften sollen nun die Rechnung zahlen.

Menschen warten in einem Beobachtungsraum, nachdem sie geimpft wurden in Singapur
Die Impfzentren in Singapur sind voll. Trotzdem steigt die Zahl der Infizierten wieder an.
Quelle: Reuters

Lautes Tellergeklapper im Inselstaat. Seit 22. November dürfen wieder bis zu fünf Menschen gemeinsam Essen und Trinken gehen. Doch die große Freiheit können nur Geimpfte genießen. Wer nicht gepikst ist, bleibt allein und draußen.

Aber nicht nur der persönliche Freiraum wird eingeschränkt, ab 8.Dezember geht es Ungeimpften auch noch an den Geldbeutel: Wer an Corona erkrankt, muss die Behandlungskosten selbst tragen.

Weltweit wird versucht Ungeimpfte zum Umdenken zu bewegen, teils mit harten Maßnahmen. Verhaltensökonomin Katrin Schmelz erklärt, wie man Ungeimpfte vom Impfen überzeugen kann.

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Monatelange Reisebeschränkungen und Kontaktverbote

Singapur, in dem rund 5,5 Millionen Menschen leben, hat seit Beginn der Pandemie 763 Todesfälle registriert. Lange Zeit hielt die Insel ihre Grenzen nahezu geschlossen. Einreisen durften nur Bürger oder Besitzer von Langzeit-Visa.

Verschwindend wenig Touristen und Geschäftsreisende sind seit März letzten Jahres am Hochglanz-Flughafen gelandet - gähnende Leere und leere Kassen. Restriktionen galten und gelten auch noch für das Leben in Singapur. Besuchsverbot für Restaurants und Cafés, maximaler Kontakt von zwei Personen, Online-Unterricht statt Schule und Arbeiten von Zuhause haben sich in diesem Jahr immer wieder mit temporären Öffnungen abgelöst.

Infektionszahlen in wenigen Wochen fast vervierfacht

Hoffnung setzte die Regierung auf die Impfoffensive. Das neue Motto: "Mit Covid-19 leben". Bis Ende November haben 87 Prozent der Bevölkerung eine Doppelimpfung erhalten. Berücksichtigt man, dass zwölf Prozent der Bevölkerung jünger als 12 Jahre sind (für sie gibt es noch keine Impfzulassung), liegt die Impfquote bei 96 Prozent.

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Doch trotz der hohen Quote steigt die Infektionsrate seit Monaten. Bis zum September dieses Jahres gab es in Singapur rund 70.000 Covid Fälle insgesamt. In den letzten drei Monaten hat sich die Zahl fast vervierfacht. Professor Paul Tambyah, Präsident der Asia Pacific Society of Clinical Microbiology and Infection, warnt:

Die Zahl der Infektionen ist wahrscheinlich sogar noch höher, da wir positive ART (Schnelltest) Resultate nicht einrechnen.

"Ich fürchte, wir sehen nur die Spitze des Eisberges, das gibt natürlich Grund zur Sorge.", so Tambyah weiter. Eine Sorge, die auch die Regierung des Inselstaates teilt.

Sonderauflagen für Ungeimpfte

Neben den täglichen Fallzahlen veröffentlicht die staatliche Gesundheitsbehörde seit neuestem auch die Belegung der Intensivbetten, aufgeteilt nach Altersgruppe und Impfstatus. Die Analyse von Tambyah:

Die Zahlen zeigen, dass die erhältlichen Impfungen - in Singapur wird Pfizer, Moderna und Sinovac geimpft - helfen, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Nicht so erfolgreich wirken sie in der Eindämmung der Infektion.

Eingedämmt werden kann allerdings das Leben der Unwilligen durch staatlich verordnete "impfstatusdifferenzierte Sicherheitsregeln". Heißt: Ungeimpfte bleiben Zuhause. "Vorrangig sollen Ungeimpfte dadurch geschützt werden, aber ohne Zweifel dienen die Regeln als Anstoß, sich impfen zu lassen", gibt Professor Teo Yik Ying, Dekan der Saw Swee Hock School of Public Health Singapore, offen zu.

Impfverweigerer zahlen Corona-Kosten selbst

Für die, die sich trotzdem nicht überzeugen lassen, kann es ab 8. Dezember teuer werden. Bislang hat der Staat die Kosten der Behandlung von Covid-Patienten übernommen. Das ist nicht die Norm. Singapurer müssen medizinische Behandlungen ansonsten selbst zahlen.

"Singapurs Gesundheitssystem basiert auf der Grundlage von Mitverantwortung. Staatliche Hilfe und eigenständige Vorsorge gehen Hand in Hand", erklärt Professor Teo Yik Ying. "Genau diese Verantwortung wird von freiwillig Ungeimpften eingefordert, wenn sie selbst zahlen müssen!"

Im Durchschnitt können Kosten von über 15.000 Euro anfallen, rechnete das Gesundheitsministerium in seiner Pressemitteilung vor. Prof Teo Yik Ying findet die Entscheidung konsequent:

Freiwillig Ungeimpfte haben damit keinen Zugriff mehr auf den Sonderfonds, der für die Pandemie angelegt worden ist. Sie werden wie Grippepatienten bisher auch ihre Behandlungskosten selbst finanzieren müssen

Nicole Vitense-Lukat ist Mitarbeiterin im ZDF-Studio Singapur.

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