Sie sind hier:
FAQ

Nächster Booster gegen Corona : Kann man auch zu oft geimpft werden?

Datum:

Angesichts hoher Corona-Zahlen fragen sich auch jüngere Menschen, ob sie eine zweite Boosterimpfung brauchen. Was spricht dagegen? Und kann es zu einer "Überimmunisierung" kommen?

Archiv: Eine Assistentin zieht eine Impfdosis auf.
Wer sollte sich den vierten Piks geben lassen?
Quelle: dpa

Soll ich mich ein viertes Mal gegen das Coronavirus impfen lassen? Diese Frage stellen sich aktuell viele Menschen unter 70, für die es noch keine klare Impfempfehlung gibt. Denn die Corona-Zahlen im Sommer sind hoch und die Prognosen für den Herbst wenig erfreulich.

Auch Fachleute stellen sich diese Frage - und kommen zu teils unterschiedlichen Antworten. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) plädiert dafür, dass sich auch unter 60-Jährige ein viertes Mal gegen Corona impfen lassen. Widerspruch kommt von Thomas Mertens, Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko): Es gebe keine Daten, die Lauterbachs Impfratschlag rechtfertigen. Empfehlungen nach dem Motto "viel hilft viel" seien schlecht, so Mertens.

Wer sollte sich also ein viertes Mal impfen lassen? Kann man zu oft gegen Corona geimpft werden? Und was, wenn man als dreifach Geimpfter schon eine Infektion durchgemacht hat? ZDFheute hat Antworten auf die wichtigsten Fragen.

ZDFheute Infografik

Wir integrieren Bilder und andere Daten von Drittanbietern, u.a. die Software von Datawrapper für die Darstellung von ZDFheute Infografiken. Mit Ihrer Zustimmung werden diese angezeigt und die genutzte IP-Adresse dabei an externe Server übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre zukünftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Mein ZDF“ jederzeit widerrufen.

Wem wird eine vierte Impfung empfohlen?

Die Stiko empfiehlt einen zweiten Booster unter anderem Menschen ab 70, Bewohnern von Pflegeeinrichtungen, medizinischem und Pflegepersonal sowie immungeschwächten Personen ab fünf Jahren. Zudem haben die europäischen Behörden ECDC und EMA sich dafür ausgesprochen, auch Menschen ab 60 ein zweites Mal zu boostern - die Empfehlung wurde von der Stiko bislang nicht übernommen.

Wen schützt die vierte Impfung?

Ersten Studien deuten darauf hin, dass die vierte Impfung vor allem bei Risikogruppen noch mal den Schutz vor einer Infektion, Hospitalisierung und Tod erhöht: So zeigte beispielsweise eine Analyse von Daten aus Israel, dass bei über 60-Jährigen das Risiko wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus zu kommen um 68 Prozent gesenkt wurde, vor Tod durch Covid schützte die zweite Auffrischung sogar zu 74 Prozent. "Es gibt Daten, dass auch Menschen über 50 Jahre vom zweiten Booster profitieren können", sagt Immunologe Luka Cicin-Sain vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung.

Der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Reinhold Förster, weist jedoch darauf hin, dass es derzeit noch zu wenige Daten gibt, die zeigen, ob auch jüngere Menschen derartig von einer vierten Impfung profitieren würden. Dies müsse immer gegen mögliche Nebenwirkungen abgewogen werden, die jede Impfung mit sich bringt - auch, wenn diese bei den Corona-Impfstoffen "extrem gering" seien, so Förster.

Deshalb rät auch der Bremer Allgemeinarzt Hans-Michael Mühlenfeld seinen Patienten, die nicht zu einer Risikogruppe gehören, von einer Impfung ab: "Weil ich nicht davon überzeugt bin, dass der Patient von diesem zweiten Booster einen Vorteil hat".

Thüringen, Erfurt: Eine Frau erhält eine Corona-Impfung in Erfurt.
Grafiken

Zweiter Booster auch für Jüngere - Wie gut schützt die vierte Impfung? 

Gesundheitsminister Lauterbach empfiehlt auch Jüngeren die vierte Corona-Impfung. Wie viele haben die bereits bekommen - und wie viel bringt der zweite Booster überhaupt?

von Robert Meyer

Welche Rolle spielt eine durchgemachte Corona-Infektion?

