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Themen: Corona und Migration - Gleich zwei "Unwörter des Jahres" gekürt

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"Corona-Diktatur" und "Rückführungspatenschaften"sind die "Unwörter des Jahres 2020". Das gab die Jury in Darmstadt bekannt.

Plakat mit Aufschrift: "Corona-Diktatur: Wacht endlich auf!"
Die Wortschöpfungen und Parolen der Gegner der Corona-Maßnahmen dominierten die Kandidatenliste zum Unwort des Jahres.
Quelle: imago/7aktuell

"Corona-Diktatur" und "Rückführungspatenschaften"sind die "Unwörter des Jahres 2020". Das teilte die Jury aus Sprachwissenschaftlern und Publizisten in Darmstadt mit. Damit wurden zum ersten Mal zwei Unwörter des Jahres gekürt, üblicherweise vergibt das Expertengremium den Negativtitel lediglich an einen Begriff. Im vergangenen Jahr war es "Klimahysterie".

Mit "Rückführungspatenschaften" wurde im September 2020 von der EU-Kommission ein neuer Mechanismus der Migrationspolitik bezeichnet: Die EU-Staaten, die sich weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, sollen ihrer "Solidarität" mit den anderen Mitgliedern der EU dadurch gerecht werden, dass sie die Verantwortung für die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber übernehmen. Dies als "Rückführungspatenschaften" zu bezeichnen, hält die Jury für zynisch und beschönigend.

Corona ist dominierendes Thema

Dominierendes Thema der 1.826 bis zum 31. Dezember eingegangenen Einsendungen mit 625 unterschiedlichen Vorschlägen sei die Corona-Pandemie gewesen, sagte eine Sprecherin.

Das Wort "Corona-Diktatur" sei seit Beginn des öffentlichen Diskurses um den politischen Umgang mit der Pandemie von der selbst ernannten "Querdenker"-Bewegung und insbesondere von deren rechtsextremen Propagandisten gebraucht worden, um regierungspolitische Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu diskreditieren. Dass der Ausdruck auf Demonstrationen verwendet wird, die ausdrücklich erlaubt sind, stelle schon in sich einen Widerspruch dar, so die Jury.

Außerdem seien auch Worte wie "Absonderung", "Systemling", "Wirrologen" oder "Grippchen" zum Thema Corona-Pandemie eingegangen. Am häufigsten seien aber "systemrelevant" (180) und "Querdenker" (116) zum fast alles beherrschenden Thema des Jahres 2020 vorgeschlagen worden.

Mit der Wahl von zwei Unwörtern will die Jury darauf aufmerksam machen, dass auch in anderen Themenbereichen weiterhin inhumane und unangemessene Wörter geprägt und verwendet werden.

Unwort-Jury: Schimpfwörter zählen nicht

Die sprachkritische Aktion "Unwort des Jahres" möchte mit ihrer alljährlichen Aktion auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren. Dabei werden Wörter gerügt, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistische, verschleiernde oder irreführende Formulierungen sind.

Reine Schimpfwörter zählen nicht. Vorschläge müssen eines der Kriterien erfüllen. Die Jury richtet sich nicht nach der Menge der Vorschläge für ein einzelnes Wort. Das "Unwort des Jahres" wird seit 1991 gekürt. 2018 war es "Anti-Abschiebe-Industrie". 2017 hatte die Jury die Wendung "alternative Fakten" zum Unwort des Jahres bestimmt, 2016 war es der Begriff "Volksverräter".

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