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Corona-Pandemie - Darum steigt die Zahl der Todesfälle

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Die Zahl der Todesfälle steigt immer häufiger über 400. Experten erklären, wie es dazu kommen konnte und welchen Verlauf sie für die nächsten Wochen erwarten.

essen, deutschland, 28.10.2020
Viele Covid-Erkrankte mit schweren Verläufen sterben auf Intensivstationen nach wochenlanger Beatmung.
Quelle: dpa

Die Zahl der Neuinfektionen sinkt langsam - die Zahl der Todesfälle bleibt jedoch hoch: Mit 479 am Donnerstag liegt diese Zahl nur knapp unter dem bisherigen Höchstwert von 487 am Dienstag. Trotz aller Schutzmaßnahmen erwartet das Robert-Koch-Institut weiterhin hohe Todeszahlen.

"Wir sehen, dass die Zahl der schweren Verläufe und der Todesfälle von Woche zu Woche steigen", sagt RKI-Chef Wieler. Im weiteren Zeitverlauf sei "mit vielen weiteren" Toten zu rechnen. Wie kann das sein, wenn doch die Neuinfektionen sinken?

Zeitverzögerung zwischen Corona-Infektion und Todesfall

"Dass die Todesfälle weiter hoch bleiben, liegt zum einen am Zeitverzug und zum anderen an vermehrten Infektionen bei älteren Menschen in den letzten Wochen", sagt Berit Lange vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Die Zeit zwischen Infektion und Versterben betrage zwischen zwei und vier Wochen - je nachdem, ob der Patient auf eine Intensivstation aufgenommen wird oder nicht, erklärt die Infektionsepidemiologin.

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"Wir sehen die Veränderungen der Neuinfektionen drei Wochen später auf der Intensivstation und vier Wochen später bei den Todesfällen", sagt auch Ulf Dittmer, Virologe an der Universitätsmedizin Essen. Langsam würde man bei den Zahlen der intensivmedizinisch behandelten Patientinnen und Patienten einen Stopp sehen.

"Die Wachstumsphase wird auch bei den Todesfällen bald zu Ende sein - es wird sich jetzt schnell einpendeln", sagt er. "Allerdings auf einem viel zu hohem Niveau."

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Zweiter Grund: Jüngere stecken Ältere häufiger an

"Die Senioren blieben lange verschont, jetzt hat in der Altersgruppe das Infektionsgeschehen wieder zugenommen", beobachtet Ortwin Adams vom Institut für Virologie in Düsseldorf. Die Ursache sei eher Spekulation: Zunächst habe sich das Coronavirus bei den Jüngeren ausgebreitet, häufig mit asymptomatischen Verläufen. Diese hätten dann, ohne es zu merken, weitere angesteckt - auch vermehrt ältere Menschen.

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Epidemiologin Lange spricht in diesem Zusammenhang von einer Kontaktmatrix: Die meisten Menschen hätten den meisten Kontakt zu Menschen in ihrer eigenen Altersgruppe. Wenn wie im Sommer die Neuinfektionen unter den Jüngeren zunehmen, treffe es irgendwann auch die Älteren.

Denn mit den Neuinfektionen steige auch die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung, auch wenn der Kontakt zu älteren Menschen insgesamt gering sei. Wie gut die Schutzmaßnahmen für Risikogruppen auch sind - "wenn wir eine hohe Infektionsdynamik haben, ist dieser Übertrag programmiert", sagt Lange.

"Wir haben aus der ersten Welle gelernt, ältere Menschen gut zu schützen", sagt auch Dittmer. In den Einrichtungen, aber auch im privaten Bereich sei man viel vorsichtiger geworden. "Trotzdem haben die Jungen irgendwann Kontakt zu den Älteren".

Weihnachten: Kontakt zu Älteren besonders wahrscheinlich

Besonders wahrscheinlich sei der Kontakt zu älteren Menschen wohl an Weihnachten. "Wir müssen ehrlich sein, natürlich wird es da Verstöße geben", sagt Virologe Adams. Er sei glücklich, wenn die Zahl der Neuinfektionen und Todesfälle dann wenigstens stagniere.

Es stellt sich immer die Frage: Ergreift man besser ganz harte Maßnahmen für einen kurzen Zeitraum oder weniger harte für einen langen?
Ulf Dittmer

Je weiter das Virus verbreitet sei, desto länger dauere es zudem, bis die Maßnahmen wirken. Die Neuinfektionen nähmen deshalb momentan nur langsam ab - und ähnlich werde es leider mit den Todesfällen sein.

Virologe Adams: Das Coronavirus wird nicht tödlicher

Eine Veränderung des Virus in Bezug auf seine Gefährlichkeit sei aber aus den anhaltend hohen Todeszahlen nicht abzulesen, sagt Virologe Adams. Die Teststrategie habe sich verändert - es werde jetzt gezielter getestet, vor allem Menschen mit Symptomen. Einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Tests und den Todesfällen herzustellen sei deshalb äußerst schwierig.

"Wir haben keinen Hinweis auf vermehrt schwerere Verläufe", sagt Adams. Insofern müsse man keine Angst haben. Aber so richtig daran glauben, dass die Neuinfektions- und Todeszahlen schnell sinken, tut er auch nicht. "Es wäre schon gut, wenn die Zahlen nicht weiter steigen", sagt er.

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