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Terra X - die Wissens-Kolumne - Die Waffe im Kampf gegen Corona

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Corona ist ein komplizierterer Gegner als gedacht. Die Menschheit hat nur eine Waffe: Wissenschaft. Doch diese zeigt sich manchmal etwas sperrig.

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Ingolf Baur

In der neuen Terra-X-Kolumne auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.

Ich erinnere mich genau, wie wir bei NANO im Dezember 2019 zum ersten mal über Corona berichtet haben. In Wuhan waren Menschen in ihren Wohnungen eingesperrt worden, die Türen zugenagelt. Es wirkte absurd und übertrieben. Dass uns der Klimawandel überrollt, dass das Artensterben mittlerweile auch unsere Spezies bedroht, hatten wir längst auf dem Schirm. Aber dass ein Virus um die Ecke kommen könnte, das unser Leben vollständig aus der Bahn wirft, war damals unvorstellbar. Die SARS-Pandemie war 2003 schließlich auch nach ein paar Monaten in sich zusammengefallen. Warum sollte es diesmal anders sein?

Viren haben keine eigene Zelle, keinen eigenen Stoffwechsel und können Sie sich nicht ohne fremde Hilfe vermehren. Deshalb sind sie genau genommen auch keine Lebewesen. Wie vermehren sich Viren?

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Doch SARS-CoV-2 sollte sich genau als der Gegner entpuppen, vor dem Wissenschaftler längst gewarnt hatten: hochansteckend und tödlich. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das Virus nicht einmal 30.000 Genbausteine besitzt, sich weder bewegen noch selbst fortpflanzen kann, von einem Gehirn ganz zu schweigen. Ein Nichts. Und doch ist es in der Lage, unsere Zivilisation in die Zange zu nehmen. Trotz unseres hoch entwickelten Immunsystems. Trotz unseres überragenden Verstands. Trotz der Tatsache, dass wir künstliche Intelligenz, Hohlraum-Dübel und Zwölfton-Musik erfunden haben.

Das Werkzeug im Kampf gegen SARS-CoV-2

Das ist auch eine Demütigung. Das igelige Ding, das weder lebt noch tot ist, kann uns krank machen und töten, es überfordert unser Gesundheitssystem, es nutzt unseren Wunsch nach Nähe gnadenlos aus und bestraft jede Nachlässigkeit. Es strickt uns Menschen zu seinen Replikationsmaschinen um. In der Lunge eines Superspreaders können in einem Milliliter 100 Milliarden Viren stecken. Das sind so viele, wie es Sterne in der Milchstraße gibt.

In Dänemark und Großbritannien gibt so viele Corona-Neuinfektionen wie nie. Omikron hat die Situation dort schnell verändert. Wann ist es bei uns soweit? (NANO vom 17. Dezember 2021)

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Und was haben wir dieser evolutionären Kampfmaschine SARS-CoV-2 entgegenzusetzen? Ein Werkzeug, das zwar Großartiges leisten kann, aber nach seinen eigenen Regeln spielt: Wissenschaft. Sie ist kompliziert, anstrengend, oft widersprüchlich und produziert erst mal Zumutungen, fast egal, welche Frage man ihr stellt: Macht Omikron schwerere Verläufe? Unklar - wir müssen abwarten und zählen. Kommt im Frühjahr die fünfte Welle? Hängt davon ab, wie wir uns verhalten - die Modelle liefern nur Szenarien und keine Prognosen. Verhindern die Impfungen immer noch schwere Verläufe? Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, doch jeder Mensch ist anders. Wie soll man das aushalten in Zeiten, die uns eh schon unendlich verunsichern?

Diese Abkürzung kannte bis vor kurzem kaum jemand: mRNA oder messenger RNA. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Innerhalb von Monaten wurden Impfstoffe gegen das Virus entwickelt.

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Wissenschaft ist kein Automat

Ganz einfach: Weil es nichts Besseres gibt, um sich im Dschungel der unendlich komplexen Wirklichkeit zurechtzufinden. Doch Wissenschaft ist kein Automat, in den man Probleme einfüllt und der dann Lösungen ausspuckt. Sie bietet keine Glaskugel, sondern eher einen Blindenstock in einer verdammt dunklen Welt. Wissenschaft ist eine Methode, um mit Beobachtungen, Messungen und Daten umzugehen. Unbestechlich, unemotional und damit oft genug provozierend: Wer brauchte schon im Sommer, während wir im Biergarten bei niedrigster Inzidenz endlich das Leben wieder genießen konnten, Modellrechnungen, die vor einer Herbstwelle warnten?

Von 100 Menschen, so sagt die Hirnforschung, werden mindestens 10 ganz von ihren Gefühlen und Impulsen gesteuert, 65 bis 70 machen einfach das, was alle anderen machen und gerade mal 20 sind vernünftigen Argumenten spontan zugänglich. Wissenschaft ist also kein Selbstgänger. Besonders auch, weil uns Menschen das Gespür für komplexe Zusammenhänge weitgehend fehlt: Etwa wie eine exponentielle Entwicklung winzige Zahlen explodieren lässt, wie das Virus sich in Clustern ausbreitet oder was Wahrscheinlichkeiten eigentlich bedeuten. Aber wir haben ein Werkzeug geschaffen, mit dem wir unsere Defizite wettmachen können.

Exponentielles Wachstum bestimmt unser Leben. Es kann uns bereichern oder zerstören. Wir sollten es verstehen lernen – doch dazu ist unser Gehirn nur bedingt fähig.

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Wissenschaft muss man nicht lieben

Wahrscheinlich hätte im Mittelalter der Bader was vom Teufel geraunt und uns gekochte Hühnerfüße verschrieben. Und vielleicht kann so etwas Menschen eher beruhigen als die drögen Grafiken des RKI. Doch Hühnerfüße oder auch die beliebten Pferdeentwurmungsmittel wirken eben nicht gegen Corona. Wissenschaft muss man nicht lieben, aber ihr Potenzial sollten wir uns nicht entgehen lassen. Wenn die Pandemie etwas Positives hat, dann dass sie uns gezeigt hat, dass Wissenschaft das einzig Zuverlässige in Krisen ist. Und das ist sicher: Davon wird es noch mehr geben.

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Themenseite: Die Wissens-Kolumne

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