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Corona-Vergleich zu Südkorea - Pandemie oder Shutdown, was beenden wir?

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Der Sieben-Tage-Inzidenzwert in Südkorea war nie höher als 15. Dennoch gilt dort Vorsicht. In Südkorea bemüht man sich, die Pandemie zu beenden, in Deutschland eher den Shutdown.

Drei Frauen posieren mit Mundschutz für ein Foto.
Trotz sehr moderater Corona-Zahlen bleiben die Südkoreaner vorsichtig.
Quelle: reuters

Mit 52 Millionen hat Südkorea etwa 60 Prozent der Einwohnerzahl Deutschlands. Obwohl sich dort das Coronavirus früher als in Deutschland verbreitete, gibt es bisher nur ca. 103.000 Infektionsfälle. In den letzten 14 Monaten starben insgesamt etwa 1.700 Menschen an Covid-19. So viele Menschen sterben in Deutschland in zehn Tagen.

Engmaschige Testungen und Kontaktdatennutzung

Die Behörden in Südkorea können die allermeisten Infektionsketten nachvollziehen, indem sie Handy- und Banknutzungsdaten auswerten. Die Kontaktpersonen werden dann vorsorglich getestet und in Quarantäne geschickt. Diese Strategie hat ihre Kehrseite.

Weil die Infektionen so rar sind, sind die Menschen den einzelnen Infektionsereignissen leicht zuzuordnen: Als im Mai letztes Jahr eine Masseninfektion auf der schwulen Partymeile in Seoul ausbrach, wurden viele Menschen gegen ihren Willen geoutet. Seitdem wird sich mehr um Anonymisierung bemüht.

Aktuell steigen die Zahlen wieder leicht, aber nach einem fünf-stufigen Maßnahmenplan findet in Südkorea mehr öffentliches Leben als in Deutschland statt. Schulen und Kinos sind offen, Essen im Restaurant geht unter bestimmten Bedingungen auch. Deswegen ist noch keine Frustration über die träge Impfkampagne spürbar.

Während der Pandemie sank das BIP von Südkorea weniger als der OECD-Durchschnitt. Ausländische Studierende und Forscher reisen nach Südkorea, auch aus Deutschland und den USA, weil sie dort die bessere Perspektive sehen.

Deutschland bei Daten-Tracking zögerlich

Aus Datenschutzgründen entschied sich Deutschland für einen anderen Weg statt Tracking, nämlich den des Shutdowns. Verwunderlich ist es nur, wie viele Menschen bedenkenlos Payback-Karte, Google-Maps oder Fitnessuhren benutzen. Zudem zögern die politischen Entscheidungsträger in den harten Lockdown zu gehen und die Bürger mitzunehmen, während die Fachexperten immer noch Überzeugungsarbeit leisten müssen. Das ist absurd.

Jedem Land passt eine Strategie besser als die andere. Klar liegt Deutschland mitten in einem Kontinent offener Grenzen. Und niemand sollte gegen seinen Willen geoutet werden. Aber die eigentliche politische und intellektuelle Leistung besteht darin, auch aus den Fehlern zu lernen, statt ausschließlich nach Gründen zu suchen, warum etwas hierzulande auf keinen Fall funktioniert. So verpassen wir als Gesellschaft die Chance, das Virus in den Griff zu bekommen - wie wir es mit den No- oder Zero-Covid-Strategien bereits gemacht haben.

In Sachen Pandemiebekämpfung hat die südkoreanische Regierung den Experten des KDCA, dem Pendant des Robert-Koch-Instituts (RKI), die Bühne überlassen. Dieses hält täglich eine Pressekonferenz ab. Präsident Moon Jae-in gewährte der Chefin des KDCA für die Impfkampagne sogar die volle Macht über alle Ministerien. Um Skeptiker zu überzeugen, ließ er sich mit Astrazeneca impfen.

Deutsche Politiker verspielen Vertrauen

Wenn Frau Merkel und Herr Laschet nach einem Jahr der Pandemie vorgeben, zunächst nachdenken zu müssen, wenn Herr Spahn sich in leeren Wortphrasen verliert, wenn einzelne Länder trotz der steigenden Infektionszahlen bequem auf die weitere Opferbereitschaft des medizinischen Fachpersonals zählen und alles wieder öffnen wollen, wird klar: sie wollen nicht die Pandemie, sondern nur den Shutdown beenden, sogar gegen den Willen der Bürger.

Laut ZDF-Politbarometer gab es nie eine Mehrheit für Lockerungen. Die Lobbyarbeit der Wirtschaft habe sich durchgesetzt. Eine gefährliche Kurzsicht, die am Ende der Wirtschaft schweren Schaden zufügen wird.

Archiv: Google Maps auf einem Smartphone in Seoul, Südkorea.

Handytracking gegen Corona - Südkorea als Vorbild 

Südkorea hat mit Massentests, Isolierung von Erkrankten und Tracking von Handydaten die Corona-Ausbreitung stark verlangsamt - ohne dass das öffentliche Leben zum Erliegen kam.

Der zeitweise niedrige Inzidenzwert im letzten Sommer war etwas, auf das wir alle gemeinsam zugearbeitet haben. Auch im Superwahljahr 2021 sollte die Errungenschaft und die Opferbereitschaft aller Bürger kein politischer Spielball werden, vor allem wenn dadurch die Beendigung der Pandemie aussichtslos wird.

Mit den voreiligen Lockerungen verspielen die deutschen Politiker nicht nur das Vertrauen und die Bereitwilligkeit der Bürger, sondern auch deren Lebenschancen. An die rund 200 Todesfälle am Tag hat man sich mittlerweile gewöhnt. Das sollten wir aber nicht, denn es geht um Menschenleben.

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