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Stress durch Corona vermeiden - "Perspektive wechseln und achtsam bleiben"

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Stressig - so empfinden viele Deutsche ihren Alltag. Corona-Pandemie und Weihnachtsfest werden als zusätzliche Stress-Faktoren wahrgenommen. Ein Forscher weiß Rat.

Ein Ehepaar beschenkt sich an Heiligabend mIt Mund-Nasen-Masken
Das perfekte Geschenk für die Liebsten finden, für viele ein Stressfaktor.
Quelle: Imago

Die Corona-Pandemie mischt die Karten des Alltagslebens neu und so bekommt Stress eine ganz andere Bedeutung: Er kann zunehmend krank machen. Und mit Weihnachten kommt ein weiterer "Stress-Auslöser" für viele Menschen dazu. Stressforscher Markus Heinrichs von der Universität Freiburg erklärt, ob und wie die Faktoren zusammenspielen.

ZDFheute: Warum ist die Corona ein zusätzlicher Stressfaktor in unserem Leben?

Markus Heinrichs: Das lässt sich so genau nicht sagen. Es scheint die allgemeine Wahrnehmung, dass die Corona-Pandemie die Menschen depressiv und behandlungsbedürftig macht. Das halte ich für gefährlich und überzogen.

ZDFheute: Weshalb ist es aus wissenschaftlicher Sicht eine überzogene Wahrnehmung?

Heinrichs: Es würde im Umkehrschluss bedeuten, dass die Politiker durch ihre Auflagen, die uns schützen sollen, uns dadurch psychisch krank machen. Das ist sicher nicht der Fall.

2019 wurden knapp 30 Millionen Tannenbäume verkauft, und in diesem Jahr könnten es sogar noch mehr werden. Denn gerade in diesen trüben Zeiten hellt der festliche Lichter-Glanz die Stimmung auf. Doch wie sieht sie aus – die ultimative Weihnachtstanne?

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ZDFheute: Wie erklärt sich die Zunahme psychischer und physischer Erkrankungen in den vergangenen Monaten?

Heinrichs: Es gibt Personengruppen, die einfach stärker gefährdet sind. Ich sehe das bei unseren Patienten in Freiburg. Personen, die vor der Pandemie eine Angststörung hatten, unter Depressionen und Einsamkeit gelitten haben, haben natürlich durch diese Distanzregeln häufig ein erhöhtes Risiko, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert.

Oder Menschen, die vorher am Limit waren, aber gerade noch an einer psychischen Erkrankung vorbeischrammten, können plötzlich Symptome entwickeln, hilfsbedürftig werden und eine Therapie benötigen. Es gilt einfach die Achtsamkeit für den Einzelfall zu wahren.

ein mann geht vor einem wald spazieren, waehrend die mittagssonne bei nebel durch die baeume scheint.

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ZDFheute: Gibt es Möglichkeiten, sich vor stressbedingten Erkrankungen zu schützen? Vor allem in Krisenzeiten?

Heinrichs: Man muss auch immer an die protektiven, an die positiven Schutzfaktoren denken. Auf die Ressourcen, die uns in schwierigen Zeiten gesund halten, achten. Und die mächtigste Stressschutzquelle, die wir in der Forschung kennen, ist tatsächlich - was vielleicht nicht alle wissen - soziale Unterstützung und funktionierende soziale Netzwerke.

Wenn das wegbricht, ist das bewiesenermaßen als Risikofaktor sogar ein bisschen gefährlicher für unsere Gesundheit als das Rauchen. Und ausgerechnet dieser große und messbare Schutzfaktor auf Stresshormone, auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist jetzt nicht komplett genommen, aber deutlich eingeschränkt.

Stress durch Corona und Weihnachten vermeiden...

ZDFheute: Das ist jedoch nicht einfach in Zeiten von Shutdowns und Kontaktbeschränkungen?

Heinrichs: Hier spielt mit rein, wie man vor der Pandemie aufgestellt war. Wenn ich vor der Pandemie zurückgezogen oder subjektiv einsam gelebt habe, hatte aber durch den Arbeitsplatz gerade noch genug sozialen Kontakt, dann kann es sein, dass ich im Homeoffice sitze und gar keine soziale Integration mehr erlebe. Das ist in der Tat unmittelbar bedrohlich für viele. Das kann im Einzelfall auch krank machen.

ZDFheute: Wäre es - trotz Kontaktbeschränkungen - hilfreich, in meinem Umfeld aktiv zu werden?

Heinrichs: Ja. Wenn es mir gut geht, da ich immer noch ein Familienleben, Freunde und einen Austausch am Arbeitsplatz habe, dann heißt es nicht, dass es meinem Nachbarn, der alleine lebt und im Ruhestand ist, dem das Schwätzchen auf der Straße oder im Supermarkt fehlt, genauso gut geht. Dieser Perspektivenwechsel, diese Achtsamkeit für die anderen, wäre das Gebot der Stunde. Hier ist angesichts der pandemierelevanten Auflagen Kreativität für neue Formen des Kontakts gefragt.

ZDFheute: Was bedeutet das konkret?

Heinrichs: Wie kann ich soziale Kontakte leben, ohne, dass man sich umarmt. Natürlich verändert der Umstand, dass wir nur ausgewählte Menschen treffen dürfen, uns nicht umarmen können und Maske tragen auch unsere Belastbarkeit. Wir vermissen das. Aber das alleine macht uns eben noch nicht krank.

Auf dem Bild sieht man eine Christbaumkugel in Nahaufnahme, die an einem Weihnachtsbaum hängt. Es zeigt das Gesicht eines Weihnachtsmannes, der über seinem Mund und Bart eine Gesichtsmaske trägt.

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ZDFheute: Der eine zusätzliche Stressfaktor ist die Sondersituation durch Corona. Nun mussten wir auch die Hoffnung auf ein Weihnachtsfest im Kreis der ganzen Familie aufgeben. Verdoppelt sich durch Corona unser Weihnachtsstress?

Heinrichs: Die romantische Überhöhung dieses Festes und wie dieser eine Tag genau zu laufen hat, barg schon immer die Gefahr der Überforderung. Im Einzelfall wird es bestimmt so sein, dass sich dieser Stress nochmal erhöht. Aber generell würde ich sagen: Der Kreis, mit dem man feiert, wird kleiner; man muss akzeptieren, dass dieses Weihnachtsfest ein besonderes sein wird. Ansonsten gilt: Das Fest wird für die meisten nicht anstrengender als in den Jahren zuvor. (lacht)

Das Interview führte Florence-Anne Kälble.

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