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Keine Feiern zum großen Tag der Briten

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75 Jahre Weltkriegsende - Keine Feiern zum großen Tag der Briten

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Großbritannien wird den Jahrestag des Weltkriegssieges nicht offiziell feiern. Doch auch ohne viel Pomp ist es einer der Tage, der die nationale Identität der Briten prägt.

Die Briten feiern am 8. Mai 1945 das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa
Die Briten feiern am 8. Mai 1945 das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa
Quelle: dpa

Es sollte der finale, große Auftritt werden. Für eine Generation, die in Großbritannien als "the finest", die Beste, Vornehmste, bezeichnet wird. Doch die letzten noch lebenden Soldaten müssen sich dem Corona-Virus beugen.

Der Mythos Zweiter Weltkrieg ist zwar ungebrochen im Königreich - aber fast alle öffentlichen Feierlichkeiten mussten abgesagt werden.

Die Rede von Churchill kommt noch mal im Radio

"Das ist natürlich traurig", erklärt Camilla Tominey, Politikredakteurin und  Mitherausgeberin des Daily Telegraph. "Vor allem für die Veteranen, es sind ja nicht mehr allzu viele, die noch einmal feiern wollten, die noch einmal groß gefeiert werden sollten."

Erstmals sterben in einem Krieg mehr Zivilisten als Bewaffnete. Und die Opferzahlen gehen weltweit in die Millionen. Das Grafikvideo zeigt es!

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Zwei feierliche Momente wird es dennoch geben:

  • Um 15 Uhr Ortszeit, wie am 8. Mai 1945, wird die Rede des damaligen Premierministers Winston Churchill im Radio wiederholt. Er gab bekannt, dass der Krieg vorbei ist.
  • Im Anschluss sollen sich alle die können, zu Hause zuprosten.
  • Um 21Uhr wird die Queen eine TV-Ansprache halten, auf die Sekunde exakt 75 Jahre, nachdem sich ihr Vater, König Georg VI., an die Briten gewandt hatte.

Im Anschluss soll landesweit gesungen werden.

Die Identität der Briten hängt auch am Sieg im Zweiten Weltkrieg

"Diese herrlichen Versuche, zu retten, was zu retten ist, zeigt wie sehr der VE-Day, der Sieg im Zweiten Weltkrieg, die nationale Identität der Briten prägt", erklärt Chris Smith, Historiker an der Universität Coventry.

Chris Smith ist Historiker an der Universität Coventry. Er sagt, dass Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg zum Eckpfeiler britischer Identität geworden sind.

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Der Zweite Weltkrieg ist für die Briten identitätsstiftend. Aber eben auch ein Ereignis, dass die Geburt eines Mythos zur Folge hatte: Der von der britischen Sonderstellung, der Einzigartigkeit - anders als der Kontinent. Und vor allem, dass man alleine stand im Krieg gegen ganz Europa, neben Nazi-Deutschland zum Beispiel gegen Italien.

Da ist etwas, was die meisten Historiker für nicht haltbar erklären. Doch es ist in konservativen und nationalistischen Kreisen ein wiederkehrendes Narrativ, das durchaus im Vereinigten Königreich mehrheitsfähig ist.

Historiker Christ Smith erklärt, warum einige Briten glauben, alleine gegen Deutschland und Teile Europas Krieg geführt zu haben.

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Die Queen hat eine ganz besondere Erinnerung an den Abend

Worauf sich alle einigen können: Der 8. Mai 1945 ist ein besonderer Tag, einer der großen der britischen Geschichte. Vor allem auch für die Queen. Zusammen mit Schwester Margret war die damalige Thronfolgerin am Abend des 8 Mai. aus dem Palast ausgebüchst. Die Prinzessinnen jubelten mit den Zehntausenden vor dem Palast.

"Es gab Gerüchte, dass die beiden getanzt, Lieder mitgesungen hätten", erzählt Camilla Tominey. "Für die spätere Königin war es einzigartig, so etwas zu erleben. Einmal normal sein, ein Teenager unter vielen, das hat Elizabeth einmal in 75 Jahren erlebt. Sie dürfte es nie vergessen haben."

Der Stolz auf den Sieg hat auch eine Kehrseite

Die Queen hat es miterlebt, und bis heute prägt diese Erfahrung sowohl sie als auch das Land. Der Verweis auf diesen glorreichen Tag, und die Entbehrungen zuvor, gehört für Elizabeth II. dazu. Wie etwa in ihrer außerordentlichen Ansprache zur Corona-Krise vor wenigen Wochen.

Historiker Chris Smith glaubt, dass der damalige Premierminister Winston Churchill wusste, wie wichtig internationale Zusammenarbeit ist.

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Damals hatte die Queen die britischen Tugenden beschworen, die (nicht nur) den Sieg im Zweiten Weltkrieg gebracht hätten. Diese Tugenden der "finest generation", sind ein bedeutender Teil des politischen und gesellschaftlichen Diskurses in Großbritannien.

Die Frage ist nur, ob das 75 Jahren nach dem Ende nicht immer von Vorteil sein mag. Und ob es sich das Land nicht schwerer macht, indem es sich so sehr auf die Weltkriegsgeneration beruft. Und schließlich: Ob Großbritannien in mancher Hinsicht stehen geblieben sein könnte. All das wird auch diskutiert. Aber erst wieder ab dem 9. Mai.

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