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Corona-Prognose für den Sommer : Rasches Sinken der Inzidenz bald ausgebremst?

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Der Sommer kann gut werden - und das hängt vor allem davon ab, dass die Zahl der Neuinfektionen weiter sinkt. Experten zufolge ist es nicht gesagt, dass das weiter so schnell geht.

Menschen genießen das schöne Wetter am Ufer der Isar, aufgenommen am 27.06.2020 in München
Wie stark die Inzidenzen sinken, hängt vor allem vom R-Wert ab.
Quelle: dpa

Manche konnten es in den vergangenen Wochen gar nicht fassen, wie schnell die Corona-Inzidenz purzelte. Da waren wichtige Grenzwerte für Lockerungen so schnell unterschritten, dass hier und da zwei Öffnungsschritte auf einmal genommen werden konnten.

Reproduktionszahl maßgeblich

Dass das so ist, hat mit der Corona-Notbremse und weniger Kontakten zu tun. Und mit dem Impfen. Und auch mit höheren Temperaturen und frischer Luft, an der man im Sommer häufiger ist, und in der das Virus weniger übertragen wird. Und mit Mathematik.

Hier kommt es auf die sogenannte Reproduktionszahl an. Die gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt. Sobald der R-Wert über 1 liegt, ist das Wachstum nach dem einfachen Modell exponentiell. Hier gilt umgekehrt: Je höher der Wert ist, desto rascher breitet sich das Virus aus. Ein niedriger R-Wert über 1 würde also ein langsameres exponentielles Wachstum bedeuten.

Modellrechnungen nur in Theorie akkurat

Zuletzt waren die Inzidenzwerte vielerorts im Sinkflug. Doch wer sich Musterkurven für den Verlauf eines exponentiellen Abflauens anschaut, sieht auch, dass die Linien sich mit Verlauf der Zeit strecken.

Der Rückgang der Corona-Zahlen werde sich notgedrungen verlangsamen, selbst wenn es noch eine Weile bei exponentiell fallenden Zahlen bleibt, erklärt Jan Fuhrmann vom Forschungszentrum Jülich. "Ähnlich wie ein exponentieller Anstieg anfangs sehr langsam erscheint und sich dann immer weiter beschleunigt, beginnt ein exponentieller Abfall rasant und wird immer langsamer." Ein Beispiel: Bei konstantem R unter 1 gehe der Rückgang von einer 200er-Inzidenz auf 100 ähnlich schnell - oder langsam, je nach Sichtweise - wie von 40 auf 20.

Wachstum kann auch vom Zufall abhängen

Und die Bedingung, dass der R-Wert sich nicht ändert, macht schon deutlich: Das gilt in der Theorie. Aussagen über exponentielles Wachstum seien vor allem im Modell leicht zu machen, sagt André Scherag vom Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Datenwissenschaften des Universitätsklinikums Jena.

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Allerdings sei die Realität komplexer. So würden aktuell verschiedene Maßnahmen gelockert, Impfungen und durchgemachte Infektionen hätten Auswirkungen, und verschiedene Coronavirus-Varianten seien unterschiedlich ansteckend. Die Effekte überlagerten sich, und das einfache Modell greife nicht mehr.

Auch Statistik-Professor Helmut Küchenhoff von der Ludwig-Maximilians-Universität München betont, Modellrechnungen seien mit großen Unsicherheiten verbunden.

Verwirrend? "Das Problem ist, dass wir Menschen uns exponentielle Entwicklungen nur schwer vorstellen können", sagt Scherag.

Menschen neigen dazu, in linearen Zusammenhängen zu denken.
André Scherag, Universitätsklinikum Jena

Experte: Inzidenz wird sich auf niedrigem Niveau einpendeln

Für den Sommer rechnet Fuhrmann vom Forschungszentrum Jülich ähnlich wie im letzten Jahr mit einem mäßigen Infektionsgeschehen. Zwar seien die vorherrschenden Virusvarianten ansteckender, ein zunehmender Anteil potenziell infizierbarer Personen sei aber durch Impfung geschützt.

Dass der Abwärtstrend sich aber beschleunigt, glaubt er nicht. "Da mit einer vollständigen Ausrottung des Virus in absehbarer Zeit nicht zu rechnen ist, wird aber auch der exponentielle Trend selbst im günstigsten Fall früher oder später abbrechen, und die Inzidenz wird um ein niedriges Niveau schwanken."

Eine Mitarbeiterin in einem Dresdner Corona-Testzentrum begutachtet einen Schnelltest auf das Coronavirus.

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