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Tinder für Impftermine? - Das steckt hinter "sofort-impfen.de"

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In drei Schritten zum Impftermin: Eine neue Plattform will Impfwillige mit Hausärzten vernetzen. Die Idee dahinter: Ärzte entlasten und vermeiden, dass Restvakzine entsorgt werden.

Das Team von "sofort-impfen.de" besteht aus Kollegen und Freunden, die ehrenamtlich für die Plattform arbeiten.
Das Team von "sofort-impfen.de" besteht aus Kollegen und Freunden, die ehrenamtlich für die Plattform arbeiten.
Quelle: sofort-impfen.de

Ab Juni soll die Impf-Priorisierung aufgehoben werden, kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am vergangenen Montag an. Hausärzte befürchten dadurch einen noch größeren Ansturm auf die Praxen.

An dieser Stelle will "sofort-impfen.de" anküpfen. Das Ziel: schnellen Zugang zu Impfstoffen schaffen, indem Ärzte und Impfwillige vernetzt werden - Tinder für Impftermine quasi. Wie die Initiative die Impfkampagne unterstützen will, erklärt Initiator Johannes Gerster im ZDFheute-Interview.

ZDFheute: Wie kam Ihnen die Idee zu "sofort-impfen"?

Johannes Gerster: Die Idee kam mir, als mir eine Freundin erzählte, dass sie einen Anruf von einer Hausärztin bekommen hat und gefragt wurde, ob sie spontan zu einer Corona-Impfung mit einem Restvakzin erscheinen könnte, das ansonsten entsorgt werden müsste.

Ich dachte, dass dieser Fall wahrscheinlich nicht der einzige ist - und dass damit ein extrem großer Organisationsaufwand für die Hausarztpraxen einhergeht. Deswegen wollte ich eine einfache, digitale Lösung.

Armin Beck vom Deutschen Hausärzteverband und Landärztin Ulrike Koock bei ZDFheute live über den derzeitigen Ansturm auf die Corona-Impfung in den Hausarztpraxen.

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7 min
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ZDFheute: Sie bezeichnen sich auf ihrer Seite als "digital first" Denkende. Wie meinen Sie das?

Gerster: Wir kommen aus unterschiedlichen Disziplinen. Unser Kernteam besteht aus zehn Leuten, inzwischen arbeiten auch ein paar Programmierer mit uns zusammen. Woher bei diesen Personen die digitale Affinität kommt, ist wahrscheinlich klar - weil es deren Job ist.

Ich bin im Digital Marketing Bereich tätig. Daher kann ich, glaube ich, schnell erkennen, wann digitale Lösungen besser sind als analoge.

[Auch der 17-Jährige Julian Ambrozy hat ein Impfportal ins Netz gestellt - mehr im Video:]

Trotz vieler freier Termine, müssen Registrierte oft lange auf ein Impfangebot warten. Die Website von Julian Ambrozy bietet hierfür eine Lösung.

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1 min
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ZDFheute: Seit wann arbeiten Sie an der Plattform?

Gerster: Wir arbeiten seit circa drei Wochen daran. Vor rund zwei Wochen ging die Seite online.

ZDFheute: Wie viele Menschen haben sich bereits registriert?

Gerster: Das Ganze hat etwas krasser eingeschlagen als erwartet.

Stand heute (20.05.2021) haben sich 1,5 Millionen Impfwillige registriert.

ZDFheute: Und wie viele Hausarztpraxen machen mit?

Gerster: Ganz grob zwischen 500 und 1.000. Wir müssen die Praxen noch manuell verifizieren, deswegen liegt noch keine genaue Zahl vor.

ZDFheute: Einige Hausärzte haben einen Impfstopp angekündigt, wenn die Priorisierung aufgehoben wird. Wie können Sie die Hausärzte entlasten?

Gerster: Die Plattform will administrative Aufwände reduzieren. Wir haben mit vielen Hausärzten gesprochen und rausgehört, dass manchmal bis zu fünf Telefonanrufe stattfinden müssen, um nur eine Dosis zu vermitteln.

Auf "sofort-impfen.de" können Ärzte die verfügbaren Impfdosen mit einem Klick einstellen. Dann werden die im Umfeld registrierten Personen kontaktiert und können einen Termin buchen nach dem Prinzip "first come first serve".

Mit der Aufhebung der Priorisierung wollen wir den Praxen anbieten, das komplette Impftermin-Management abzubilden und nicht nur die Restvakzine vermitteln.

Der Streit um die siebte Dosis

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8 min
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ZDFheute: "First-come-first-serve" - da werden sicher viele leer ausgehen. Ist schon jetzt ein aggressives Stimmungsbild erkennbar?

Gerster: Bisher haben wir kein negatives Feedback bekommen. Wir kommunizieren transparent und informieren weiter darüber, dass die Vermittlung erst im Laufe der nächsten Woche startet.

ZDFheute: Warum wurden noch keine Termine vergeben?

Gerster: Wir waren von diesem Ansturm sehr überrascht. Uns ist es wichtig, das aus Datenschutzgründen und von der technischen Funktionalität her zu einhundert Prozent wasserdicht abzubilden. Deswegen mussten wir einiges überarbeiten.

ZDFheute: Wann soll die Terminvergabe starten?

Gerster: Nächste Woche wollen wir die Funktionen mit Hausärzten und Impfwilligen in Testregionen final testen, um danach bundesweit den Service ausrollen zu können.

ZDFheute: Sie betreiben die Plattform ehrenamtlich. Wie finanzieren Sie sich?

Gerster: Unsere Kernteam-Mitglieder arbeiten neben ihren eigentlichen Jobs an dem Projekt. Allerdings sind unter anderem die technischen Kosten gar nicht so gering. Wir haben Programmierer beauftragt, die wir bezahlen müssen. Da sind wir auf Spenden angewiesen.

Das Interview führte Lena Gauer.

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