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Direktor der Uni-Klinik Jena - "Sind noch nicht in echter Triage-Situation"

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Die Corona-Entwicklung bringt immer mehr Kliniken an ihre Belastungsgrenze. In der Uniklinik Jena seien keine Intensivbetten mehr frei, sagt Klinikdirektor Bauer bei ZDFheute live.

Professor Michael Bauer von dem Universitätsklinikum in Jena bei ZDFheute live.

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17 min
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Die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland steigt weiter rapide an - am Montag hat die Sieben-Tage-Inzidenz erstmals die 300er-Marke überschritten. Wo die Zahlen besonders hoch sind, kämpfen auch die Krankenhäuser gegen die Pandemie.

Besonders in Thüringen ist die Lage angespannt - in sechs Landkreisen sind die Intensivkapazitäten komplett ausgeschöpft, in drei weiteren Landkreisen sind nur noch wenige Intensivbetten verfügbar. Erste Patienten müssten in umliegende Bundesländer geflogen werden, berichtet Professor Michael Bauer vom Universitätsklinikum in Jena. Droht der Kollaps? Bei ZDFheute live erklärt Bauer,

… warum wir trotz Impfungen mehr Corona-Fälle als 2020 haben?

"Wir haben vorheriges Jahr um die gleiche Zeit viel weniger Kontakte gehabt, als wir es dieses Jahr haben. Wenn Sie sich jetzt in eine Bahn setzen - diese vollen Züge gab es vorheriges Jahr um diese Zeit nicht."

Dass man wieder in Restaurants zusammensitze und auch sonst bei sozialen Kontakten "wieder normal unterwegs ist", sei den Corona-Impfungen zu verdanken. Das sollte man nicht kleinreden, so Bauer. "Und Sie sehen es ja auch, wenn Sie die individuelle Korrelation zwischen Impfquote und Belegung der Intensivstationen innerhalb deutscher Bundesländer vergleichen, dann ist der Zusammenhang eindeutig."

… ob bald nur noch Patienten mit größeren Genesungschancen behandelt werden können?

"In einer echten Triage-Situation sind wir nicht", sagt Bauer. "Ich befürchte allerdings, dass ich das mit meiner 30-jährigen Berufserfahrung in der Intensivmedizin zum ersten Mal erleben könnte. Es ist aktuell so, dass wir in der Intensivmedizin in einer exponentiellen Wachstumsfunktion bei den belegten Betten sind.

Wir nehmen jeden Tag in Thüringen in der Größenordnung zwischen sechs und zehn Patienten auf, und die Verweildauer ist zwischen zwei und drei Wochen. Dann muss man einfach extrapolieren und man sieht einfach auch, was wir in den letzten Tagen gesehen haben. Die Wachstumsfunktion ist bedrohlich. Wir haben aktuell ein Drittel aller Intensivbetten in Thüringen, die wir betreiben können, mit Covid-Patienten belegt. Das heißt aber auch, es gibt Regionen, wo 70 bis 80 Prozent der Patienten auf der Intensivstation Corona-Patienten sind." 

… ob England - mit höheren Inzidenzen - mit Triage-Situationen zu kämpfen hat?

"Patienten kommen in England überhaupt nicht in Altersklassen, in denen bei uns noch eine Intensivbehandlung selbstverständlich erfolgt, auf eine Intensivstation." Die Wartezeiten auf eine Operation würden dort immer länger. Und in London könne es passieren, das man mehr als zwölf Stunden im Rettungswagen warten müsse, bevor man in ein Krankenhaus komme, sagt Bauer.

"Zu glauben, dass in England, wo es Altersgrenzen gibt, wann noch eine Dialyse-Behandlung begonnen wird etc., nicht triagiert wird, ist einfach Unwissenheit oder mangelnde Kommunikation." In Deutschland könne jeder, auch in höherem Alter, mit einer maximalen Therapie rechnen. In England "ist die Triage ein täglicher Standard".

Sehen Sie oben das ganze Interview mit Professor Michael Bauer und hier die Sendung ZDFheute live in voller Länge:

Was, wenn kein Intensivbett mehr frei ist? ZDFheute Live spricht mit zwei Ärzten und dem pflegerischen Leiter einer Notaufnahme. Sie berichten von einer angespannten Situation.

Beitragslänge:
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