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Hohe Inzidenz trotz Impfungen - Darum sind die Zahlen gerade höher als 2020

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Die Corona-Lage verschlechtert sich von Tag zu Tag - die Inzidenz und die Zahl der Covid-Patienten auf Intensivstation ist sogar höher als vor genau einem Jahr. Woran liegt das?

Angesichts steigender Infektionszahlen warnen Mediziner vor einer zu starken Auslastung der Intensivstationen. So stieg die Zahl der Corona-Intensivpatienten innerhalb einer Woche um 15 Prozent. Und nur wenige Ungeimpfte wollen sich noch impfen lassen.

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Die Zahlen steigen und steigen. Das Robert-Koch-Institut meldet aktuell über 28.000 neue Corona-Infektionen an nur einem Tag - fast 12.000 mehr als am Donnerstag vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist sprunghaft auf über 130 gestiegen. Vor genau einem Jahr, am 28. Oktober 2020, lag sie noch bei etwas über 100.

Gleichzeitig steigt auch die Hospitalisierungsrate - also die Anzahl der Menschen pro 100.000 Einwohner, die binnen einer Woche in eine Klinik aufgenommen werden mussten. Aktuell liegen rund 1.800 Covid-Patienten auf Intensivstationen, über 200 mehr als vor genau einem Jahr. Dafür, dass die Zahlen rapide steigen, gibt es mehrere Ursachen:

Kühles Wetter, Corona-Maßnahmen werden zurückgefahren

Zum einen halten sich bei kühlem Wetter wieder mehr Menschen in Innenräumen auf, wo das Ansteckungsrisiko deutlich höher ist. Gleichzeitig wurden auch etliche Corona-Maßnahmen wieder zurückgenommen:

  • Einige Bundesländer verzichteten auf die Maskenpflicht in Schulen, beispielsweise Baden-Württemberg, das Saarland, Bayern oder Berlin, nächste Woche fällt die Maskenpflicht für Schüler in Nordrhein-Westfalen.
  • Discotheken und Bars dürfen wieder öffnen.
  • Konzerte und andere große Veranstaltungen dürfen auch in Innenräumen stattfinden.

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Doch sind ja etwa zwei Drittel der Deutschen laut RKI vollständig geimpft - wie ist es dann möglich, dass die derzeitigen Infektionszahlen und auch die Zahl der intensivmedizinisch betreuten Patienten höher sind als im Vorjahr, als es nicht einmal Impfungen gab? Dafür gibt es mehrere Gründe:

Ansteckende Delta-Variante beherrscht das Geschehen

Die Lage im Oktober vor einem Jahr war eine völlig andere als die derzeitige: 2020 beherrschte noch der Wildtyp des Coronavirus das Infektionsgeschehen. Heute hat sich die Delta-Variante durchgesetzt, die als wesentlich ansteckender gilt, das Krankenhaus-Risiko zu erhöhen scheint und vermutlich auch unempfindlicher gegen Antikörper ist.

Schutz vor Ansteckung durch Impfungen nimmt ab

Auch, wenn Veranstaltungen meist nur unter 3G- oder 2G-Bedingungen erlaubt sind: Die Virologin Sandra Ciesek erklärt im aktuellen Podcast "Coronavirus-Update" des NDR, dass 3G- und 2G-Regelungen Menschen in trügerischer Sicherheit wiegen, Corona-Ansteckungen möglich sind und so die Infektionszahlen in die Höhe treiben können.

Denn eine Corona-Impfung bietet für eine kurze Weile einen guten Schutz vor einer Infektion - Ciesek spricht von einer Zeit von etwa drei Monaten. Danach schützt die Impfung zwar in der Regel weiter vor einem schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf. Doch auch Geimpfte können sich im Laufe der Zeit wieder mit Corona infizieren und das Virus weitergeben - auch bei 3G- oder 2G-Veranstaltungen.

Mühldorf am Inn kämpft derzeit mit der höchsten Inzidenz bayernweit. In der dortigen Klinik müssen nicht notwendige Operationen verschoben werden. Das Personal bereitet sich erneut auf Notsituationen vor.

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Ältere Menschen zurzeit stärker betroffen

Ein starker Zuwachs der Infektionen wird derzeit bei Älteren registriert - plus 62 Prozent zur Vorwoche bei den ab 60-Jährigen - genau bei denjenigen, deren Impfung am längsten zurückliegt und die am ehesten eine Krankenhausbehandlung benötigen, wenn sie sich infizieren. Denn gerade bei Älteren lässt die Immunantwort nach einer Impfung schneller nach als bei jüngeren, wie eine Studie der Berliner Charité zeigt.

Heute weniger Einschränkungen als vor einem Jahr

Noch vor einem Jahr galten in Deutschland deutlich strengere Corona-Regeln als zurzeit:

  • Veranstaltungen waren in der Regel auf 100 Personen beschränkt
  • Großveranstaltungen waren verboten
  • mehr als zehn Personen durften sich nicht im öffentlichen Raum treffen
  • vielerorts galt Maskenpflicht im Freien
  • Bars und Clubs waren geschlossen

Anfang November trat der sogenannte "Lockdown light" in Kraft, mit dem die Beschränkungen nochmals verschärft wurden.

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt immer weiter an und das wirkt sich auch auf die Kliniken aus. Krankenhäuser warnen nun vor einer Auslastung der Intensivstation, vor allem durch ungeimpfte Patienten.

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2020 wurde weniger breit getestet

Selbsttests aus dem Supermarkt, Schnelltest-Zentren in den Innenstädten, Tests auf der Arbeit oder in den Schulen, Veranstaltungen, die einen negativen Test voraussetzen - all das gab es im Corona-Herbst 2020 nicht oder nicht in dem Umfang wie heute. Entsprechend werden heute vermutlich mehr Infektionen registriert, die im vergangenen Jahr noch unbemerkt geblieben wären.

Zahlen steigen weiter, doch es gibt weniger Tote als 2020

Umfassende Einschränkungen wie im Jahr 2020 wird es im kommenden Winter voraussichtlich nicht mehr geben. Wenn dadurch weiterhin viele Menschen Kontakt zueinander haben, kann sich auch das Virus weiter ausbreiten - gut möglich, dass in den kommenden Monaten die Zahl der Infektionen mindestens in gleichem Maße weiter steigt wie im Vorjahr.

Doch sind die Konsequenzen - zuminest derzeit - weniger dramatisch als 2020: "Man sieht", so Ciesek, "dass im Vergleich zu vor einem Jahr deutlich weniger Patienten an der Infektion sterben - wenn sie geimpft sind".

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