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Studie zu Virus-Ursprung - Wuhan-Markt wohl nicht Corona-Quelle

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Ist ein Markt in Wuhan Quelle des Coronavirus? Diese Annahme gerät durch eine neue Studie ins Wanken. Denn der Erreger soll bereits Monate zuvor aufgetreten sein.

Markt in Wuhan
Auf diesem Markt in Wuhan könnte eines der ersten Corona-Superspreader-Events stattgefunden haben.
Quelle: epa

Wo liegt der Ursprung des Coronavirus? Diese Gretchen-Frage der Corona-Krise ist bis heute nicht eindeutig beantwortet.

Die anfängliche Theorie, dass ein Markt im chinesischen Wuhan Quelle des Ausbruchs ist, gerät im Laufe der Pandemie ins Wanken. So auch in einer aktuellen Studie: In der Zeitschrift "Science" schreiben mehrere US-Wissenschaftler, dass das Virus zum ersten Mal schon ein bis zwei Monate vor den Nachweisen vom Dezember 2019 im Zusammenhang mit einem Markt für Meeresfrüchte aufgetreten sein könnte.

Unsere Ergebnisse definieren den Zeitraum zwischen Mitte Oktober und Mitte November 2019 als den plausiblen Zeitraum, in dem der erste Fall von Sars-CoV-2 in der Provinz Hubei auftrat.
Studie in "Science", 18. März 2021

Studie: Markt in Provinz Hubei nicht Corona-Quelle

Die Studie hat Corona-Mutanten bis zu einem gemeinsamen Virus-Vorfahren zurückverfolgt und dann Ausbreitungsszenarien modelliert.

Der Evolutionsbiologe Michael Worobey erklärte, die Ergebnisse deuteten stark darauf hin, dass der Markt in der Provinz Hubei nicht die Quelle des ersten Corona-Ausbruchs sei, aber eines der ersten Superspreading-Events. William Hanage, Experte für öffentliche Gesundheit und nicht an der Studie beteiligt, erklärte, die Rückschlüsse der Wissenschaftler seien "sehr, sehr plausibel".

Wichtig sei es nun, so die Forscher in ihrer Studie, die konkreten Tiere zu identifizieren, von denen das Virus ausging. Sie schreiben: "Das Auffinden des tierischen Reservoirs oder des hypothetischen Zwischenwirts wird helfen, das Datum, den Ort und die Umstände der ursprünglichen Sars-CoV-2-Infektion beim Menschen weiter einzugrenzen."

Wie das Coronavirus von Tieren auf den Menschen übersprang, wollen Experten der WHO in China erforschen. Zoonose-Experte Fabian Leendertz über die Mission.

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Frühphase des Coronavirus

Die Studie habe ergeben, "dass die Pandemie eine kurze Frühphase hatte, in der das Virus wiederholt auf den Menschen übersprang ohne sich festzusetzen", fasst der Gießener Virologe Friedemann Weber gegenüber ZDFheute zusammen. Das sei das typische Szenario bei Zoonosen. Um die These zu untermauern, bräuchte es aber Antikörper-Daten, die zeigen, dass Menschen schon vor Dezember 2019 infiziert waren.

Nur bei einem sogenannten "Spillover"-Event, bei dem das Virus vom Tier auf den Menschen überspringt, war es dann letztlich erfolgreich.
Friedemann Weber, Virologe Uni Gießen

Dass das Virus erst im Dezember zu einem wachsenden Problem geworden sei, lasse sich möglicherweise damit erklären, dass eines der Viren vielleicht zufällig etwas besser an den Menschen angepasst war. "Es kann aber auch sein, dass es schlicht mehr Gelegenheiten hatte, auf andere Menschen weiter übertragen zu werden", erklärt Weber.

WHO-Mission nach China, um Ursprung zu finden

Um die Frage nach dem Virus-Ursprung zu klären, waren WHO-Expert*innen Ende Januar nach Wuhan aufgebrochen. Ihr Bericht sollte eigentlich noch in dieser Woche erscheinen. Die Veröffentlichung wurde aber verschoben - auf Ende März. Die Expert*innen fanden nach ersten Angaben keine Hinweise auf Corona-Infektionen vor Dezember 2019.

Mit dabei bei der WHO-Mission war auch Fabian Leendertz, der beim RKI eine Projektgruppe zur "Epidemiologie hochpathogener Erreger" leitet. Im Gespräch mit dem ZDF dämpfte er die Hoffnung bei der Suche nach dem Ursprung des Virus. "Ich glaube, es wird unheimlich schwierig sein, den Patient Null bei Sars-Cov-2 zu finden", sagt er in der Sendung "Leschs Kosmos".

Tiere, die gefährliche Erreger in sich tragen, sind überall. Mit detektivischem Spürsinn sind ihnen Forschende auf der Spur.

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Der Grund: Bei einem Virus, das zum Teil nur leichte Symptome zeigt, ist das Zurückverfolgen der Ansteckungskette sehr kompliziert. Bei Viren mit starken, eindeutigen Symptomen sei das einfacher, etwa bei Ebola.

Coronavirus im Abwasser in Italien schon im Dezember 2019

Frühere Erkenntnisse aus Europa unterstützen die Theorie, dass der Corona-Erreger schon früher grassiert haben könnte. Im Juni 2020 teile das oberste italienische Gesundheitsinstitut ISS mit, dass Spuren des Erregers schon im Dezember 2019 im Abwasser in Mailand und Turin nachgewiesen wurden.

Bereits kleine Mengen von Coronaviren lassen sich im Abwasser nachweisen. Dadurch kann schon frühzeitig das Infektionsgeschehen erkannt und lokalisiert werden.

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"Die Autoren der 'Science'-Studie sehen diese frühen Virusnachweise in Italien aber skeptisch", erklärt Weber. Denn sie gehen von weniger als 20 Menschen aus, auf die das Virus erfolglos gesprungen ist, bevor die Pandemie losging.

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