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Karl Lauterbach : "Einen vierten Lockdown wird's nicht geben"

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Kommt im Herbst eine vierte Corona-Welle? Manche Experten schlagen Alarm, die Politik bereitet sich vor. Welche Szenarien sind wahrscheinlich? Ein Überblick.

Menschenleer zeigt sich ein Biergarten mit gestapelten Bänken und Tischen im Westpark in München
Erwarten Deutschland bald wieder schärfere Corona-Regeln? (Archivbild)
Quelle: dpa

Besteht die Gefahr, dass es nach einem sorglosen Sommer zu einer vierten Welle von Corona-Infektionen kommt? Auch im vergangenen Jahr waren die Infektionszahlen nach den Sommerferien rasant angestiegen, ein Shutdown im Herbst war die Folge.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnte bereits im ZDF-Morgenmagazin:

Wir sehen in Ländern wie dem Vereinigten Königreich: Es kann auch schnell wieder schief gehen.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

In Großbritannien breitet sich derzeit die indische Variante B.1.617.2 schnell aus und hat inzwischen einen Anteil von rund 80 Prozent am Infektionsgeschehen. Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen "Delta" getaufte Variante gilt als deutlich ansteckender und lässt die Zahl der Neuinfektionen wieder ansteigen, wenn auch auf einem niedrigen Niveau - die landesweite Inzidenz liegt aktuell bei 37. Das aber trotz hoher Impfquote: Mehr als 75 Prozent aller Erwachsenen in Großbritannien haben bereits mindestens eine Corona-Impfdosis erhalten.

Spahn: Diesmal "deutlich früher" auf neue Welle vorbereiten

In Deutschland spielt die Variante B.1.617.2 laut Robert-Koch-Institut (RKI) bisher nur eine untergeordnete Rolle. Doch es besteht die Sorge, dass sich "Delta" durch Reisende auch hierzulande verbreitet.

Man habe die Lehre aus dem vergangenen Jahr gezogen, die Vorbereitungen für eine mögliche vierte Welle "deutlich früher" zu beginnen, so Spahn. So könne man die vierte Welle vermeiden oder schneller unter Kontrolle bekommen.

Jens Spahn hat bei einem Treffen der G7-Gesundheitsminister in Oxford eine solidarische Impfstoffverteilung gefordert. Es gehe darum, "die Welt aus der Pandemie zu führen".

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Streeck: Besser vom "Worst-Case-Szenario" ausgehen

Der Virologe Hendrik Streek hält eine vierte Welle ebenfalls für möglich und mahnt die Politik, sich darauf vorzubereiten. Im Interview mit dem Nachrichtensender "ntv" sagte Streeck: "Wir sollten einfach vom Worst-Case-Szenario ausgehen und damit rechnen, dass die Zahlen ansteigen, und uns über die Sommermonate darauf vorbereiten, dass wir nicht wieder mit einem Lockdown reagieren müssen." Man könne nicht sagen, wie stark der Schutz durch die Impfungen im Herbst und Winter ist. Möglich sei, dass es "vermehrt asymptomatische oder milde Infektionen" gebe.

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Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält es hingegen für "ausgeschlossen", dass es überhaupt noch einmal eine vierte Welle geben wird, die einen erneuten Lockdown notwendig machen würde. Das könne durch die Impfungen verhindert werden, erklärte er im Gespräch mit ZDFheute.

Einen vierten Lockdown wird's aus meiner Sicht nicht geben.
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

Dennoch werde es "lokale vierte Wellen" geben, so Lauterbach. Vorstellbar seien beispielsweise Ausbrüche in Schulen, wenn dort noch nicht genügend Schüler geimpft seien. "Das halte ich für sehr wahrscheinlich. In Kitas aber auch in Grundschulen könnten Ausbrüche vorkommen, weil wir da nicht impfen können."

Lauterbach: Corona-Ausbrüche in Bars und Clubs wahrscheinlich

"Wir werden auch Probleme bekommen in bestimmten Stadtteilen, wo die Impfquote nicht so hoch ist", betont Lauterbach. Auch bei der Öffnung von Bars und Clubs hält Lauterbach die Wahrscheinlichkeit für "relativ hoch, dass wir dort lokale Ausbrüche bekommen".

Dennoch sei es unwahrscheinlich, dass es erneut zu einem exponentiellen Wachstum komme. "Und ohne exponentielles Wachstum sind die Ausbrüche, die man hat, immer lokale Ausbrüche." Die müssten folglich auch nur mit lokalen Maßnahmen bekämpft werden "aber nicht noch mal mit einem flächendeckenden Lockdown", so Lauterbach.

Kekulé: Wichtig, weiter die Risikogruppen zu impfen

Ähnlich sieht es der Virologe Alexander Kekulé. In seinem MDR-Podcast erklärte er, dass damit zu rechnen sei, dass die Infektionszahlen weiter zurück gehen werden. Dennoch werden weiterhin "einzelne Blasen in der Gesellschaft nicht richtig unter Kontrolle zu bekommen" sein. Es werde also einzelne Gruppen oder Ortschaften mit hohen Infektionszahlen geben, insbesondere schwer erreichbare Risikogruppen.

Diese Situation werde kommen, da "wir aufhören, die schwierig zugänglichen Bevölkerungsteile konsequent zu impfen. Ja, das ist viel mehr Aufwand, aber ich finde, das muss man jetzt machen." Stattdessen werde jetzt die Priorisierung frei gegeben, so Kekulé.

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