Eine Corona-Infektion kann wie ein weiterer Booster wirken: "Wenn man sich einige Zeit nach der dritten Impfung infiziert, dann steigen die Antikörper und T-Zellen wieder auf das Level an, auf dem sie nach der dritten Impfung waren", so Förster. Damit hätten alle dreifach Geimpften, die sich in den letzten Monaten infiziert haben, "eine vierfache Impfposition" - eine zusätzliche Boosterimpfung jetzt ist also sinnlos.

"Bei immun-gesunden Personen unter 60 sehe ich aktuell keine Veranlassung zu einer vierten Impfung", sagte auch der Immunologe Carsten Watzl bereits im Juni. Diese Personen wären gut vor einer schweren Covid-Erkrankung geschützt - und würden früher oder später durch eine Durchbruchsinfektion weiter immunisiert.

Diese führt dann zu der sogenannten hybriden Immunität, die diese Personen wieder sehr gut vor Ansteckung und Erkrankung schützt. Auf diese Weise werden sich die meisten Personen ihre Immunität alle paar Jahre auffrischen.
Carsten Watzl, Immunologe TU Dortmund

Anders als im vergangenen Jahr steigen in diesem Sommer die Corona-Fallzahlen. Gesundheitsminister Lauterbach wirbt deshalb für eine vierte Corona-Impfung - auch für unter 60-Jährige. Umstritten, denn Stiko-Chef Mertens sieht dafür keine Notwendigkeit.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Kann man auch zu oft geimpft werden?

Stiko-Chef Mertens betonte unter anderem im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update", dass eine Impfung keine Lakritze, sondern "ein medizinischer Eingriff" sei, für den es eine entsprechende Indikation geben müsse. Zudem verwies die Europäische Arzneimittelbehörde EMA bereits im Januar darauf, dass mehr als zwei Boosterimpfungen innerhalb relativ kurzer Zeit die Immunreaktion des Körpers beeinträchtigen könnten.

Es gebe aber keine Studien, die gezeigt hätten, dass Menschen nach einer vierten Impfung weniger geschützt seien, so Reinhold Förster. Wenn jedoch innerhalb kurzer Zeit mehrere Impfungen verabreicht werden, könne theoretisch die Gefahr einer Gewöhnung bestehen, erklärt Förster - das Immunsystem würde die ​Informationen des Impfstoffs  möglicherweise "tolerieren" und nicht mehr wie gewünscht reagieren, um den Körper zu verteidigen. Dieses Risiko sei jedoch "extrem unwahrscheinlich".

Die Gefahr einer Art "Überimpfung" sehen Expertinnen und Experte aber nicht. "Eine 'Überimmunisierung' kann es im Prinzip nicht geben", sagt die Würzburger Immunologin Marina Prelog. Ideal wären aber ein Abstand von drei bis sechs Monaten zwischen den Erreger-Kontakten oder Impfungen.

Immunkranke profitieren eher von engeren Abständen, bei Immungesunden sind ca. 6 Monate ideal.
Martina Prelog, Immunologin

"Es macht also keinen Sinn, jemanden alle drei Wochen zu piksen", sagt ihr Kollege Luka Cicin-Sain. Aber es gebe auch keine Anzeichen dafür, dass das Risiko nach der Impfung größer ist, als die Risiken nach einer Durchbruchsinfektion.

Die Medizintechnische Assistentin Denise Dittmar bereitet Abstrichproben aus Corona-Testzentren für die Untersuchung in den Automat im PCR-Labor in der Universitätsmedizin vor, aufgenommen am 01.02.2022

Dunkelziffer in der Sommer-Welle - Wie hoch die Corona-Zahlen eigentlich sind 

Die Corona-Dunkelziffer könnte bis zu dreimal so hoch sein wie die offiziellen Infektionszahlen, schätzt ein Covid-19-Experte. Warum das ein Problem ist.

von Julia Klaus

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Fläschchen und eine Spritze mit dem Coronaimpfstoff liegen auf einer Fläche, das Biontech-Logo ist im Hintergrund zu sehen, Zenica, 08.08.2022

Nachrichten | heute journal - Corona-Intensivpflege im Sommer 

In vielen Krankenhäusern werden derzeit Operationen verschoben und Personal umgeschichtet. Ein System, das auf wackeligen Beinen steht – auf dem Rücken der Mitarbeiter.

08.08.2022
von Verena Garrett
Videolänge
Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.