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Neue Studie zur Corona-Pandemie - Wie hoch die Übersterblichkeit bei uns ist

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Ein deutsch-israelisches Forscherteam hat den nach eigenen Angaben größten Datensatz von Sterbedaten ausgewertet. Was er über die Pandemie aussagt - und was nicht.

Eine Pflegekraft am 22.01.2021 in der Intensivstation der Universitätsmedizin Rostock
Pflegekraft auf einer Intensivstation: In Deutschland ist die Übersterblichkeit geringer als in vielen Nachbarländern, sagt eine neue Studie.
Quelle: dpa

Wie viele Menschenleben hat die Corona-Pandemie in den unterschiedlichen Ländern der Welt gefordert? Wie glaubwürdig sind die offiziellen Todeszahlen? Auf diese Fragen will eine neue Studie Antworten geben.

Ein Forscherteam von der Universität Tübingen und der Hebräischen Universität Jerusalem hat die Sterbedaten während der Corona-Pandemie von 103 Ländern aufbereitet und damit nach Angaben der Universität Tübingen die aktuell größte Sammlung weltweiter Sterbedaten aufgebaut.

Übersterblichkeit im Vergleich zu Nachbarländern geringer

In Deutschland gab es während der Pandemie bisher eine Übersterblichkeit (also die Zahl der Toten über die gewöhnlich zu erwartende Sterblichkeit hinaus) von 40.000. "Das sind viel weniger als die 90.000 offiziell gemeldeten Toten durch Covid-19" seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020, sagte der Wissenschaftler Dmitry Kobak von der Universität Tübingen. Damit hat Deutschland auch eine deutlich geringere Übersterblichkeit als seine Nachbarländer.

In stark von der Pandemie betroffenen Ländern wie Peru, Ecuador oder Bolivien gab es eine dramatische Übersterblichkeit von teilweise über 50 Prozent. In Ländern wie Australien oder Neuseeland gab es dagegen sogar eine Untersterblichkeit.

In einigen Ländern wie Russland, Nicaragua oder Usbekistan fallen die offiziellen Corona-Todeszahlen viel zu niedrig aus - im Extremfall Tadschikistan ist die Zahl der Toten laut Studie einhundert mal höher als von den Behörden angegeben.*

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Doch die Gründe für eine Übersterblichkeit oder eine Untersterblichkeit sind vielfältig - es gibt neben den direkten Auswirkungen von Covid-Erkrankungen diverse Faktoren, die die Sterberate erhöhen oder verringern.

3.000 mehr Tote 2020 - allein durch Schaltjahr

Schon die Tatsache, dass 2020 ein Schaltjahr war, lässt allein in Deutschland schon etwa 3.000 mehr Sterbefälle in der Statistik erscheinen, sagt das Statistische Bundesamt (Destatis). Auch die "Verschiebungen in der Altersstruktur der Bevölkerung" spiele eine Rolle.

Insgesamt wäre demnach "ein Anstieg der Sterbefälle um etwa ein bis zwei Prozent für das Jahr 2020 zu erwarten gewesen", so das Destatis. Tatsächlich gab es 2020 insgesamt jedoch etwa fünf Prozent mehr Sterbefälle als 2019.

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AHA-Regeln verhindern auch Grippe-Tote

Die Forscher gehen davon aus, dass Abstands- und Hygieneregeln die Todesfälle durch andere Infektionskrankheiten, wie etwa Grippe, reduzierte. Auch für Deutschland nehmen sie an, dass in den Wintermonaten vergleichsweise wenig Menschen an herkömmlichen Atemwegserkrankungen gestorben sind.

Auch andere Faktoren lassen die Sterberate sinken: Weil 2020 infolge von Lockdowns oder Homeoffice-Regelungen beispielsweise weniger Autos auf den Straßen unterwegs waren, sank auch die Zahl der Verkehrstoten auf ein Rekord-Tief.

Insgesamt habe Deutschland mit rund 50 zusätzlichen Toten pro 100.000 Einwohnern in der Pandemie eine viel geringere Übersterblichkeit erfahren als umliegende europäische Länder (Niederlande: 110; Belgien: 140; Frankreich: 110; Schweiz: 100; Österreich: 110, Tschechien: 320; Polen: 310) - ausgenommen Dänemark, das keine Übersterblichkeit verzeichnet habe.

Nach Angaben des Mitautors Dmitry Kobak von der Universität Tübingen, liefert die Studie kein Endergebnis. "Dieses kann es erst nach dem Ende der Pandemie geben, weil die Daten ständig weiter einlaufen und sich bis beispielsweise Oktober noch etwas verändern kann."

*Anmerkung der Redaktion, 6. August 2021, 15:25 Uhr: In einer ursprünglichen Version des Textes hieß es, die offiziellen Todeszahlen von Tadschikistan müssten "eigentlich doppelt so hoch sein". Tatsächlich müssten sie - laut der zitierten Studie - etwa einhundert mal höher sein ("two orders of magnitude"). Wir haben den Fehler korrigiert.

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