Sie sind hier:

Vitamin D und Corona - Kein erhöhtes Risiko durch niedrigen Spiegel

Datum:

Kann man sich mit Vitamin-D-Präparaten vor Corona schützen? Eine neue, für ihre Methodik gelobte Studie verneint das.

Vitamin D-Produkte
Vitamin-D-Produkte werden unter anderem im Internet als Mittel gegen Corona beworben.
Quelle: ZDF

Ein niedriger Vitamin-D-Status ist einer neuen US-Studie zufolge kein Risikofaktor für eine Infektion mit dem Coronavirus. Zwar scheine es eine solche Verbindung zu geben, wenn man die Daten allein betrachte, erläutern die Forscher im Fachmagazin "Jama Open Network".

Beziehe man aber Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Ethnizität, Body-Mass-Index, Blutdruck, Raucherstatus und Wohnort mit ein, gebe es keinerlei Zusammenhang. Menschen mit vergleichsweise niedrigem Vitamin-D-Spiegel haben demnach also kein höheres Risiko, sich mit Sars-CoV-2 anzustecken, als optimal mit dem Vitamin versorgte Menschen.

Raucher und Übergewichtige haben häufiger Vitamin-D-Mangel

Vor Pandemie-Beginn hatten laut der Studie rund 60 Prozent der Untersuchten ein Vitamin-D-Level von weniger als 30 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml), weitere rund 25 Prozent ein noch niedrigeres (weniger als 20 ng/ml). Bei rund fünf Prozent der Probanden (900) wurden im Untersuchungszeitraum Antikörper gegen Sars-CoV-2 nachgewiesen.

Zwar hatten die Mitarbeiter und Angehörigen, die positiv getestet wurden, im Schnitt ein niedrigeres Vitamin-D-Level als die negativ getesteten. Unter Berücksichtigung anderer Faktoren, die die Corona-Risiken merklich beeinflussen, ergab sich aber kein signifikanter Zusammenhang.

So hatten zum Beispiel deutlich übergewichtige Menschen (BMI ab 30), Männer und Frauen mit Bluthochdruck, Raucher sowie Mitarbeiter und deren Partner ohne Hochschulabschluss im Schnitt häufiger einen Vitamin-D-Mangel.

Auch die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek hatte im Corona-Podcast des NDR erläutert, das Risiko für einen Vitamin-D-Mangel generell bei Menschen steige, die sich selten im Freien aufhalten. Das gelte zum Beispiel bei chronisch Kranken oder Pflegebedürftigen, die vielleicht auch nicht mehr ausgewogen essen können. Genau diese Gruppe gilt aber auch als besonders Covid-19-gefährdet.

Screenshot Coach Cecil auf Youtube

YouTuber & Fitnesscoach - Wie man mit Corona-Mythen Geld verdient 

Ein Fitnesscoach veröffentlicht YouTube-Videos über angebliche Corona-Verschwörungen. Und bewirbt Nahrungsergänzungsmittel als Gegenmaßnahme. So funktioniert sein Geschäftsmodell.

von Nils Metzger

Keine Aussage über Vitamin-D-Spiegel und Schwere der Krankheit

Andere, kleinere Studien hatten zuvor auf einen möglichen Zusammenhang hingewiesen, vielfach wurden allerdings die vielen Faktoren, die das Corona-Risiko beeinflussen, nicht berücksichtigt. Zudem wurde der Vitamin-Status oft entweder sehr lange zuvor oder aber erst im Zuge der Covid-19-Erkrankung gemessen - so dass sich nach Aussage von Experten aus dem Messwert nicht ableiten lässt, ob ein gemessener Mangel nicht erst infolge der Infektion entstand.

Zu den Einschränkungen der neuen Analyse zählt den Autoren zufolge, dass sich nicht alle Corona-Infektionen über Antikörper nachweisen lassen - unter anderem, weil diese nach gewisser Zeit schwinden. Eine Aussage über die Schwere von Covid-19-Erkrankungen in Abhängigkeit vom Vitamin-D-Status trifft die Studie nicht.

Zweifelhafte Ratschläge aus dem Internet

In einem Kommentar zur Studie in "Jama Open Network" lobt der US-Gesundheitsexperte Michael Polis die Methodik der Analyse.

Diese Studie zeigt, dass eine gut konzipierte, angemessen dimensionierte Beobachtungsstudie mehr definitive Beweise liefern kann als mehrere kleinere, schlecht konzipierte Studien.
Michael Polis, US-Gesundheitsexperte

Im Internet machen allerdings schon seit längerem Empfehlungen für die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten die Runde - aktuell oft begründet mit Hinweisen, eine Infektion mit dem Coronavirus oder ein schwerer Verlauf einer Covid-19-Erkrankung könnten damit verhindert werden.

Dafür gibt es bisher keine wissenschaftlich gesicherten Belege und Behörden wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnen immer wieder vor den gesundheitlichen Risiken einer eigenständigen Einnahme vor allem von höher dosierten Vitamin-D-Präparaten. Bei stetig zu hohem Vitamin-D-Level im Körper drohen Gesundheitsschäden wie die Bildung von Nierensteinen oder Nierenverkalkung.

Street Art in Berlin: ängstliche Frau mit Mundschutz und Virus

Nachrichten | Thema - Alle Themen des Teams ZDFheuteCheck 

Welche Erkenntnisse und Studien gibt es zu Corona? Und welche Fake News verbreiten sich aktuell im Netz? Faktenchecks und Recherchen aus dem Team ZDFheuteChe...

BfR: gegen Vitamin-D-Mangel abwechslungsreiches Essen

Eine gute Vitamin-D-Versorgung könne man am besten durch die Eigensynthese der Haut erreichen, heißt es vom BfR. Darüber hinaus sei zu empfehlen, ein- bis zweimal pro Woche fetten Seefisch wie Hering oder Lachs zu essen. Eine generelle Vitamin-D-Einnahme von bis zu 20 Mikrogramm pro Tag ist demnach lediglich für Menschen wie Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner zu erwägen, die sich kaum im Freien bewegen.

Allgemein sei eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen wichtig für die Immunfunktion des Menschen, so das BfR. Zum Schutz vor Erkältungs- und Atemwegserkrankungen sei darum generell eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel vitamin- und mineralstoffreichem Obst und Gemüse wichtig.

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.