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Nach Corona-Demos in Berlin - Zentralrat warnt: Wachsender Antisemitismus

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Nach den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen befürchtet der Zentralrat der Juden eine zunehmende Radikalisierung. Auch die Polizeigewerkschaft warnt vor rechtem Einfluss.

Teilnehmer einer Kundgebung gegen Corona-Maßnahmen stehen auf den Stufen des Reichstages in Berlin. Bei der Demo wurden auch zahlreiche Reichflaggen geschwenkt. Der Zentralrat der Juden zeigt sich besorgt.
Auch zahlreiche Reichsflaggen wurden bei einer Demo in Berlin geschwenkt. Der Zentralrat der Juden zeigt sich besorgt.
Quelle: dpa

Nach den jüngsten Corona-Protesten in Berlin warnt der Zentralrat der Juden vor zunehmendem Antisemitismus in der Gesellschaft. Zentralratspräsident Josef Schuster machte für die Entwicklung unter anderem "sehr rechte und rechtsextreme Gruppen" verantwortlich, die sich unter die Demonstranten gemischt hätten.

In Berlin hatte es am Wochenende mehrere Protestkundgebungen gegen die Corona-Politik der Regierung gegeben. Dabei eskalierte am Samstagabend die Lage vor dem Reichstag, dem Sitz des Bundestags: Hunderte Rechtsextreme besetzten die Treppe des Gebäudes. Die Eskalation löste allgemeines Entsetzen aus, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte die Ausschreitungen "verabscheuungswürdig".

Nach den Vorfällen am Berliner Reichstag appelliert Bundespräsident Steinmeier an die Bürger. Den Rechtsextremismus wirksam zu bekämpfen, sei eine wichtige und andauernde Aufgabe.

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Zentralrat der Juden: Wissen, mit wem man demonstriert

Der Zentralratspräsident sagte gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Wenn zum Beispiel den Rothschilds die Verantwortung für die Pandemie zugeschoben wird, dann ist das ein Synonym für Juden." Und weiter:

Seit Monaten werden in der Corona-Debatte Verschwörungsmythen mit antisemitischer Grundtendenz bewusst geschürt.
Josef Schuster, Präsident Zentralrat der Juden

Schuster stellte aber auch klar: Nicht alle, die am Wochenende in Berlin demonstriert hätten, seien Rassisten oder Antisemiten: "Aber sie machen sich mit diesen gemein." Der Präsident des Zentralrates appellierte an die Bundesbürger, dass sie "wissen müssen, mit wem sie mitlaufen oder wer mit ihnen mitläuft".

Reichsflaggen vor dem Bundestag: Da läuft etwas falsch

Die Menschen müssten wissen, "dass sie die Argumente von Antisemiten indirekt unterstützen, wenn sie sich an solchen Demonstrationen beteiligen". Zu den Ereignissen am Reichstag sagte Schuster: "Wenn im Jahr 2020 die Reichsflagge direkt vor dem Eingang des Deutschen Bundestages weht, dann läuft etwas falsch."

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Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht eine Radikalisierung der Protestbewegung gegen staatliche Corona-Auflagen. "Seit den ersten Hygiene-Demonstrationen verfestigt sich der Einfluss rechtsextremer Gruppen auf die Corona-Protestbewegung", sagte der GdP-Vizevorsitzende Jörg Radek den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Rechten sind dabei, die Bewegung komplett zu kapern.
Jörg Radek, stellv. Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei

Polizeigewerkschaft: Hohe Anfälligkeit rechter Einflussnahme

Radek sagte, die Gefahr sei im Moment groß, dass sich die Corona-Protestbewegung genauso entwickele wie die islamfeindliche Pegida-Bewegung. Auch bei Pegida habe am Anfang die Wut über politische Entscheidungen gestanden - gepaart mit einer hohen Anfälligkeit gegenüber rechter Einflussnahme.

Seit dem vergangenen Wochenende habe die Corona-Protestbewegung ihre Unschuld endgültig verloren, sagte Radek. Nach den Ereignissen könne niemand mehr sagen, er sei nur ein Mitläufer. "Jeder, der jetzt noch dabei bleibt, muss sich die Frage stellen, ob er sich mit den Rechtsextremisten gemein machen will und seine persönlichen Sorgen in der Corona-Krise mit den demokratiefeindlichen Zielen der Extremisten verbinden will", so Radek.

70 Jahre Zentralrat der Juden -
"Nicht noch einmal wegschauen"
 

Der Zentralrat der Juden feiert 70. Geburtstag. Vertreter aus Kirche und Politik würdigen sein Wirken als wichtige Stimme für die Demokratie und den Kampf gegen Antisemitismus.

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