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Amerikas Weg aus der Pandemie - "Vom Unbelehrbaren zum Musterschüler"

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Brems- und Gaspedal liegen manchmal weit auseinander. Während Deutschland auf die Bremse tritt, rasen die USA auf neue Impfrekorde zu und lockern Corona-Beschränkungen.

Vor einer wieder geöffneten Grundschule in Los Angeles stehen Schul-Distrikt-Leiter Austin Beutner und Schuldirektorin Gabriela Rodriguez.
Wie in Deutschland entscheiden in den USA über Schulöffnungen Staaten, Städte und Kommunen.
Quelle: AP

Es ist ein Moment, den Papa Ben unbedingt mit seiner Kamera festhalten möchte: Er schießt Fotos von seiner zehnjährigen Tochter Elliot. Zum ersten Mal seit März 2020 kann er sie wieder zur Grundschule bringen.

Mit dem Tandemrad machen sie sich auf den Weg. Ein Jahr lang hat sich Familie Popper abgestrampelt. Jetzt endlich kehrt so etwas wie Normalität zurück. Seit letzter Woche findet in Seattle im Bundesstaat Washington wieder Präsenzunterricht statt.

Zwei Kinder schauen hinter zwei großen Hotdogs hervor

Corona in den USA - 100 Millionen Geimpfte und freies Reisen 

Mehr als 100 Millionen Amerikaner sind mindestens einmal gegen Corona geimpft worden - das ist fast jeder Dritte. Wer vollständig geimpft ist, darf nun auch wieder frei reisen.

Corona-Alltag in den USA

Wie bei so vielen Familien auf der Welt sah der Alltag der Poppers seit Beginn der Pandemie so aus: Virtueller Unterricht für Elliot. Kaum Kontakte zu anderen. Ihre Mutter Julie ist PR-Agentin, ihr Vater Ben Produktentwickler für Autozubehör - zwei anstrengende Vollzeitjobs.

Dann kam die Pandemie. Alle waren plötzlich fast den ganzen Tag zu Hause. Für Julie war es trotz aller Anstrengung auch eine schöne Zeit: "Ich finde, wir haben das trotz allem gut hinbekommen. Mit einer gewissen Routine haben wir die Tage gut gemeistert in unserem Haushalt. Aber viele Eltern, die wir kennen, konnten diesen Moment, ehrlich gesagt, kaum abwarten, an dem sie ihre Kinder endlich wieder zur Schule schicken können."

In der Tat sind viele Eltern in den USA mit ihrer Geduld am Ende. Das zeigen sie in den letzten Wochen und Monaten auch öffentlich - fast überall in den USA gab es Demonstrationen für Schulöffnungen.

Nachdem eine Studie die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer bei Kindern in den USA belegt hat, sollen sie nun auch geimpft werden. Die Hoffnung auf Normalität ist groß.

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Shutdown: Kinder leiden

Der Druck der Straße wird immer größer. Die Kinder seien zunehmend deprimiert, ängstlich und isoliert, beklagen demonstrierende Eltern. Und auch aus ihrem eigenen Frust machen sie keinen Hehl. Beim Thema Schulschließungen war kein Bundesstaat strenger als Washington - US-Staat "Null" sozusagen.

Hier erlebten die Menschen als erste in Amerika die drastischen Anstiege von Krankenhausaufenthalten und Todesfällen durch das Coronavirus. Auch deshalb war es der erste US-Staat, der Schulschließungen veranlasst hatte.

"Willkommen zurück"

Das ist jetzt vorbei. Nach den Grundschulen öffnen am Montag auch die Middle- und die High-Schools. Brian Vance, Direktor der West Seattle High School, findet das trotz des Restrisikos richtig:

"Man kann bei den Kolleginnen und Kollegen spüren, dass die Angst langsam abnimmt. Alle packen mit an, um die Hygienemaßnahmen umsetzen zu können und bereit zu sein für den Start am 19. April." Es sei für alle eine harte Zeit gewesen, besonders aber für die Schülerinnen und Schüler, so Vance.

"Viele hatten mit psychischen Problemen zu kämpfen und damit, am Ball zu bleiben. Ich freue mich also wirklich, ihnen bald in die Augen schauen zu können und zu sagen: 'Hey, willkommen zurück.'"

Impfstrategie in den USA

Ähnlich wie in Deutschland liegt die Entscheidungsgewalt über Schulöffnungen bei den einzelnen Bundesstaaten, Städten und Kommunen. Die Bundesbehörde CDC spricht lediglich Empfehlungen aus und wirbt mittlerweile für Präsenzunterricht. Für viele Eltern ein Licht am Ende des Tunnels.

US-Präsident Biden macht mit seiner Impfkampagne Tempo: Bis zum 19. April soll jeder Erwachsene einen Impf-Termin vereinbaren können. Ursprünglich war dafür der 1. Mai angedacht.

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Es leuchtet vor allem deshalb, weil die Impfstrategie mit aller Macht umgesetzt wird. Rund drei Millionen Menschen pro Tag bekommen eine Dosis. Rund ein Viertel ist mittlerweile mit einem der zugelassenen Stoffe vollständig geimpft.

Impfstoff für Kinder und Jugendliche

So wie Familie Korinek aus Connecticut. Vater William ist Biochemiker. Harvard-Abschluss, danach neun Jahre bei Pfizer angestellt, jetzt leitet er sein eigenes Pharma-Unternehmen - ein Mann vom Fach. Gemeinsam mit seiner Frau Christine hat er im letzten Jahr an der Pfizer/Biontech-Studie teilgenommen.

Jetzt machen auch seine 18-jährige Tochter Elena und die beiden Teenager-Söhne Jonah und Micah bei laufenden Testreihen für Kinder und Jugendliche mit. Der Pfizer/Biontech-Impfstoff könnte in den USA schon in wenigen Wochen für 12- bis 15-Jährige zugelassen werden.

Impfstudien für Kinder und Babys

Auch für jüngere Kinder und Babys ab sechs Monaten laufen Studien. Das führt auch dazu, dass etwa die Hälfte der öffentlichen Schulen im Land wieder voll geöffnet ist. Auch Elena Korinek und ihre Brüder dürfen seit einigen Wochen wieder in ihre Klassenräume.

Die 18-Jährige ist stolz, einen Anteil daran zu haben: "Dass sichere und wirksame Impfstoffe für Erwachsene in nur einem Jahr hergestellt werden konnten - das finde ich schon beeindruckend. Auch wenn ich daran denke, dass wir Kinder nun mit unserer Teilnahme an der Studie einen Einfluss haben - auf unsere Mitschüler, auf andere Kinder im ganzen Land oder sonst wo auf der Welt."

USA im Heilungsprozess

Nach einem langen Jahr mit Schulschließungen und erbitterten Elternprotesten im ganzen Land entspannt sich die Lage also in vielen Teilen des Landes - sogar im Bundestaat Washington.

Sollte sich der Erfolg im Kampf gegen die Pandemie fortsetzen, wäre es sicher auch ein Schritt im gesellschaftlichen Heilungsprozess, den US-Präsident Biden ja immer wieder versprochen hatte.

Rede an die US-Nation - Biden: Impfstoff für alle bis Mai freigeben 

US-Präsident Biden kündigte in einer TV-Ansprache an, Impfstoffe bis Anfang Mai für alle US-Bürger zugänglich zu machen. Zuvor unterzeichnete er das Konjukturpaket.

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