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Die Angst vor der Wut der Mitmenschen

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Stigma Corona - Die Angst vor der Wut der Mitmenschen

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Sie haben Corona überlebt und dennoch ist die Freude getrübt: Die Beschimpfungen auf offener Straße, Hassmails und Nachbarn, die auf Distanz gingen, sind nicht vergessen.

Archiv: Eine junge Frau trägt einen Nasen-Mund-Schutz bei der Fahrt in einem Bus am 27.04.2020 in Berlin
Quelle: dpa

Sie gehören zu den ersten Covid-19-Infizierten in Berlin, spenden mittlerweile Blut, in dem sich Antikörper befinden. Ärzte sind der Meinung, dass Sie gesund sind und das Virus nicht mehr weitergeben können. Doch statt Interesse am Krankheitsverlauf, schlägt ihnen Wut entgegen.

"Wir werden behandelt wie Aussätzige".
Corona-Genesene

Das erzählt eine Berlinerin, die nicht namentlich genannt werden will, tief betroffen. Sie ist Anfang 40 und weiß nicht, wo sie sich angesteckt hat. Ihr Mann ist international unterwegs. Auch er war krank, wie auch ihre drei Kinder. Zum Zeitpunkt ihrer Infektion, im März, gab es in Berlin gerade mal 48 bekannte Fälle. Die Familie handelte genau nach den Vorgaben des Gesundheitsamtes. Informierte alle Kontaktpersonen, das persönliche Umfeld aber: Ihnen schlug dennoch Wut entgegen.

Eine Frau steht mit dem Rücken zur Kamera
Corona-Erkrankte leiden unter Ausgrenzung
Quelle: ZDF

 Vorwürfe über Vorwürfe

"Wegen Dir werden wir jetzt alle krank", lauteten die Vorwürfe. Ähnliche Mails landeten in ihrem Postfach. Anrufe erreichten die Familie, die nicht besorgt, sondern vorwurfsvoll klangen. Immer wieder die Frage: Wie konntet ihr nur krank werden?  Sie feiern keine Partys, waren nie Skilaufen, wollen eigentlich niemandem mehr sagen, dass sie "es" hatten.

"Mittlerweile habe ich mehr Angst vor den Reaktionen meiner Mitmenschen als vor dem Virus".
Corona-Betroffene

Von Solidarität, Mitgefühl oder Menschlichkeit ist bei den meisten Mitmenschen nichts zu spüren - so erleben die Berliner ihre Situation. Vor allem die Kinder bekommen die Distanz zu spüren, seitdem sie wieder in die Schule gehen. Sie werden kritisch beobachtet, ob sie auch Abstandsregeln einhalten. Beide Eltern tragen – obwohl sie genesen sind – ein Vollschutzvisier vor dem Gesicht. Sie wollen allen ausdrücklich demonstrieren, dass sie vorsichtig sind.

"Sie haben uns die Seuche gebracht, Sie Hexe."
Musste sich die FDP-Politikerin Karoline Preisler anhören

Es hat Karoline Preisler sehr verletzt, als sie nach überstandener Krankheit zum ersten Mal einkaufen war und eine Frau sie als "Hexe" bezeichnete. Sie hätte die Seuche in die Kleinstadt an der Ostsee gebracht, lautete der Vorwurf. Angesteckt hatte sich die Anfang-40-Jährige bei ihrem Mann, der zuvor in Österreich Skifahren war. Das Virus quälte sie zwei Wochen lang. Sie lag auf einer Isolierstation, war eine der ersten Corona-Patienten. Die FDP-Politikerin wollte aufklären. Stellte ihre Krankengeschichte täglich ins Netz.

Wieder gesundete Covid-19-Patienten werden gemieden und ausgegrenzt. Die Menschen haben Angst, sich bei ihnen anzustecken.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Krankheit überstanden - seelische Verletzung bleibt

Das ist zwölf Wochen her aber: "Corona begleitet mich noch immer," sagt sie betrübt. "Die Krankheit habe ich überstanden. Ich bin gesund. Aber wie andere Menschen auf mich zugehen, verletzt mich." Hetze im Netz kennt die aktive Liberale von Wahlkämpfen aber die aktuellen Angriffe beängstigen sie dennoch. "Versuchter Totschlag, schwere Körperverletzung" wird ihr vorgeworfen. Manch einer habe ihr schon vorgeschlagen beim "Klamottenpacken zu helfen".

Karoline Preisler will und kann sich in ihrer Kleinstadt nicht verstecken. Sie hat sich vom Gesundheitsamt ein offizielles Dokument organisiert. Das zeigt sie besorgten Mitbürgern, die sie auf ihre Corona-Infektion ansprechen. Darauf steht schwarz auf weiß, dass sie gesund ist.

eine undatierte elektronenmikroskopische aufnahme des «u.s. national institute of health» zeigt das neuartige coronavirus

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