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Studierende in der Krise : Wieder zuhause: Shutdown statt Studi-Leben

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Kinderzimmer statt Hörsaal, Couch statt Kneipentour: Viele Studierende ziehen wieder ins Elternhaus. Stillstand in einer Phase des Vorankommens.

Schreibtisch mit Laptops und Dokumenten
Uni online: Studierende kommen zurzeit wenig oder sogar gar nicht mit ihren Kommiliton*innen zusammen.
Quelle: dpa

Studentenleben - wer das Wort hört, denkt wohl an erste eigene Wohnung, Partys, neue Leute, neues Leben. Wenn Olivia auf das erste Semester ihres Lehramt-Studiums zurückblickt, sagt sie: "Ich habe das Gefühl, es geht nicht weiter". Das Corona-Jahr fühle sich an wie zwei Monate, so wenig sei passiert.

"Vieles, von dem, was ich mir vorgenommen hatte, hat einfach nicht geklappt." Sie wollte eigentlich von Zuhause ausziehen, mit ihrem Freund zusammen eine Wohnung suchen. Wegen Corona liegt das erstmal auf Eis - zu unsicher die Situation, und der Job in einem Modegeschäft bringt gerade auch nichts ein.

Ähnlich geht es Mona - sie wollte eigentlich für die letzten Semester ihres Studiums nach München ziehen, nochmal das Studentenleben genießen, einen Werkstudentenjob machen. "Jetzt ist einfach alles anders gekommen", sagt sie. Auch sie wohnt wieder bei den Eltern - wenigstens fallen die anderthalb Stunden pendeln in die Stadt weg, alle Vorlesungen sind online.

20 Prozent wohnen in der Pandemie zuhause

Nach aktuellen Umfragen bleiben momentan zehn Prozent der Studierenden wegen der Corona-Pandemie zuhause wohnen, weitere zehn Prozent ziehen wieder zurück ins Elternhaus, berichtet Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. Die Pandemie treffe die jungen Erwachsenen hart in einer Phase der Verselbständigung, in der man sich eigentlich ausprobieren möchte. Das sei schwierig, wenn man nur vor dem Bildschirm sitzt.

Das Studium ist eine Übergansphase, es geht nicht nur um fachliche Inhalte und Wissenschaft, sondern auch um Persönlichkeitsentwicklung.
Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekr. Deutsches Studentenwerk

Ersti-Woche mit Online-Spielen

Olivia hat sich das Studieren ganz anders vorgestellt: "Viel vielfältiger - aber es ist eher eintönig zurzeit." Durch ihr Kunststudium hatte sie noch ein paar Präsenzveranstaltungen: bis zu 15 Leute und Sicherheitsabstand, doch so konnte sie wenigstens ein paar Kommiliton*innen kennenlernen. "Aber sonst sehe ich die Leute nur online und das ist einfach unpersönlich."

Auch ihre Ersti-Woche sei online abgelaufen - abends habe man sich dann zu Onlinespielen verabredet. "Die Uni gibt sich wirklich Mühe, aber es ist einfach nicht dasselbe."

Tabea Scheel ist Arbeits- und Organisationspsychologin an der Uni Flensburg. Sie beobachtet: "Durch die Corona-Pandemie entsteht bei den Studierenden weniger ein Zugehörigkeitsgefühl, es entsteht eine soziale Lücke."

Im Prinzip sei es gut, wenn diese erstmal durch die Familie und die Eltern gefüllt werde - aber nicht immer laufe das altersgerecht ab. "Ich sehe in meinen Onlinevorlesungen die Studierenden oft im Kinderzimmer und dann bekommen sie noch einen Tee reingebracht", erzählt sie. Für viele könnte so die Pandemie ein Zurückfallen in alte Rollenmuster bedeuten.

Erwachsen werden, nur anders

Am Anfang der Pandemie habe vor allem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Fokus gestanden, weniger die jungen Erwachsenen, sagt Anne Berngruber vom Deutschen Jugendinstitut. "Aber es ist wichtig auf diese Gruppe zu gucken, sie sind in einer spezifischen Lebensphase, in der eigentlich viele erste Schritte erfolgen."

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Trotzdem halte sie nichts von einem Krisenszenario, dass eine ganze Generation jetzt später erwachsen werden würde. "Erwachsen werden wird oft an Markern festgemacht - ausziehen, studieren, erwerbstätig werden, mit dem Partner zusammenziehen, Heirat, Kinder", sagt Berngruber.

Wenn man Erwachsensein daran festmache, dann sei das bestimmt häufig durch die Pandemie verzögert. "Vielleicht bröckelt auch das Verständnis eines Normallebenslaufs und es gibt mehr Toleranz für Schleifen, weg vom Getakteten", sagt sie.

Wie das die heutige Generation betrifft, wird sich noch herausstellen - aber es kann auch viel Kreativität entstehen, und andere Wege, sich auszuprobieren.
Anne Berngruber, Deutsches Jugendinstitut

Studentin Mona, die nicht das Studentenleben in München genießen kann, hat durch die viele Zeit neue Ideen entwickelt. "Ich möchte ein Gewerbe anmelden und einen Haustierservice machen", erzählt sie. Nur noch die Bachelorarbeit fehlt ihr für den Abschluss in Tourismus und Wirtschaftswissenschaften. "Natürlich ist es nicht die beste Zeit, um in den Beruf einzusteigen - aber ich denke, ich werde mich selbstständig machen und da findet sich schon eine Möglichkeit."

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf Universitäten und Studierende. Ein leerer Hörsaal (Symboldbild).

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