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RKI-Statistik zu Todesfällen - Zu viele Menschen als Corona-Tote gezählt?

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"Corona bei 80 Prozent der offiziellen Covid-Toten wohl nicht Todesursache", titelt die "Welt". Die Beweislage ist dünn. Trotzdem könnten die Corona-Statistiken verbessert werden.

Mitarbeiter fahren einen Sarg mit einem Verstorbenen, der an oder mit dem Coronavirus gestorben ist, in einen Kühlraum in Köln am 18.12.2000
Wer an Corona stirbt, landet in der Statistik - doch die Zählung ist oft komplexer als man annimmt (Archivbild)
Quelle: dpa

Es war eine Schlagzeile, die Pandemie-Kritiker aufhorchen ließ: "Corona bei 80 Prozent der offiziellen Covid-Toten wohl nicht Todesursache", überschrieb die "Welt" ein Interview mit dem Mediziner Prof. Bertram Häussler am Montag.

AfD-Politiker und Querdenker sahen sich daraufhin in ihrer Meinung von einer angeblich vom Robert-Koch-Institut (RKI) herbeigerechneten Pandemie bestätigt. Auch FDP-Politiker Wolfgang Kubicki schrieb auf Facebook von einem "weiteren Schlag für die Glaubwürdigkeit" des RKI.

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Was ist Häusslers Kritik?

Häussler leitet das Medizin-Beratungsinstitut IGES in Berlin. Dort analysierte er die vom RKI veröffentlichten Corona-Todeszahlen. Seine Beobachtung: Der Zeitraum zwischen dem Meldezeitpunkt der Infektion und dem des Todes war zuletzt oft sehr groß.

Im Juli und August habe der Anteil von offiziellen Corona-Toten, deren Infektion zum gemeldeten Todeszeitpunkt länger als fünf Wochen zurücklag rund 80 Prozent betragen, so Häussler.

Man [muss] daher eher davon ausgehen, dass Corona nicht die wirkliche Todesursache war.
Prof. Bertram Häussler, Leiter IGES Institut

Häussler vermutet, dass Gesundheitsämter zu viele Menschen in die Statistik einfließen lassen: "Rechnerisch sterben täglich etwa 100 dieser Genesenen an regulären Todesursachen. (…) Da kann es sich dann auch um einen alten Menschen handeln, der sich zwar 2020 infiziert hat, jetzt aber an Herzversagen gestorben ist."

Die offiziellen Meldekriterien unterstützen diesen Schluss nur begrenzt.

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Wie werden Corona-Tote gezählt?

Im Schnitt treten Covid-Todesfälle zwei bis drei Wochen nach der Infektion auf, teilt das RKI ZDFheute mit. Nachmeldungen von Todesfällen für zurückliegende Wochen seien darum zu erwarten.

Auch der Meldeverzug kann sich auswirken: Die Corona-Toten werden - wie andere Zahlen auch - nicht vom RKI selbst, sondern von den Gesundheitsämtern erfasst. Diese Meldekette kann Tage dauern, erschwert aber auch eine gezielte Manipulation. Sie würde die Mitwirkung und Koordination vieler dezentral organisierter Behörden erfordern.

Verstorbene mit einem positiven Corona-Test irgendwann in der Vergangenheit landen auch nicht automatisch in der Statistik.

In die Statistik des RKI gehen die COVID-19-Todesfälle ein, bei denen ein laborbestätigter Nachweis (…) vorliegt und die in Bezug auf diese Infektion verstorben sind.
Robert-Koch-Institut

Ein Zusammenhang zwischen Infektion und Tod muss also plausibel sein. Auch, wenn es in der Praxis häufig schwierig sei zu entscheiden, inwieweit die Corona-Infektion direkt zum Tod beigetragen habe, merkt das RKI an.

Aktuell erfasst werden darum sowohl Todesfälle "mit" und "an" Corona Verstorbener. "Generell liegt es immer im Ermessen des Gesundheitsamtes, ob ein Fall als verstorben an bzw. mit Covid-19 ans RKI übermittelt wird oder nicht", sagt das RKI.

Bei einem Großteil der an das RKI übermittelten Covid-19-Todesfälle werde "verstorben an der gemeldeten Krankheit" angegeben.

Das RKI hat 13.715 Corona-Neuinfektionen innerhalb der letzten 24 Stunden gemeldet. 33 Todesfälle sind hinzu gekommen. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 76,9.

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Corona-Tote maximal fünf Wochen nach Infektion zählen?

Häussler fordert, dass Corona-Tote künftig anders gezählt werden. Wie in Großbritannien sollte auch der Zeitraum zwischen Infektion und Tod ausschlaggebend sein. ZDFheute sagt Häussler:

"Als zusätzliche Information zu der bisher schon täglich berichteten Zahl der Sterbefälle sollte man eine 5-Wochen-Frist und auch eine 10-Wochen-Frist berichten, damit man abschätzen kann, wie stark die akuten Corona-Sterbefallzahlen überschätzt sind."

"Es geht nicht darum, Covid-19 als Erkrankung herunterzuspielen", betont Häussler. Auf seiner Webseite versucht er inzwischen, falsche Lesarten seiner Beobachtungen zu korrigieren:

Dass 80 Prozent der Corona-Todesfälle an anderen Todesursachen verstorben seien, bezieht sich keinesfalls auf die gesamte Zeit der Pandemie.
Prof. Bertram Häussler, Leiter IGES Institut

Noch im April habe der Anteil der täglich gemeldeten Todesfälle mit fünf oder mehr Wochen Abstand zur Infektionsmeldung bei lediglich 21 Prozent gelegen. Woran dieser Anstieg liegt, kann derzeit nicht sicher gesagt werden.

Woran sind die Corona-Toten gestorben?

Klarheit, woran die Toten gestorben sind, können auch Obduktionen liefern. Solche hat Prof. Christoph Röcken, Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, bei Corona-Toten vorgenommen. Er sagt ZDFheute:

Die von uns obduzierten Verstorbenen waren nachweislich in über 80 Prozent der Fälle an Covid-19 verstorben.
Prof. Christoph Röcken, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Die Corona-Todesstatistik auf einen konkreten Zeitraum zu beschränken, sieht Röcken kritisch. "Da die intensivmedizinische Betreuung eines an Covid-19-Erkrankten länger dauern kann und die Langzeitfolgen der Covid-19-Erkrankung noch weitgehend unbekannt sind, sind konkrete Zeitfenster schwer zu bewerten."

Selbst bei Menschen, die sehr lange nach ihrer Infektion verstorben sind, kann Corona noch eine entscheidende Rolle gespielt haben – Organschäden und Long-Covid-Symptome sind häufig. Entsprechend können sie nach dem Ermessen der Gesundheitsämter in die Statistik einfließen.

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Fazit: Mehr Daten können helfen

Bertram Häusslers These, dass zuletzt die meisten Corona-Toten nicht an Covid-19 gestorben seien, ist bislang lediglich eine Vermutung. Sie ausschließlich an der Zeitdifferenz festzumachen, sehen andere Experten kritisch.

Dennoch könnten die von Häussler geforderten zusätzlichen Informationen zu Infektions- und Todeszeitpunkten aufschlussreich sein. Die Frage, ob jemand an oder mit Covid gestorben ist, ist auch angesichts neuer Varianten und wenig untersuchter Covid-Spätfolgen relevant.

Auf der Illustratioin ist eine Person zu sehen, die ein Schutzschild hält. Das Schutzschild ist zum Teil gerisssen, Coronaviren dringen durch das Schild.

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