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Faktencheck

Falschinformationen im Netz - Warum mRNA-Impfstoffe nicht "toxisch" sind

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Ein kanadischer Immunologe glaubt, mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 seien hochgefährlich. Seine Thesen verbreiten sich schnell im Internet, sind aber trotzdem weitestgehend falsch.

Impfdose der Moderna-Schutzimpfung gegen Covid-19
Der mRNA-Impfstoff von Moderna.
Quelle: dpa

Die Corona-Pandemie schwächt sich - zumindest in Deutschland und Europa - langsam ab. Die Infektionszahlen sinken und auch die Intensivstationen vermelden eine deutliche Entlastung. Was sich aber weiter gut verbreiten lässt, sind falsche Tatsachen und Verschwörungstheorien rund um Covid-19 und ganz besonders die Impfstoffe, die maßgeblich dazu führen, dass wir langsam aber sicher wieder ein Stück Normalität erleben.

Falschinformationen zu mRNA-Impfungen

Was sich aktuell schnell verbreitet, sind Aussagen des kanadischen Virus-Immunologen Dr. Byram Bridle, der eine Professur der Universität von Guelph in Ontario hält. Bridle hat in verschiedenen Radio-Interviews gewarnt, dass Impfungen mit mRNA-Impfstoffen wie dem von Biontech/Pfizer oder Moderna "große Fehler" seien, da die darin verwendeten Spike-Proteine schädlich für den Körper seien:

Wir dachten, das Spike-Protein sei ein großartiges Ziel-Antigen, wir wussten nicht, dass das Spike-Protein selbst ein Toxin ist und ein pathogenes Protein darstellt.
Byram Bridle

Die schweren Folgen der Impfung seien laut Bridle Gerinnungsstörungen, Herzprobleme, neurologische Schäden im Gehirn und Unfruchtbarkeit. Beleg für diese Annahmen nennt er nicht. Außerdem könnten die gefährlichen Proteine auch über Muttermilch weiter an Säuglinge gegeben werden und durch Blut- und Plasmatransfusionen von geimpften Blutspendern bei ungeimpften Empfängern für Krankheiten sorgen. Zu diesen Punkten gibt es zahlreiche Untersuchungen, die Bridles Aussagen widersprechen.

Diese These wurde, oft in Verbindung mit Verschwörungstheorien, auch in den Kommentaren von Nutzerinnen und Nutzern auf Social-Media-Seiten von ZDFheute verbreitet. Ein Grund mehr für einen Faktencheck:

Nein, die Spike-Proteine lagern sich nicht im ganzen Körper an

Bridle behauptet, er habe sich den Zugang zu einer sogenannten Biodistributionsstudie bei der japanische Regierung erkämpft und diese sei die erste Studie dieser Art, die veröffentlicht worden sei. Darin zeige sich die Verteilung der mRNA-Impfstoffe im Körper nach der Impfung. Es lagere sich in der Milz, in der Leber, im Knochenmark und in den Nebennieren an. Ein Bild der entsprechenden Tabelle wird häufig geteilt.

Was Bridle dabei verschweigt:

  1. Es handelt sich bei den japanischen Daten keineswegs um neue Erkenntnisse: Die Studie ist seit Monaten online verfügbar und wurde auch bei der Prüfung des Biontech-Impfstoffes durch die Europäischen Arzneimittelagentur EMA berücksichtigt (S.48-50).
  2. Es handelte sich dabei um einen Tierversuch: Ratten wurden mit einer viel höheren Dosis mRNA behandelt, als sie im Impfstoff verwendet wird. In Zahlen waren es 1mg RNA pro Kilogramm der Ratte gegenüber 30µg (Mikrogramm) RNA pro Impfdosis.
  3. Es gibt keine von Experten begutachteten Veröffentlichungen (und auch keine Pre-Prints o.Ä.), die Bridles Behauptungen stützen.

Es besteht kein Risiko für Säuglinge durch die Muttermilch von Geimpften

Es gibt mehrere Studien, die zeigen, dass die mRNA der Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna nicht über die Muttermilch an Säuglinge weitergegeben werden. Dazu wurden Muttermilchproben zwischen vier und 48 Stunden nach der Impfung analysiert. Beide Studien sind bisher als sogenannte pre-prints erschienen, werden also noch von anderen Wissenschaftlern geprüft.

Was aber weitergegeben wird, sind die vom Körper selbst produzierten Antikörper, die Säuglinge vor einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus schützen können. Die Academy of Breastfeeding Medicine rät daraus folgend dazu, nach der Corona-Impfung ohne Unterbrechung weiter zu stillen.

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Keine Hinweise darauf, dass die Impfstoffe die Fruchtbarkeit beeinträchtigen

Auch zur Fruchtbarkeit nach Impfungen mit mRNA-Vakzinen gibt es mehrere Untersuchungen:

Tatsächlich wurden mehrere Teilnehmerinnen während der Studie zur Wirksamkeit des Impfstoffs von Biontech/Pfizer schwanger. Der einzige negative Verlauf einer Schwangerschaft passierte aber in der nicht geimpften Placebo-Gruppe.

Wie mRNA-Impfstoffe funktionieren und was nach der Impfung im Körper passiert, zeigt unsere interaktive Story:

Ein 3D-Modell eines Virus.

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Hier klicken, um die Story zu starten.

Auch Bluttransfusionen stellen kein Risiko dar

"Gegen Sars-CoV-2 geimpfte Personen können weiterhin bedenkenlos Vollblut, Plasma und Thrombozyten spenden, sofern sie die geltenden Zulassungskriterien erfüllen", erklärt der Sprecher des Blutspendedienstes des Roten Kreuzes, Patric Nohe, gegenüber ZDFheute. Der Erhalt von Blutpräparaten einer gegen Sars-CoV-2 geimpften Person sei laut Paul-Ehrlich-Institut unbedenklich.

Demnach habe die Impfung des Spenders keinerlei Auswirkung auf den Transfusionsempfänger. Verimpfte oder in Folge einer Sars-CoV-2-Impfung gebildete Spike-Proteine könnten höchstens kurzfristig, jedoch nur in geringer und für den Organismus eines Transfusionsempfängers nicht wirksamen Menge, vorhanden sein.

Man nehme die Sorgen und Ängste der Spender aber sehr ernst, so Nohe. Auch beim Blutspendedienst kämen einige Mails mit Fragen und Theorien an. Gerade mit dem anstehenden Weltblutspendetag kommenden Montag sei es sehr wichitg, Falschinformationen zu widersprechen und über die Wirkung der Impfungen aufzuklären.

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