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Corona in den USA - Wie Ungeimpfte die Pandemie verschärfen

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Die Corona-Infektionen in den USA schnellen in die Höhe, das Impftempo geht zurück. Immer mehr Konservative appellieren an Impfskeptiker. Doch die Kehrtwende könnte zu spät kommen.

In Springfield warten Bürger auf eine Impfung
In Springfield warten Bürger auf eine Impfung
Quelle: ap

Die Lage in den USA ist ernst. Wie ernst, das lässt sich dieser Tage beim konservativen Fernsehsender Fox News beobachten. Moderator*innen, die bislang die Effektivität der Corona-Impfungen infrage gestellt, wissenschaftliche Erkenntnisse verdreht haben, treten nun mit einer neuen Botschaft vor ihr Publikum.

Lasst euch impfen - es wird euer Leben retten!
Steve Doocy, Moderator Fox News

So deutlich wurde Steve Doocy, Co-Moderator der Morgensendung "Fox and Friends". Er wendet sich damit an genau den Teil des Landes, der sich bislang gegen die Impfung wehrt: das konservative, republikanische Amerika.

Wettlauf gegen die Delta-Variante

Denn die Zeit drängt. Die Kurve steigt wieder. Im Schnitt gibt es in den USA rund 57.000 Neuinfektionen täglich. Auch die Zahl derer, die mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus müssen, steigt. Auch die der Corona-Toten.

Grund dafür ist vor allem die ansteckendere Delta-Variante, die inzwischen laut Gesundheitsbehörde CDC 83 Prozent aller Corona-Infektionen in den USA ausmacht.

USA: Volle Krankenhäuser im Süden

"Unser Krankenhaus ist wieder voll", sagt Cam Patterson, Kardiologe und Direktor des Universitätsklinikums in Little Rock, Arkansas.

Die überwiegende Mehrheit der Patient*innen ist ungeimpft und wir hatten keinen Todesfall einer geimpften Person.
Cam Patterson, Kardiologe in Arkansas

Das deckt sich mit den Zahlen der CDC. Demnach waren im vergangenen halben Jahr 99,5 Prozent der Corona-Toten nicht geimpft. Aktuell entfallen mehr als 97 Prozent der Hospitalisierungen auf Nicht-Geimpfte. US-Präsident Joe Biden wurde vor einigen Tagen deutlich:

Die einzige Pandemie, die wir haben, ist die der Ungeimpften.
US-Präsident Joe Biden

Das Impftempo geht immer weiter zurück. Inzwischen lassen sich im Schnitt nur noch 566.000 Menschen täglich impfen - im Vergleich zu über drei Millionen im April.

Corona-Impfungen: Nordstaaten vs. Südstaaten

163,2 Millionen sind vollständig geimpft, 60 Prozent aller erwachsenen US-Amerikaner*innen. Rechnet man Kinder und Jugendliche mit, sind es 49 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland sind mittlerweile 49,7 Prozent vollständig geimpft.

Doch die Impfquoten gehen je nach Bundesstaat massiv auseinander. Im nordöstlichen Vermont liegt die Quote bei 67,3 Prozent. In einigen Südstaaten hingegen - Louisiana, Mississippi, Alabama, Arkansas - nur zwischen 34 und 36 Prozent.

Laufende Nase, Kopf- oder Halsschmerzen? Corona-Symptome lassen sich inzwischen schwerer von Erkältungen oder Allergien unterscheiden - im vergangenen Jahr war das noch anders.

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Das Nord-Süd-Gefälle lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. Stark vereinfacht könnte man sagen: Je religiöser, je ländlicher, je republikanischer die Menschen sind, desto unwahrscheinlicher, dass sie sich impfen lassen.

Angesichts steigender Infektionszahlen hat die CDC nun auch Geimpften wieder das Tragen von Masken in Innenräumen empfohlen. Die Gesundheitsbehörde erklärte am Dienstag, diese Empfehlung gelte für die Landesteile, in denen die Zahl der Neuinfektionen besonders hoch sei.

Demokraten vs. Republikaner

Laut Kaiser Family Foundation hatten Ende Juni 86 Prozent aller Demokrat*innen ihre erste Impfdosis erhalten - und nur 52 Prozent aller Republikaner*innen. Noch größer ist die Skepsis unter erklärten Trump-Unterstützer*innen.

Weil so wenige Menschen geimpft sind, kann sich die Delta-Variante in Gemeinden wie hier in Arkansas so stark ausbreiten. Leider gibt es hier in den USA viele Fehlinformationen über die Impfstoffe. Das hat zu viel Impfskepsis geführt, die ehrlich gesagt sehr schwer zu überwinden ist.
Cam Patterson, Kardiologe in Arkansas

Neben sozialen Medien, über die viele Fehlinformationen verbreitet werden, spielt dabei Fox News eine große Rolle. "Das ist kein Journalismus, das ist Propaganda", sagt Carl Cameron über die Berichterstattung seiner ehemaligen Kolleg*innen. Bis 2017 war er selbst Reporter bei Fox News.

In den vergangenen anderthalb Jahren verhielten sie sich völlig ignorant und falsch. Sie ermutigten die Menschen, sich nicht impfen zu lassen. Viele von ihnen ändern jetzt ihre Meinung, weil sie wissen, dass ihr Ruf in Gefahr ist.
Carl Cameron, ehemaliger Fox-News-Reporter

Gerade erst ist eine Studie des Annenberg Public Policy Center der Universität Pennsylvania erschienen. Demnach haben nur etwa die Hälfte aller Fox-News-Zuschauer*innen Vertrauen in die staatlichen Gesundheitsbehörden.

Kehrtwende in der republikanischen Partei?

Die republikanische Partei tat bislang wenig, um diesem Trend etwas entgegenzusetzen. Einige Politiker*innen befeuern die Skepsis der Menschen noch zusätzlich. Manche schweigen einfach - auch darüber, ob sie sich selbst haben impfen lassen.

Doch ein prominenter Republikaner schlug kürzlich einen neuen Ton an. Mitch McConnell, republikanischer Fraktionsvorsitzender im Senat, sagte: "Um nicht im Krankenhaus zu landen, muss man sich impfen lassen."

Ich ermutige jeden, das zu tun, und all diese anderen Stimmen zu ignorieren, die demonstrativ schlechte Ratschläge geben.
Mitch McConnell, republikanischer Senator

All die Kehrtwenden kommen womöglich zu spät - im Wettlauf zwischen Impfen und Delta-Variante.  

Der Autorin auf Twitter folgen: @ninaniebergall

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