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Corona-Krise auf den Balearen - Auf Mallorca steigen Armut und Not

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Die Balearen hatten im Dezember die höchsten Corona-Zahlen in Spanien. Die Pandemielage sei "sehr negativ" so eine Regierungssprecherin - mit schweren Folgen für die Bevölkerung.

Spanien - Palma De Mallorca - Restaurant
Ende Dezember wurden die Corona-Beschränkungen auf Mallorca noch einmal verschärft.
Quelle: epa

Vor der Kapuzinerkirche in der Altstadt von Palma de Mallorca bildet sich eine lange Schlange in der Hoffnung auf eine kostenlose Mahlzeit. An dieser Tafel und bei anderen Hilfsstationen der spanischen Urlaubsinsel wächst die Zahl der Bedürftigen - die soziale Not nimmt im Zuge der Corona-Krise stetig zu.

Ich habe weder Strom noch Wasser, und auch nichts zu essen,
Kellner Damian, derzeit ohne Arbeit

sagte der arbeitslose 53 Jahre alte Kellner Damian der Digital-Zeitung "Crónica Balear".

Bei den Essensausgaben mischen sich unter die Obdachlosen und Bewohner von Problemvierteln zunehmend Menschen, denen man die Armut zunächst nicht ansieht: junge Uniabsolventen, gut gekleidete Familien, Geschäftsinhaber.

Jeder vierte Baleare lebt in Armut

Viele der Wartenden waren im von Corona schwer erschütterten Gastgewerbe tätig und verloren ihren Job. Nach einer Studie der Universität der Balearen (UIB) über die Pandemieauswirkungen hat sich die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen in der Region in nur einem Jahr auf rund 34.000 verdoppelt.

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Als "nur" arm gelten nun 320.000. Das heißt: Mehr als jeder Vierte der 1,18 Millionen "Baleáricos" lebt am finanziellen und sozialen Limit, wie "Diario de Mallorca" berichtet. Auch die Zahl der Obdachlosen steige an: Viele Menschen übernachteten im Auto oder auf der Straße.

Der Winter verschärft die Lage zusätzlich

Als die UIB Ende November ihre Studie veröffentlichte, warnte die Leiterin des Sozialen Observatoriums der UIB, Maria Antònia Carbonero: Die soziale Not werde sich im Laufe des Winters noch verschärfen. Es gebe nicht genug Mittel, um allen Notleidenden zu helfen.

Die Hilfsorganisationen sind überfordert.
Maria Antònia Carbonero, Universität der Balearen

Seither stiegen auf den Inseln - trotz strenger Einschränkungen der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit und nächtlicher Ausgangssperre - die Corona-Zahlen massiv. Bis Montag waren die Balearen wochenlang das Epizentrum der Pandemie in Spanien.

Angst vor dem Aus für Tourismus auf Balearen

Auf Mallorca, wo die 14-Tage-Inzidenz nach jüngsten amtlichen Angaben bei 608 lag, geht die Angst um, auch vor einem Kollaps der immer voller werdenden Intensivstationen.

Wir erleben eine schreckliche Situation, die wir uns auch nicht in unseren schlimmsten Träumen hätten vorstellen können,
Regionalpräsidentin Francina Armengol

räumte Regionalpräsidentin Francina Armengol kürzlich ein. Wegen der extrem steigenden Zahlen wurden die Corona-Maßnahmen am 29. Dezember weiter verschärft: Bars und Restaurant müssen jetzt werktags vier Stunden früher - um 18 Uhr - schließen, der Ladenschluss wurde von 22 Uhr auf 20 Uhr weiter vorgezogen.

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Hotellerie und Gastronomie befürchten, dass ein längerer Lockdown für den für die Insel überlebenswichtigen Tourismus das endgültige Aus bedeuten könnte. 35 Prozent des Regionaleinkommens hängen vom Tourismus ab.

Sicherheitsfirmen profitieren von zunehmender Armutskriminalität

Im Zuge der wachsenden sozialen Not gebe es zunehmend kleinere Überfälle und Einbrüche, auch auf Privathäuser, berichten Medien schon seit Wochen. Die Zeitung "Última Hora" sprach von "verzweifelten Amateurtaten", die allem Anschein nach mit der Krise zu tun hätten.

Offizielle Zahlen bestätigen das zwar noch nicht. Trotzdem profitieren Sicherheitsfirmen bereits von den Berichten: Im Herbst hätten Firmen, die Alarmanlagen und andere Warnsysteme installieren, ein "rekordverdächtiges" Anfragevolumen registriert, berichtete das "Mallorca Magazin" unter Berufung auf den Maklerverband der Balearen (ABSI).

"Uns steht ein schrecklicher Winter mit vielen Einbrüchen bevor", zitierte das Blatt eine Bewohnerin aus Puig de Ros. Rentnerin Catalina, die jeden Tag mit Freundin Maria vor der Kapuzinerkirche Schlange steht, drückt sich deutlicher aus: "Die Menschen hier in den Schlangen werden immer mehr. Wenn das so weiter geht, gibt es hier Krieg."

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